25 Jul

Die Tönnies-Pyramide

Die Mitgliederversammlung beschäftigt mich auch Wochen später noch häufig. Mir sind in der Zeit sehr viele Informationen zugesteckt worden. Vielen davon konnte man glauben, manchen klangen maximal Irre. Es hinterlässt aber ein besseres Bild im undurchsichtigen Schalke-Puzzle. Warum man mich gut informiert hat? Weil wir vor der Jahreshauptversammlung mit dem Glückauf Pils eine ziemlich gute Sendung aufgenommen haben und ich den Tönnies vor versammelter Journallie gebeten habe, sich zukünftig nicht mehr Schalke-Boss nennen zu lassen. Peter Lange hab ich zu mir nach Hause eingeladen, um bei mir zu grillen. Die Einladung empfand er zu exklusiv, was ich bedauere, wäre ein schöner Podcast geworden. Jedenfalls nahm ich im Medien-Rumble irgendwie eine Rolle ein, dir mir auch ziemlich gut gefiel.

Vor der Mitgliederversammlung hatte ich irgendwie das Gefühl, dass irgendwas in der Luft liegt, das Ganze hat sich aber keineswegs bestätigt. Im Grunde war die Versammlung ein Segen für die Veranstaltungs-Regie, die ziemlich luftig über die Bühne ging. Das ist für Schalke 04 nicht die schlechteste Option. Von Außen betrachtet.

Drei Sachen fielen mir dabei besonders auf.

  • An der Spitze des Clubs sind sie ziemlich zufrieden mit dem grundsätzlichen Setup im System Tönnies. Natürlich bis auf die abtrünnigen Aufsichtsratsmitglieder Horn, Wiese und Hefer, die ja nun auch dokumentarisch ausgegrenzt wurden.
  • Die breite Basis findet das “System Tönnies” auch ziemlich dufte, sonst hätten sie beide bisherigen Aufsichtsratsmitglieder nicht mit einer solchen Mehrheit gewählt.
  • Der Mittelbau des Clubs wird nicht mitgenommen.

Besonders der dritte Punkt liegt mir am Herzen. Alle, die ein höheres Engagement für den Club haben, fühlen sich außen vor gelassen. Also Allesfahrer haben sich bei der Veranstaltung in der Flora öffentlich darüber beschwert, dass sie geschnitten werden, gerade im Rückblick auf die Viagogo-Geschichte. Ultras Gelsenkirchen haben sich per Spruchbänder deutlich gegen Tönnies gewandt. Schalke.V.ereint hat sich als quasi Opposition der Mitglieder herausgestellt, ebenso hat die Fan-Ini über Facebook massiv auf die Fehlleistungen von Tönnies hingeweisen. Einzig vom Supportersclub habe ich keine öffentliche Stellungnahme wahrgenommen.

Darüberhinaus gibt es noch das Furunkel am Hintern des Clubs den Schalker Fanclub Dachverband, der endlich mal von einer gescheiten Interessenvertretung, organisiert von oben genannten Vereinigungen, abgelöst werden sollte.

schalke_pyramiede

Um das mal bildlich zu demonstrieren. Schalke 04 hat aus meiner Sicht aktuell fünf Ebenen. Die handelnde Spitze des Clubs, rund um Tönnies, die weiteren Aufsichtsratsmitglieder und den Vorstand um Heidel, Peters und Jobst.

Darunter eine nicht so richtig große Anzahl an engagierten Fans, die sich gerne mehr Mitspracherecht wünschen. Gefußt von den Mitgliedern, die der Spitze bei der letzten Mitgliederversammlung ihr Votum verliehen haben. Die breite Basis des Vereins sind die Mitglieder, denen der Club so wichtig ist, dass sie sogar freiwillig einen nicht unerheblich Geldbetrag an den Verein überweisen, um damit ein Stimmrecht oder eine sonstige höhere Bindung zum Club zu haben.

