11 Mai

11.05.1996

Der 11. Mai 1996, genau heute vor 20 Jahren. Ein für mich nach wie vor magisches Datum. Gelsenkirchen, Parkstadion 33. Spieltag. Der FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München. Schalke kann an diesem Tag die Qualifikation für das internationale Geschäft klarmachen. Zum ersten Mal, seitdem man 19 Jahre zuvor gegen den 1. FC Magdeburg aus dem UEFA-Cup ausschied und die tristeste Phase des Vereins begann. Drei Abstiege- einmal gar kurz vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit des Amateurfußballs- Fast-Pleiten, kein Geld für Waschpulver, Charlie, der sich mit nacktem Oberkörper auf eine Waage stellt, um ein paar Taler für den Verein zu erwirtschaften, Sonnenkönige-alles war in diesen biederen Jahren vorhanden. All das könnte aber mit diesem einen Sieg Vergangenheit sein, allerdings waren  die Bayern zu Gast, die man noch nie mal so eben mit ner Klatsche wieder gen Süden schickte.

Es gibt Spiele, die sieht man, freut oder ärgert sich und vergisst sie dann. An einige Ergebnisse erinnert man sich auch noch ein paar Jahre später, muss aber für weitere Infos zu den Partien Dr. Google befragen.

Und es gibt Tage wie den besagten 11. Mai, an die sich jeder Schalker erinnert, weiß, wo er war und was er getan hat. Ich stand wie immer zu dieser Zeit in der Nordkurve in Block 4. Die Hütte war pickepackevoll. Schon das 1:0 für Schalke durch ein Traumsolo mit anschließendem Gewaltschuss von Olaf Thon wurde durch einen extremen Torjubel begleitet. Der Ausgleich verständlicherweise nicht. Was dann aber in der letzten Minute los war, sucht für mich immer noch seinesgleichen. Ich denke, jeder hat diese Szene nun gerade vor Augen. Uwe Scheer läuft über die rechte Seite, flankt auf den Elfmeterpunkt und Andreas Müller setzt zu einem wunderschönen Kopfball an-drin 2:1! Es folgte der absolut perverseste Torjubel, den ich bis dahin mitgemacht habe. Menschen fielen sich in die Arme, lagen übereinander in Bier-oder Urinpfützen, schlugen sich die Knie auf den harten Betonstufen des Parkstadions auf oder holten sich ne Beule am Wellenbrecher-und allen war es in diesem Moment vollkommen egal. Schalke 04 zurück auf internationaler Bühne! Wir waren im UEFA-Cup. Alle schwebten auf Wolke sieben. Natürlich hatte da noch niemand eine Ahnung, wohin diese Reise gehen wird, aber das wäre mehr ein Punkt, auf den man dann am 21. Mai 2017 zurückblicken könnte.

Der Abend endete für meinen Kollegen und mich nach ausgiebiger Feierei im und um das Parkstadion bei einer „Ich hab sturmfrei und mache ne Party mit Übernachtung“ Einladung einer gemeinsamen Bekannten. Der Kumpel trank ein großes Glas Asbach-Cola auf Ex, kotze kurz danach die Badewanne voll und schlief bis zum nächsten Morgen. Auch ich kann mich an die Party nur schemenhaft erinnern, wir sprachen aber selbstverständlich noch Monate später davon, wie geil denn dieser Tag war.

Der 11. Mai 1996 ist rückblickend sicher ein Schlüsseldatum in unserer jüngeren Vereinsgeschichte. Praktisch der Startschuss für zumindest sportlich bessere Zeiten. Ernsthaft in Abstiegsgefahr sind wir seit diesem Tag nicht mehr geraten. Das internationale Geschäft ist keine Sensation mehr, sondern wird praktisch vorausgesetzt. Der Fußball hat sich verändert, Schalke hat sich verändert, in vielen Bereichen sogar stärker, als einem lieb ist. Eine Qualifikation für die Europaleague wird nicht als Erfolg, sondern als Misserfolg gewertet. Die Ansprüche sind eben gestiegen, die Gehälter natürlich auch. Oftmals erträgt man Schalke in diesen Tagen nur mit geballter Faust in der Tasche oder alternativ 1,6 Atü auf dem Kessel.

Aber sie können noch so viele Boatengs verpflichten, Trainer feuern, Sportvorstände absetzen oder was auch immer- diese wundervolle Erinnerung an einen Samstag im Mai 1996, dieses Glücksgefühl, diese Euphorie nimmt mir keiner mehr. Niemals.

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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Detlef sagt:

Stark. Sehr starke Emotionen.

Und ich erinnere mich schemenhaft an das erwähnte Spiel gegen Magdeburg. Ich habs bei meiner Kusine und deren Mann Dieter ( Schalke Fan ) gesehen. Auf nem kleinen Schwarz Weiß TV. Lang ist es her und der Dieter lebt schon lange nicht mehr.

Sisterray sagt:

Ich hatte mir für dieses Spiel ne Karte auf der Gegengerade gekauf. Eigentlich stand ich immer im Süden. Selbst bei den Sitzen war die Stimmung so unglaublich. Uwe „Disco“ Scheer hat mir nach dem Spiel durch den Zaun sein Trikot geschenkt. – Danke dass ihr diese schönen Erinnerungen noch mal hoch geholt habt.

Herbert sagt:

Vielen Dank für diese emotionale Schilderung. Diesen Tag vergisst ein Schalter nie………

Carlito sagt:

Danke für die schöne Zeitreise, Henning! :)