16 Mrz

Von Fähnchen und Wind

Es beginnt eine Saison, ein neuer Trainer wird geholt. Das klappt alles prima. Aufbruchstimmung, ein Plan, und ohne Saisonziel wird zum großen Umbruch geblasen.

Doch kurze Zeit später ist auf Schalke erneut alles für’n Arsch.

Der Trainer fühlt sich ungerecht behandelt und die Presse macht sich mehr oder weniger darüber lustig. Dabei könnten beide Seiten voneinander profitieren, hätten sich die Fronten nicht längst verhärtet.

Jungen und unerfahrenen Spielern kann man schnell mal einen Fehlpass oder einen schlechten Tag verzeihen. Da wird es als ganz natürlich angesehen, wenn die Leistung mal schwammig ist.

Dass junge Trainer allerdings auch eine gewisse Anlaufzeit brauchen könnten, kommt mir dabei zu kurz. Gerade auf Schalke wird jedes Wort auf die Kohlenwaage gelegt. Auch Andre Breitenreiter muss den Umgang mit dem schwierigen Umfeld lernen.

Er selbst sagt, er habe die Medienlandschaft unterschätzt, und dass er nun lernen muss, mal mit einem Rückschlag umzugehen. Bisher ging seine Karriere stets Bergauf.

Wenn man sich doch schon auf die Fahnen schreibt, mal Geduld zu beweisen und einen Trainer in Ruhe arbeiten zu lassen, wie kann es dann sein, dass ein halbes Jahr später der Trainer schon wieder weggeschrieben wird?

Dazu kommen die andere Fähnchen. Presseleute, solche die gerne dazugehören würden, und vor allem unser zukünftiger Ex-Vostand Sport. Denen würde ich einfach mal entgegnen: Haltet doch mal eure Fresse!

Die Presse zieht sich an vermeintlichen Skandalmedlungen hoch: Unser Trainer ist ein Arschloch und keiner mag ihn. Anschließend spricht der Trainer von gezielter Stimmungsmache, was ich tatsächlich nachvollziehen kann (Die Gedanken sind frei…). Er verliert seine Lockerheit, versucht aber, sein Ding durchzuziehen.

Fortan liest man von gewissen Reportern tatsächlich gezielte Sticheleien auf Twitter a lá „Na, gibbet heute wieder ne Medienschelte vom Trainer?“ oder „Hat der Trainer schon wieder die Presse abgewatscht?“

Die nächsten Fähnchen ziehen fleißig mit und erklären den Trainer schon mal für gescheitert. Der tolle Saisonstart ist bereits vergessen; eine Weiterentwicklung ist seit Keller eh nicht zu erkennen (WTF!?) und eigentlich hätten wir lieber einen Tuchel oder einen Pep! (Aaaaaaaaaahhhhhhh…)

Es geht nicht darum, irgendeinen Reporter an den Pranger zu stellen. Egal ob die Blöd, Sky, die Funke Gruppe… ich würde mir einfach mal wieder ein wenig Reflektion der schreibenden Zunft wünschen. Entweder wissen sie einfach nicht, welche Wirkung das eigene Handeln hat (was natürlich total naiv und unvorstellbar ist), oder es wird aufgrund des „Exklusiv-Druckes“ einfach mal in Kauf genommen. Weil was ist Schalke ohne Theater? Ohne Skandal?

Das Schlimme ist: Es ist immer das gleiche Schema. Was man sich vornimmt, ist schnell wieder über Board geworfen und niemand stellt sich dagegen. Schon gar nicht von den Verantwortlichen, die sich als Vorgesetzte verstehen. Und wo es gerade sowieso so klasse lief auf Schalke, erklärt Heldt mal kurz nebenbei, dass es nun doch ein Saisonziel gibt: Champions League Quali. Einfach so. Die größte Fahne auf Schalke.

Klar kann man nun sagen ‚Lass ihn reden, der ist eh bald weg‘. Aber das war der Moment, an dem ich das erste mal dachte, zum Glück ist der Knaller bald weg vom Berger Feld. Sowas kann doch nur schaden! Was zum Teufel denkt der sich dabei?