Der erste breitere Block bildet die Schalke-Sympathisanten des S04 in ganz Deutschland ab. In einer Studie von Allensbach von 2012 haben 14% der deutschen Bevölkerung ein ausgeprägtes Interesse an Schalke 04. Das sind 11,5 Mio. deutsche Bürger auf die Alex Jobst ziemlich scharf ist, sind es doch 11,5 Mio. potentielle Trikotkäufer.

Ganz darunter mit überhaupt keinem ernsthaften Engagement für Schalke 04 aufgrund der Distanz von Peking oder New York nach Gelsenkirchen und einfach nur Teil der Internationalisierungsstrategie und damit maximal gut melkendes Zahlvieh. Welche Potentiale hier schlummern, weiß ich nicht. Das Ziel diese Märkte zu bedienen, halte ich aber für ein gutes Ziel. Andere machen das auch und der Kuchen ist groß.

Im Grunde könnte die Schalke-Welt so perfekt sein, wenn nicht die permanent nörgelnden engagierten Fans im mittleren Teil der oberen Pyramide immer wieder die Schnauze aufmachen würden.

So kann man das sehen.

Oder man nimmt die Ernsthaftigkeit des eingetragenen Verein an und bindet die obigen involvierten Mitglieder irgendwie ein in das gute Vereins-Paket Schalke 04. Am Ende ist der mittleren Teil das, was den Club ernsthaft von anderen Clubs unterscheidet. Das sind diese Menschen, die dem Verein Schalke 04 ein Vereinsleben geben. Das sind diese Menschen die sich auch nach Abpfiff um den Verein scheren, ob immer mit den besten Ideen sei dahin gestellt – aber wer hat schon immer die besten Ideen? Das ganze müsste eigentlich der Schalker Fanclubverband auffangen und kanalisieren, schafft er aber nicht, wird er auch nicht mehr schaffen.

Jetzt ist es das Problem der Vereinsspitze, die sich tunlichst darum scheren sollten, diese Menschen und Organe einzubinden. Nicht als Ideengeber für Merchandise-Artikel wie schon so oft bei Ultras Gelsenkirchen geschehen, sondern als ernsthafte Säule des FC Schalke 04 als eingetragener Verein.

Oder wir haben jedes Jahr das gleiche Spiel von vorne.

Pepo

Fakten:
2002
Abitur an der Petra-Hinz-Berufschule in Essen,
2005
Studium der Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften an der Racip-Erdogan-Universität in Ankara
2008
Promotion an der Karl-Theodor-zu-Guttenberg-Univerität in München
Flo sagt:

„Darunter eine nicht so richtig große Anzahl an engagierten Fans, die sich gerne mehr Mitspracherecht wünschen.“ Wie kommst du zu dieser Einteilung? Für mich sind engagierte Fans jegliche Fans die bei der Jahreshauptversammlung waren und dementsprechend ihr Mitspracherecht nutzen. Und diese haben in großer Mehrheit für Clemens Tönnies gestimmt. Deine Pyramide steht meiner Meinung nach auf wackeligen Beinen, vor allem mit dem Bezug der größen und der aktuellen Stimmungslage. Man kann nicht indirekt sagen, dass alle, die gegen Tönnies waren sind engagiert und die Pro Tönnies Fraktion ,,nur“ aus normalen Mitgliedern besteht….

Netsmurf sagt:

Die Pyramide läßt sich doch auf jeden anderen Verein übertragen, egal ob Hundezüchter, Kleingarten oder eben Fußballverein.

Es gibt immer einen Vorstand (und vielleicht etwas drumrum wie Beisitzer), egal ob Hauptamtlich oder Ehrenamtlich, und ein paar begeisterte Mitglieder, die den ganzen Verein am Leben halten.
Dazu kommt die große graue wabernde Masse, die sich maximal bespaßen läßt. Die erwarten auch nur Brot und Spiele.

