03 Jun

Ball flachhalten!

Markus Weinzierl wird neuer Trainer auf Schalke. Nach tagelangem Hickhack ist auch endlich die offizielle Bestätigung da. Moment, Hickhack? Nicht von Seiten des S04. Am Berger Feld herrschte eine angenehme Ruhe. In den letzten Tagen kam kaum eine Info zu dem bevorstehenden Wechsel aus dem königsblauen Lager. Die meisten Medien schrieben zwar täglich etwas dazu, stützten sich aber auf Informationen aus dem Augsburger oder Darmstädter Umfeld. In Gelsenkirchen war es still.

Eigentlich.

Denn für einige ist diese Ruhe wohl zu ungewohnt oder sie können schlichtweg nicht damit umgehen.  Es reichte beispielsweise schon ein einzelner Tweet eines Sky-Reporters, um bei Twitter eine Grundsatzdebatte auszulösen. Dieser Sky-Reporter erwähnte, dass ein kleiner Teil des Aufsichtsrates den Deal mit Weinzierl „blockieren“ würde.  Die einen witterten daraufhin direkt wieder eine Verschwörung gegen Clemens Tönnies, die nächsten sagten, dass  auf Schalke eh nichts gut gehen kann und der ein oder andere sah Heidel schon wieder schreiend zurück nach Mainz flüchten. Im Endeffekt hat der Aufsichtsrat dann laut Berichten anderer Medien der Verpflichtung einstimmig zugestimmt.

Ich habe keine Ahnung, was an dieser Geschichte wahr ist oder nicht. Hat wirklich ein Teil des AR versucht, den Deal zu blockieren? Hat Clemens Tönnies dieses Gerücht streuen lassen, um diese besagten AR-Mitglieder zu diskreditieren? Hat man evtl. auch einfach nur ein wenig Zeit gebraucht, um den Vertrag zu überprüfen? (Was im Übrigen genau die Aufgabe eines Aufsichtsrates wäre, aber das nur am Rande) Waren vielleicht aufgrund von Urlaub oder ähnlichem nicht alle notwendigen AR-Mitglieder erreichbar?  Oder hat ein Mitarbeiter von Sky aus einem „liegt noch beim AR“ mal schnell ein „AR blockiert den Deal“ gemacht, um Klicks zu generieren und die Einschaltquoten des Senders zu erhöhen? Ich habe keine Ahnung. Es ist mir auch egal, denn ich bin diese Spekulationen leid. Und deswegen genieße ich den Umstand, dass von ganz vielen Leuten etwas zu diesem Thema zu hören war, nur eben nicht vom Verein! Darf gerne so weitergehen. Es tut uns ganz gut, den Ball mal flachzuhalten.

Das könnte bei der „Diskussion“ um die Mitgliederversammlung, die Aufsichtsratswahl und den Wahlausschuss sicherlich auch förderlich sein. Ich befürchte allerdings, hier sind wir von einem kontrollierten Spielaufbau schon lange zu einem offenen Schlagabtausch übergegangen. Wenn dieser fair geführt werden würde, dann könnte ich ja sogar damit leben. Wenn ich nun allerdings von persönlichen Bedrohungen gegen einzelne Wahlausschussmitglieder höre, wird mir schlecht.

Leute, wie weit wollt ihr denn noch gehen? Natürlich steckt in diesem Thema viel Emotionalität, die dann von beiden Seiten auch mächtig befeuert wird. Und es ist auch klar, dass da mal jemand verbal ein wenig über die Stränge schlagen kann. Immerhin sind wir Schalker und kommen aus dem Ruhrgebiet, wir kennen nur ehrlich und direkt. Aber dabei sollte es dann auch bitteschön bleiben. Gegen emotionale Diskussionen ist nichts einzuwenden, aber wir müssen doch in der Lage sein, unserem Gegenüber auch danach noch in die Augen schauen zu können, selbst wenn man nicht einer Meinung ist! Was momentan passiert, ist allerdings eher mit „verbrannte Erde erzeugen“ gleichzustellen. Diskussionen in Foren oder sozialen Netzwerken werden ganz schnell sehr persönlich und enden oft in einem offenen Streit unter Schalkern. Schlimm.

Ich bin froh, wenn die Mitgliederversammlung endlich rum ist. Denn eines ist Fakt. Egal wie sich die Mitglieder des Wahlausschusses entscheiden und egal, wie die Mitglieder am 26. Juni wählen. Den Verein gibt es auch noch am 27. Juni und darüber hinaus! Daran sollte jeder denken, bevor er sich mit anderen Schalkern überwirft und an einen „Entweder der oder ich!“-Punkt kommt. Ich bin mir sicher, jeder kennt aus seinem persönlichen Umfeld kleinere Vereine, die alle schon einmal solche extremen Meinungsverschiedenheiten mitmachen mussten und in zwei Lager aufgespaltet waren. Ich bin mir ebenso sicher, dass niemand einen solchen Verein kennt, der gestärkt aus dieser Lagerbildung hervorkam.

Also, diskutiert. Viel und reichlich. Informiert. Tauscht euch aus. Versucht, den anderen von eurer Meinung zu überzeugen. Sprecht die Unentschlossenen an. Aber bleibt verdammt nochmal fair und haltet den Ball flach!

 

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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Carlito sagt:

Großartiger Kommentar, Henning! Top! :)