Tatsächlich habe ich die Hoffnung, dass es unter Heidel besser läuft. Dass er nicht ständig seine Meinung ändert. Und dass er nicht mit dem Wind schwingt…

Sebastian

Sebastian

Fakten:
Schlagstockbeauftragter | Jahrgang '86 | Wohnhaft in Castrop-Rauxel | Drummer | Meistens auf'm Schlauch | Große Fresse | #fcknzs
Sebastian
Benjamin sagt:

Perfide finde ich: Die medialen Feuerteufel sind immer nur die anderen…
Wenn die WAZ allen Ernstes davon schreibt, dass jede Kleinigkeit in einer solchen Umbruchsaison zur Grundsatzdebatte wird, dann erwähnt niemand, aber auch NIEMAND die eigene Redaktion oder nicht mal die Redaktionen anderer Scheißblätter! Es ist zwar „nur“ das Thema Fußball, aber diese scheiß Scheinheiligkeit kotzt mich so richtig an!
Schalke und die WAZ.

Die Bild und ein Online-Magazin verbreiten JETZT in der Stunde den Bullshit, dass Roman Neustädter (einer der intelligentesten Spieler der Liga!) wegen Familienscheiße mit unserem Neumanager Heidel nicht mehr beim S04 spielen möchte. WHAT?!
Schalke und das Kackpappenblatt.

Langsam kommt aber endlich endlich endlich Gegenwind. Nicht von oben (diese tolle Idee von CT mit der halben Million Strafe für ein Nachrichtenleck ist mal nichts als heiße Luft!), sondern aus der Mannschaft selbst! Ralf Fährmann nimmt den Trainer in den Schutz, Johannes Geis schwärmt von ihm. Roman Neustädter selbst nennt es ziemlich schnell beim Namen: Unruhestifter!
Ich wünsche mir so sehr eine offensivere Haltung bei so einem Quatsch in der Öffentlichkeit. Dieser mediale Quatsch ist es, der irgendwann dann tatsächlich zur Unruhe im Verein führt und das MUSS verhindert werden, wenn es endlich mal weiter geradeaus gehen soll, als nur umme Ecke zum Bäcker.

Herr Wieland sagt:

Klar kann man nun sagen ‚Lass ihn reden, der ist eh bald weg‘. Aber das war der Moment, an dem ich das erste Mal dachte, zum Glück ist der Knaller bald weg vom Berger Feld. Sowas kann doch nur schaden! Was zum Teufel denkt der sich dabei?

Möglicherweise denkt er sich: „Den Druck haben letztlich die Anderen, jetzt kann ich nochmal einen raushauen“. Vielleicht denkt er sich sogar: „Der Breitenreiter geht mir auf’n Sack. Erst wollte der Di Santo, dann beschwert er sich über die Stürmer. Jetzt lass‘ ich auch nochmal einen los“.

Wenn man sich doch schon auf die Fahnen schreibt, mal Geduld zu beweisen und einen Trainer in Ruhe arbeiten zu lassen, wie kann es dann sein, dass ein halbes Jahr später der Trainer schon wieder weggeschrieben wird?

Das klingt so, als hätte sich die Presse irgendwas auf die Fahne geschrieben. Nein, die funktioniert immer gleich. Bieten sich Angriffspunkte, wird das aufgegriffen ( übrigens auch bei anderen Clubs). Und letztlich ist es eine Sache der Clubführung, dem dadurch entstehenden öffentlichen Druck standzuhalten – oder eben nicht. Das „Wegschreiben“ ist eine Mär, die Entscheidungen werden stets im Club gefällt. Und es wäre peinlich, würden diese auf Grund von Medienstorys geschehen.

Frank sagt:

Ich finde Breitenreiter soll erst mal weiter arbeiten und in der nächsten Saison sieht man dann was draus wird.

Aber in den Pressekonferenzen erkennnt man ganz deutlich, wie angefressen er auf bestimmte Personen reagiert. Das finde ich ziemlich peinlich. Ein gestandener Mann, der sich verhält wie ein kleines Mädchen, dem jemand an den Zöpfen gezogen hat.

Sascha sagt:

Das schlimme an der Presse und an dem Theater ist , dass man damit Menschen zerstören kann, Enke,Deissler, Rangnick….., wenn so etwas passiert, is die Empörung für 1-2 Wochen riesig, dann lernen sie aber nix draus und es geht munter weiter.

Grieche sagt:

Man sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass Breitenreiter selbst sagte, er wolle mit Schalke in Europa League-Finale. Auch nicht realistischer als Heldts Champions-League-Platz.
Und zu der Aussage hat ihn niemand gezwungen.