Nörgeln ist typisch deutsch, und bei uns besonders ausgeprägt. Beim Nachbarn ist ja auch grundsätzlich der rasen immer grüner. Das gilt jetzt nicht in östlicher Richtung, sondern das scheint inzwischen ein deutsches Wesenselement geworden zu sein.

Wenn sich ein wenig Erfolg einstellen sollte, es reicht schon ein attraktiveres Spiel, dann verstummen viele Nörgler und alles ist wieder schalkig. Dann ist es egal, wer der Vorturner(Boss) des blau-weissen Zirkus ist.

Natürlich bleiben ein paar Nörgler immer. Das sind aber auch die Personen, die sich auch darüber beschweren, das es jeden Morgen aufs neue Hell wird ;-)

Was uns manchmal fehlt, ist der respektvolle Umgang unter uns Mitgliedern. Egal ob Eventies oder Nordkurvenchor. Da ist keine Seite besser als die andere. Aber auch das wird mit mehr Erfolg an Bedeutung verlieren. Ob das gut ist, überlasse ich jedem selbst zu bewerten.

Gut geh´n

Altix sagt:

„Jetzt ist es das Problem der Vereinsspitze, die sich tunlichst darum scheren sollten, diese Menschen und Organe einzubinden.“

Mal eine (zugegebenermaßen) provokante Gegenfrage: Warum eigentlich? Das Abstimmungsergebnis hat nichts zu wünschen übrig gelassen, die sogenannte Opposition wurde heftig abgewatscht. Ob das gut oder schlecht ist, gerecht oder ungerecht, lassen wir mal dahin gestellt. CT und seine Mitstreiter haben eine deutliche Bestätigung für ihren Kurs eingefahren, auch wenn die Prozentsätze keinesfalls prall waren. Aber Tönnies und Lange sind am Ende nun einmal meilenweit vor ihren Kontrahenten gelandet. Versetz dich doch einmal in die Position von CT & Co.: Warum sollten die jetzt mit fliegenden Fahnen auf diejenigen zu rennen, gegen die sie vor kurzem noch erbittert gekämpft haben? Das Abstimmungsergebnis ist doch im Prinzip ein klares „Weiter so“.

Ich persönlich glaube, dass eine gehörige Portion Selbstkritik bei denen angebracht ist, die den Verein in ihren Augen demokratischer aufstellen wollten und dabei grandios auf den Bauch gefallen sind. Selbstkritik, was man grundlegend falsch gemacht hat und was man zukünftig besser machen kann. Sich jetzt hinzustellen, die Bedeutung der eigenen Aktivitäten herauszustellen und dann darauf zu warten, dass jemand anderes auf diese Gruppe zukommt, ist meiner Ansicht nach der falsche Weg. Was, wenn eine große Mehrheit im Verein gar nicht von der Wichtigkeit (oder den Zielen) dieser engagierten Gruppe von Vereinsmitgliedern überzeugt ist?

Meiner Ansicht nach gibt es für bestimmte Inhalte eine deutlich größere Zustimmung unter den Mitgliedern, als dies aus dem Abstimmungsergebnis der letzten JHV abzulesen ist. Das gilt aber nicht für die Vorgehensweise bestimmter Gruppen und / oder Einzelpersonen. Ich glaube, es ist in erster Linie an den von dir angeführten engagierten Mitgliedern, dass diese die übrigen Mitglieder mitnehmen und Mehrheiten im Verein organisiert bekommen. Das geht kaum in der zuletzt erlebten Form der Konfrontation. Es ist eher nicht an Vorstand und AR, euch mitzunehmen, auch wenn dies möglicherweise wünschenswert sein könnte. Darauf zu warten, könnte eine sehr lange Wartezeit bedeuten…

Frank sagt:

Jeder interpretiert Wahlergebnisse ja gerne so wie es ihm am liebsten oder am einfachsten ist!
Ja, man kann sagen, das CT mit großer Mehrheit gewählt wurde! Man könnte aber auch feststellen, dass es massive Verluste einstecken musste! (von über 80% auf „nur“ noch über 50%! Sprich es sind 30% abgesprungen! 30% die von seiner Vereinspolitik nicht mehr überzeugt waren! (ich sage bewusst nicht Gegner) Vielleicht auch 30% die Interna aus Gesprächen unter Mitgliedern des Aufsichtsrates nicht Werbewirksam kurz vor der Wahl in der Zeitung wiederfinden wollen.
Das die blassen Gegenkandidaten kaum eine Chance haben, hat man schon auf der Bielefelder Veranstalltung schon gesehen.

