16 Mai

Wer auch immer…

Eine weitere Bundesligasaison ist vorüber. Das Web 0.4 hat zu diesem Anlass 1904 Menschen befragt, wie sie diese Saison fanden. Ungefähr 1000 Freunde antworteten mit „Muss.“ Wobei nicht ganz klar ist, ob es bei einer der Befragten nicht vielleicht „In Neuss?“ heißen sollte.

Wir sind Fünfter geworden. Wir haben an keinem Finale gekratzt. Keiner der Spieler hat sich merklich weiterentwickeln können. Die einen geben die Schuld dem Übungsleiter, die anderen dem Umfeld, was auch immer jeder einzelne jetzt auch genau damit meint.

Die Frage ist aber doch auch, woran man sich messen möchte. Am FC Bayern, der sich nicht mal mehr erbarmt, eine Meisterschaft würdig zu feiern? Und schon gar nicht dann, wenn das Fest fällt? Am Reviernachbarn, der sich einen wirklichen Umbruch gegönnt hat, und Erfolge einfährt? An anderen Traditionsklubs der Liga ohne Werkshintergrund? Gar Stuttgart oder Hannover? Bremen oder Hamburg?

Wir stehen in schwierig Zeiten sportlich recht gut da. Wir spielen zum x-ten Mal seit der Jahrtausendwende europäisch. Statt sich zu freuen, klagen manche aber über Sonntagsspiele. Ungeachtet, wie weit entfernt wir in der nächsten Saison im Gegensatz zu einigen vorgenannten Mannschaften noch von Montagsspielen sein werden.

Wir klagen wie eh und je auf höchstem Niveau. Wir feuern Trainer am laufenden Band. Und das stets auf Tabellenplätzen, die zur Europapokalteilnahme qualifizieren und wir finden immer Spieler, die wir schlecht reden können. Aber der kleine bunte Elefant aus dem Abendland und seine Freunde haben nunmal geschrieben, dass alles Scheiße ist. Also ist alles Scheiße.

Drehen wir den Spieß doch mal um. Nehmen wir doch mal an, alles sei gut. Wir haben einen neuen, tatkräftigen Manager mit einem Konzept. Wir haben tolle Spieler, mit denen man in die Zukunft blicken kann. Wir spielen europäisch. Und Sonntage ohne Fußball sind doch zu nichts zu gebrauchen. Samstags kann man wenigstens in den Baumarkt. Oder neue Sneakers kaufen. Oder die Spieltagskonferenz gucken.

Schließen wir doch einfach mal die Augen, sagen laut „Ommm“, und führen uns vor Augen, dass alles prima ist. Wir haben – mal abgesehen von einem bisschen Geld für die nächste Tschechienreise im privaten Portemonnaie  – nichts, aber auch gar nichts verloren. Wer mag, kann dann später auch noch einen Baum umarmen.

Ernsthaft. Es ist unruhig zur Zeit. Wir schauen auf eine hitzige JHV. Es gibt eine Menge Personalsorgen. Wir sind nicht Meister geworden. Aber kennt jemand unser Schalke noch anders?

Das Wunder kommt bestimmt irgendwann. Wenn wir endlich aufhören es zu erwarten und zu fordern. Wenn wir gelernt haben, etwas besonnener und geduldig zu sein. Wenn wir arbeiten, statt zu kaufen. Denn letzteres werden andere immer besser können als wir.

Ob Sonntags oder Montags. Ob Fünfter oder Fünzehnter. Ob Königsblau oder Ultra-Beauty. Ob Nordkurve oder Videotext. Ob Mondpalastarena oder Santiago Bernabeu. Ob mit oder ohne Tönnies. Egal, wer auf dem Platz umd an der Linie steht. Egal, welche Pfosten links und rechts von mir stehen. Und egal, was auf der Brust steht. Ich liebe meinen FC Schalke 04.

Glück Auf!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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