15 Jul

Interview mit Pepo vom Glückauf Pils Podcast

So manch einer mag seine Zweifel haben, ob auf der diesjährigen Mitgliederversammlung wirklich Gutes auf den Weg gebracht wurde. Wir hingegen können euch garantieren: Es wurde, denn wir haben Pepo, Macher des großartigen Glückauf Pils Podcasts, den Web 0.4-Button an den Kragen geheftet. Grund genug, sich endlich mal zum längst fälligen Interview zu treffen.

Pepo, du machst zusammen mit Torsten Wieland den Glückauf Pils Podcast. Erzähl mal, wie es dazu kam.

Ich hab‘ Torsten irgendwann mal kennengelernt und hab‘ mich gut mit ihm unterhalten. Also über Draxler und Manuel Neuer. Und wir waren nicht so richtig einer Meinung, aber es war ein schönes Gespräch, weil wir uns zugehört haben und, obwohl wir anderer Meinung waren, ist das Gespräch geil verlaufen. Im Grunde versuche ich so‘ Debatten ja immer zu finden, aber die meisten können das ja nicht.
Dann schwirrte die Podcast Idee schon lange so umher und irgendwie haben wir es nicht gebacken bekommen. Gehört ja auch ein bisschen Mut dazu, einfach drauf los zu labern und gucken, dass keiner meckert. Ich hab dann Torsten irgendwann gefragt. Das war jetzt vor über einem Jahr.

Seitdem habt ihr 14 Episoden produziert. Im Vergleich zu anderen nicht so richtig viel, oder?

Ja, das stimmt. Aber wir haben uns mal aufgeschrieben, was wir eigentlich so machen wollen und das ist, dass wir am Ende tatsächlich auch einen Mehrwert erschaffen. Also ich möchte, dass die Leute, die unseren Podcast hören, danach einfach schlauer sind und nicht ihre Zeit mit uns verschwenden. Das ist übrigens gar nicht mal so einfach. Wir haben auch schon Sendungen dabei gehabt, die den Anspruch nicht erfüllt haben. Aber das ist echt die Ausnahme und ich bin nach einer verkackten Sendung auch immer ein bisschen angepisst. Wir könnten auch jede Woche eine produzieren, aber mehr als die Ergebnisse durchgeben würde da ja dann nicht passieren. Das ist irgendwie nicht unser Qualitätsanspruch.

Welche Sendung habt ihr denn deines Erachtens vollkommen „verkackt“?

Dat sag ich dir doch nicht!

Ok, dann eben andersrum. Welche war denn herausragend?

Schwierig. Mein persönliches Highlight war die mit Oli4 von der Schalker Meile. Der hat uns dort im ‚Quartiersbüro Schalker Meile‘ ein bisschen was zu den Projekten im Stadtteil Schalke erzählt. Das war irgendwie ziemlich rund. Wir haben direkt in Schalke gesessen, und wir hatten einen Experten zum Thema, der was erzählen konnte. Das war vielleicht nicht in die Informativste, aber die für mich die Rundeste.
Die mit Thomas Wings war auch ziemlich toll. Fanrechte interessieren halt ’ne Menge und Tommes ist für einen Rechtsanwalt ’nen ziemlich toften Typ, weißte ja selber.
Dass Mercedes-Benz und nach ’nem halben Jahr zum U19 Trunier nach Sindelfingen eingeladen und uns mächtig den Popo gepudert hat, war auch schön. Da hab ich mein erstes Sportler-Interview gemacht. Mit Phil Neumann, der übrigens gerade bei der U19 EM kickte. Seitdem verfolgen wir den immer ein bisschen und haben ihn zu “unserem” Spieler gemacht.
Bei einer anderen Folge hat uns mal Heiner Kördel überraschend im Quartiersbüro, welche wir mittlerweile für unsere Aufnahmen benutzen dürfen, besucht. Das war für mich auch was Besonderes. Ey, der ist Meisterspieler von 1958 und lebt immer noch in(!) Schalke. Ich krieg jetzt noch Gänsehaut. Haben wir aber rausgeschnitten, war ihm nicht so recht. Das wollte ich so akzeptieren. Obwohl wir eigentlich gar nicht schneiden wollen.

Wieso hattet ihr denn überhaupt die Idee, einen Podcast zu machen. Hätte es beispielsweise ein Blog nicht auch getan?

Weil Podcast halt viel geiler ist und Torsten ja schon den geilsten Blog auf der Welt – neben diesem hier – macht. Ernsthaft: du kannst dir einen abbrechen und die Konzernbilanz des FC Schalke niederschreiben und aufdröseln – kapiert ja dann trotzdem keiner. Oder du setzt dich mich jemandem zwei Stunden hin und stellst dem doofe Fragen. Das war übrigens auch ’ne schöne Sendung. Und da kann man halt bescheuerte Fragen stellen und am Ende hat man eine bessere Vorstellung.

Habt ihr immer einen Gast?

Ja, in der Regel schon. Wir versuchen die Dreierkonstellation aufrechtzuerhalten. Wir haben unseren Standard-Gast, den Karsten Jahn von Halbfeldflanke. Der kann eine Menge über Taktik erzählen. Mit ihm machen wir ungefähr jede dritte Sendung. Er gehört zum Inventar, den haben wir quasi exklusiv unter Vertrag. Grundsätzlich versuchen wir die Sendung so zu strukturieren, dass wir die erste halbe Stunde das Tagesgeschäft abklopfen, und in der zweiten Hälfte der Sendung zu einem zeitloseren Thema kommen. Der letzte Teil ist auch das, wo ich glaube, dass unser Podcast was echt Besonderes ist. Wir machen verdammt nochmal den besten Vereinspodcast auf diesem Planeten!

Wie gehts weiter?

Wir haben ’ne ziemliche Palette an Themen in der Pipeline. Die nächste Sendung machen wir zusammen mit Mara Braun, Journalistin aus Mainz, sehr schlagkräftig. Der bezahlen wir sogar die Reisekosten. Darum sind wir ein wenig auf Spenden angewiesen. Es ist ja ein Hobby, aber ein ziemlich teures. Mara kommt extra zu uns, um uns Christian Heidel zu erklären. In welchem anderen Format willst du das denn sonst machen, außer beim Podcasten?

Und wenn mal kein Gast eingeflogen wird, ist es dann trotzdem ein teures Hobby?

Ja, weil ich zwar gerne faul bin, aber am Ende des Tages eher perfektionistisch agiere. Ziemlich üble Kombination. Wir haben richtige Profi-Mikros und ein top Aufnahmegerät. Also die ersten Sendungen sind mit den Letzten gar nicht mehr zu vergleichen. Da war schon mal deutlich über 1000€ über die Emscher. Das ist auch total okay, ich mach das ja für Spaß und in erster Linie für mich. Also mir soll keiner das Leben finanzieren, aber wenn mal einer ’nen Zwanni über hat, ist das für uns einfach eine schöne Wertschätzung, und wir können uns interessante Gäste von außen einladen.

Ist es denkbar, dass auch mal ein aktueller Spieler zu euch kommt?

Ich glaube nicht. Das sollen die echten Journalisten machen. Ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, meine Zeit mit Benedikt Höwedes zu verbringen, der ja – total verständlicherweise – nix erzählen kann. Das würde keinem Hörer einen Mehrwert bringen. Ehemalige Spieler und Trainer haben wir hingegen schon auf dem Zettel, aber die nehmen ja blöderweise überraschend mal einen anderen Job an und sind dann nicht mehr so leicht greifbar.

Wir haben ja auch ein paar ältere, nicht so technikaffine Leser. Ich glaube du musst nochmal kurz erklären, wie man sich den Podcast überhaupt anhören kann.

Ah ok… also das ist so, du abonnierst einen Kanal, ähnlich wie bei Youtube. Nur eben auf unserer Seite. Deine Podcast-App auf deinem Telefon speichert das dann ab und lädt immer die neuste Folge. Das ist leider nicht so zugänglich wie ein Youtube Video. Auf ’nem iPhone ist von Haus aus ein Podcast-Programm hinterlegt und da gibt es auch einen Katalog wo du uns direkt findest. Auf nem Android Gerät musst du dich erst für ne Podcast-App entscheiden und dann kannst du uns auch im Katalog finden oder eben über unsere Seite abonnieren. Oder du hörst es einfach auf unserer Website an.

Bist du auch selbst Podcast-Konsument?

Auf jeden Fall. Du kannst es überall hören: Beim Einpennen, beim Autofahren, beim Einkaufen. Ich guck schon seit ein paar Jahren kein Fernsehen mehr, das war mir immer zu passiv. Ich bin mit Podcast ziemlich glücklich.

Gibt es weitere Podcasts, die du uns und unseren Lesern empfehlen kannst?

Leider keine anderen Fussball-Podcasts, weil mich Fussball nicht interessiert. Mich hat auch die EM nicht berührt. Ich bin Schalker und das hat mit Fussball bekanntlich oft nicht so viel zu tun ;-).  Ich kann aber guten Gewissens den Rasenfunk empfehlen.  Leider ist das nicht mein Format aber Max macht großartige Arbeit und will damit noch hoch hinaus. Darüber hinaus ist Collinas Erben noch eine Empfehlung, auch weil Torsten und ich uns schon super mit den beiden betrunken haben.

Und wenn es nicht um Fußball geht?

Auf jeden Fall Logbuch Netzpolitik, nicht zuletzt weil ich die Macher zum letzten Derby ins Stadion gebracht habe. Das ist mein Alpha Number 1 Podcast. Da gibt es keinen besseren. Es geht, wie der Name schon sagt, um Netzpolitik.

Zur Zeit am liebsten höre ich aber den Aufwachen Podcast. Zugegeben immer beim einschlafen, aber der ist einfach Superspektakulär, wenn man mal über den Tellerrand hinaus gucken möchte. Die gucken immer die Nachrichten-Shows der Woche und kommentieren die. Wenn man eh so’n bisschen Medienfaible hat, ist der Gold wert. Außerdem ist Stefan Schulz einer der Intelligentesten Menschen, denen ich je zugehört habe. Großartig. Kauft alle seine Buch und macht den Fernseher aus :)

Dann muss ich noch Kunst&Horst erwähnen, nicht zuletzt, weil ich sonst zu Hause Ärger bekomme. Daniela interessiert sich sehr für Kunst, aber nicht auf einer pseudointellektuellen Ebene sondern ganz zugänglich. Sie geht ins Theater oder in Ausstellungen und berichtet dann darüber, was sie gesehen, erlebt und gefühlt hat. Ich war auch schon zwei mal zu Gast und durfte Theaterkritiker spielen. Ich hab da überhaupt keine Ahnung von, aber das macht es auch ein bisschen aus.

Manchmal interessiere ich mich noch für Wrestling und da hab ich WREDS irgendwann für mich entdeckt, welche mittlerweile auch meine Buddies geworden sind. Die besprechen die aktuelle Lage der WWE. Obwohl ich mich eigentlich ein bisschen schäme hier so öffentlich zuzugeben, mich dafür zu interessieren. Aber dabei kann man super die Birne ausschalten, was dööferes gibt es ja nicht, als Männern dabei zuzusehen, wie sie sich abgesprochen auf die Murmel hauen.

Wie kommt es, dass du neuerdings für das Web 0.4 schreibst? Wäre es nicht naheliegend gewesen, deine Texte in Torstens Blog zu veröffentlichen?

Was für Schlager-Uschis DER WENDLER ist für mich DER WIELAND. DER WIELAND. Der bloggt über Schalke seit 1903 und hat einen megahohen Anspruch an seine Artikel. Ich fühl‘ mich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Ich kann doch mit meinen Wurstfingern nicht in seinem Premium-Blog…? Da hätte ich Angst was Falsches zu machen. Ich hab mich lieber für das Web0.4 entschieden. Das ist der Ort am dem Hans Sarpei groß geworden ist. Wo es lustige Matip Videos gab, als das Stadion ihn ausgepfiffen hat. Das ist der Ort wo Kreativität im Mittelfeld noch wertgeschätzt wird. Aber keine Sorge, den Glückauf Pils Podcast wird es weiterhin geben. Ausserdem gefällt mir die Idee irgendwie, dass das Koenigsblog und das Web 0.4 über den Glückauf Pils Podcast nun verbunden sind. Das ist doch sowas wie gelebter Zusammenhalt?

Hier geht es zum Glückauf Pils Podcast – Der Schalke Podcast

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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hellwach sagt:

Schön, das Herz schlägt königsblau…