Wenn der Verlust von 30% bei CT ein leises Umdenken in den geäußerten Kritikpunkten bewirkt hat, hat die Opsition mehr erreicht, als diejenigen die sämtliche Satzungsänderungen durchgewunken haben ophne das die Anträge komplett vorgestellt wurden!

Denn einen weiteren Verlust kann sich CT nicht leisten. Und bei allem Jubel und Bauchgepinsel … nicht CT ist als Sieger über die Ziellinie gegangen. Lange hat mit seinen Aussagen mehr Leute überzeugt … auch das sollte nicht vergessen werden.

Netsmurf sagt:

Richtig, jeder interpretiert Wahlergebnisse nach seinem eigenen Gusto.

Fakt ist, das CT nicht mehr ca. 80% der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder auf sich vereinigen konnte.

Jedoch in absoluten Zahlen ausgedrückt hat er gegen 2013 einen Stimmzugewinn von 871 Mitglieder erreichen können. 5367 in 2016 zu 4496 in 2013. Aber auch da kann man wieder viel rein interpretieren……

Gewonnen hat der Verein, kein Tönnies, kein Lange und kein sonst wer. Verloren hat wenn überhaupt der Gossmann, und wenn er der designierte Kandidat der sogenannten Opposition war, dann war das wohl eindeutig kein Gewinn für deren Seite.
Aber egal, Mund abwischen, zusammen raufen und weiter geht es.

Bitte aber mit mehr Respekt, das war dieses Jahr ein Schmierentheater sondergleichen. Und keine Seite ist völlig unschuldig gewesen. Da hat der Alex Jobst schon Recht gehabt, das Ihn das massiv bei seinem Zielen behindert und auch Umsatz gekostet hat.
Etwas weniger Egoismus und mehr Sachlichkeit von allen Seiten, und schon haben wir die Atmosphäre, die für den Verein erforderlich wäre.
Scharren wir uns um den Heidel und bauen uns unser neues Schalke!
Ein Schalke, in dem alle Ihren Platz haben!

Pepo sagt:

Goßmann war kein Kandidat der „Opposition“, sondern ein Kandidiat, wie Stallmann, die der Wahlausschuss am Ende seiner Beratungen zugelassen hat.

Netsmurf sagt:

Deswegen habe ich ja nicht geschrieben das er gewesen ist, sondern „…..falls er der designierte Kandidat war….“
Ich habe das bewußt nicht bestimmend geschrieben. Dieser Umstand geisterte ja auch überall durch die Foren.

Mir persönlich ist das aber auch wumpe, wer mit welchem Lager sympathisiert. Ich habe die Personen nicht nur an deren (hohlen) Wahlkampfphrasen gemessen.
Die müssen „nur“ Ihren Job aus- und erfüllen, alles andere ist maximal schmückendes Beiwerk.

andres sagt:

engagiert und kritisch gleichzusetzen ist natürlich gewagt, ebenso wie die Rede von DER Opposition.
Was richtig bleibt: wer was ändern will, darf nicht auf das Entgegenkommen der Vereinsführung warten.
Leider wird uns verborgen bleiben, wie der WA seine Entscheidung gefäält hat und ob es vielversprechendere Kandidaten gegeben hätte.
Es gilt weiter zu debattieren und für mehr Mitsprache zu werben.
Ein Entgegenkommen des Vereins und seiner Organe, könnte schon mal ein versöhnliches Urteil des Ehrenrates sein…
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt