14 Mai

Sie wollen uns erzählen…

André Breitenreiter schickt sein Team zum letzten Mal in dieser Saison auf das Feld. Und wie gerne würde ich die Hoffnung wahren können, dass er das in der nächsten Saison auch noch tut.

André Breitenreiter ist meines Erachtens ein großartiger Trainer und ein Typ Mensch, wie es ihn im Fußball leider viel zu selten gibt.

André Breitenreiter hatte nie eine echte Chance, ruhig zu arbeiten, obwohl ihm genau das Anfangs anders in Aussicht gestellt wurde.

Unabhängig davon, ob er andernfalls überhaupt ein Engagement bei einem bekannten Pulverfass, wie es Schalke nunmal leidet ist, begonnen hätte, denke ich, dass er ganz anders agiert hätte, wenn er entweder von Beginn gewußt hätte, dass es letztlich doch nur um Erfolg geht, oder aber wenn er im Verlauf der Saison wirklich Zeit und Ruhe zu arbeiten gehabt hätte.

Er wurde fast systematisch zerlegt. Sobald er darauf aufmerksam machte, zerknirschte ihn genau dieses System nur noch mehr.

Er hat gesagt, was ihm nicht passt. Egal ob Richtung Management, Fans oder Presse. Sogar genau diese Direktheit und Offenheit, die wir ja im Kumpelverein Schalke ach so sehr lieben, wurde ihm schließlich angekreidet.

Mich macht das alles Fassungslos. Man spricht in aller Deutlichkeit aus, dass man jemanden in Ruhe arbeiten lassen möchte und kein Saisonziel ausgibt und schon nach wenigen Wochen erspart man ihm nicht nur die Rückendeckung, sondern springt ihm sogar selbst ins Kreuz.

Ja, das bin ich. Fassungslos. Und nennt mich Querulant und Meckerkopf, meinetwegen auch ständig unzufrieden. Ich glaube nicht mehr daran, das Schalke ein Umfeld ist, in dem Erfolg wachsen kann. Nicht mit dieser Führung. Und da rede ich nicht vom sportlichen Management. Vielleicht kann man ihn ja aber Dank Gazprom dann doch bald kaufen. Aber selbst das fällt schwer zu glauben.

Ich schweife ab. Was ich sagen will: Danke, André. Ich bin beschämt, was du hier erleben musstest und wünsche dir viel Glück, wo auch immer du in Zukunft tätig sein wirst. Du bist einer von den Guten.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Tobias sagt:

Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, Andreas, und finde deinen Post total wichtig und würde mich freuen, wenn ihn all die Schalker weltweit lesen würden. Ich glaube nämlich, dass wir mit einem neuen Trainer dasselbe teure Vabanquespiel wieder neu anfangen und dass wir mit Markus Weinzierl auch keine Garantie haben, dass er mit der speziellen Schalke-Drucksituation (Umfeld!) fertig wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht, ist sogar größer. So jemanden mit Garantie gibt es nicht.

Ich finde aber, dass zum Bild Breitenreiter trotzdem zählt, dass er ständig dieselben Fehler macht und die Einzelspieler vor allem charakterlich (Wille/Sieger-Gen) nicht weiter gebracht hat – das hat er selbst gesagt. Für Fehler halte ich seine Reaktionen am Spielfeldrand auf das Spielgeschehen, das extrem lange Festhalten an seinem Startplan. Zudem ist er taktisch wesentlich weniger tief geschult als die Top-Leute der Liga. Ich würde mir von ihm wünschen, dass er sich in Pressegesprächen mal fußballfachlich äußert und nicht nur mit den immer gleichen Worthülsen von „Alles geben“ und „kompakt stehen“ und so.

Mir war von vornherein klar, dass ein Jahr Zeit für das Projekt Neustart nicht reicht. Wir sollten ihm mehr Zeit geben. Und jedem im Club klar machen, dass wir einen solchen brauchen. Eine neue Mentalität, eine Zeit des Verzichts zu akzeptieren, um daraus stärker und nachhaltiger an die Spitze zu stoßen.

Ich glaube, das geht auch mit CT im Aufsichtsrat. Es geht auch mit Christian Heidel (er steht mE dafür). Es geht auch mit AB. Nur vermutlich geht es nicht mit Schalke 04. Schade!