12 Sep

Durchatmen Schalke

„Am Anfang sind die Bayern doch zu schlagen“, sagten sie. „Die Bauern haben sich noch nicht gefunden, da muss man da sein“, forderten sie. Auf der anderen Seite stand aber auch eine unterirdische Auftaktniederlage gegen Fast-Absteiger Frankfurt. So die Voraussetzungen. Wie so oft lag die fußballerische Realität dann irgendwo in der Mitte.

Oft erwartet man: Ein Spiel gegen den FC Bayern München gleicht dem vielzitierten Salamiwurf in die Turnhalle. Oder auch ins Treppenhaus. Bayern ist die Turnhalle, der Gegner die Salami. So richtig befriedigend ist das für keinen der Beteiligten.

Am Freitag sah es bis zur Einundachtzigsten nicht annähernd so aus. Die typische Bayerndominanz fand überraschend wenig Platz in einer neu formierten Schalker Mannschaft, mit der man sich noch gar nicht richtig identifizieren konnte, weil man sie abseits von Schalke-TV einfach noch kaum kennen lernen konnte.

Stambouli, jaja, irgendwas mit Paris. Baba, war mal irgendwann schon in der Bundesliga. Chelsea, Huiuiuiui. Embolo. War da nicht dieses Oh Embolo – Oh Embolo bei der EM? Baba… Dem Baba aus Hoffenheim? Nee…

Du weißt, worauf ich hinaus will: Wir kennen diese (erst mal supercool auftretende) Weinzierl-Truppe noch kaum und hatten schon eine LKW-Ladung voller Erwartungen an sie. Containerladungen geradezu. Wie arbeitest du denn, wenn du so überschüttet wirst?
Am Freitag hat man schon in Ansätzen gesehen, dass die Jungs mit dem Ball auf der Wiese sich zum Glück schon wesentlich besser kennenlernen konnten und als wachsendes Gefüge diesem Druck standzuhalten in der Lage sind. Irgendwas zwischen siezen und duzen ist das noch – in vermutlich acht verschiedenen Sprachen. Während der Ball schon zum sportlichen Du tendierte. Wir können neugierig durchatmen. Das unsichtbare Netz, das sich auf dem Platz zwischen den Boys in Blau spannte, war engmaschig, die vermeidbaren Fehler hielten sich in humanen Grenzen.

Zu schlagen war Bayern trotzdem noch immer nicht. Aber dagewesen wären wir. Mann, ey!

 

Bild von: Wittig, Bundesarchiv, Bild 183-48852-0001 / CC-BY-SA 3.0
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Benjamin

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