Werner04 sagt:

Letzendlich ist doch jeder für sein eigenes handeln verantwortlich. Niemand zwingt einen Journalisten, Unsinn zu schreiben oder zu hetzen. Manche tun aber so scheinheilig, als könnten sie gar nicht anders.
Breitenreiters Reaktion darauf hat allerdings auch André Breitenreiter allein zu verantworten. Und auch der Schalker Vorstand solte eigenverantwortlich entscheiden und sich nicht durch die Presse treiben lassen.
Diese Eigenverantwortung trifft aber auch jeden Fan. Der muss nämlich auch darüber nachdenken, wie er manche Aussagen von Titelgewinnen oder CL-Qualifikationen zu werten hat. Und auch sein Auspfeifen und Niedermachen mancher Spieler ist nicht durch irgendeine Aussage eines Trainers oder Noch-Managers zu entschuldigen.
Und wir als Leser und Schalkefan sollten – allein schon zu unserem eigenen Glück – eigenverantwortlich so manche Schmierenblätter einfach komplett meiden.

eakus1904 sagt:

Schalke ist ein geiler Verein, da wollen viele drüber schreiben. Das alleine finde ich auch gar nicht so schlimm. Wir sind ja teilweise selbst dran schuld. Denn auch wenn uns als Fans etwas gar nicht in den Kram passt-als Beispiel sei hier mal die unsägliche Breitenreiter-Story von Sky genannt- diskutieren wir ja trotzdem drüber. Auch ein Shitstorm ist für Klickzahlen sicherlich nicht das verkehrteste. Und nur darum geht es. Möglichst viel Aufmerksamkeit, möglichst viel verkaufte Exemplare einer Zeitung und möglichst viele Besuche auf der Homepage, damit die Werbeeinnahmen stimmen.

Damit möchte ich nicht sagen, dass etwas erfunden wird. Sicher wird an der Geschichte etwas dran sein. Da aber Ross und Reiter nicht genannt werden, halte ich es für mich persönlich einfach nicht für wichtig. Ich finde nämlich, es ist schon ein Unterschied, ob sich ein Spieler aus der zweiten oder dritten Reihe bei einem Reporter ausheult, oder aber beispielsweise der Mannschaftsrat geschlossen beim Manager auf der Matte stand und sich beschwert hat. Das eine wäre eine Meldung wert, das andere nur hochgekocht und Schalke-typisch verkauft. Klickbaiting auf königsblaue Art.

Viel schlimmer finde ich da den Umgang unseres Vereins mit solchen Situationen. Da wünscht man sich mal so eine Reaktion wie die von Verbeek gegenüber dem Bild Reporter. Aber unsere Verantwortlichen bleiben lieber bei der weichgespülten Mainstream-Scheisse, die man vor und nach jedem Spiel zu hören bekommt. Und Vorlagen werden auch noch gegeben, was die Aussage von HH zur CL beweist. Da bin ich vollkommen bei dir und hoffe darauf, dass sich das in der nächsten Saison grundlegend ändert.

Ich hoffe, der Verein behält intern die nötige Ruhe und lässt Andre Breitenreiter machen. Egal, ob wir am Ende der Saison auf Platz drei oder acht stehen. Entwicklung braucht halt Zeit. Klar, die definiert jeder anders und die ganze Stimmung ist grundsätzlich von den kurzfristigen Ergebnissen abhängig. Aber ich denke, jeder sollte in der Lage sein, mindestens eine komplette Saison einfach mal abzuwarten und zu schauen, was daraus wird.

Herr Wieland sagt:

-als Beispiel sei hier mal die unsägliche Breitenreiter-Story von Sky genannt- […] Damit möchte ich nicht sagen, dass etwas erfunden wird. Sicher wird an der Geschichte etwas dran sein. Da aber Ross und Reiter nicht genannt werden, halte ich es für mich persönlich einfach nicht für wichtig. Ich finde nämlich, es ist schon ein Unterschied, ob sich ein Spieler aus der zweiten oder dritten Reihe bei einem Reporter ausheult, oder aber beispielsweise der Mannschaftsrat geschlossen beim Manager auf der Matte stand und sich beschwert hat. Das eine wäre eine Meldung wert, das andere nur hochgekocht und Schalke-typisch verkauft. Klickbaiting auf königsblaue Art.

Wieso unterstellst Du den Journalisten, diese Wertung nicht vorzunehmen?

Wir alle schauen regelmäßig Nachrichtensendungen wie die Tagesschau. Stets werden die Inhalte von Journalisten produziert. Es werden i.d.R. keine Quellen genannt, wir gehen davon aus, dass die Wichtigkeit der Meldung von der Redaktion bzw. dem recherchierenden Journalisten korrekt bewertet wurde.

Bei Nachrichten im Sport, vor allem im Fußball, gehen die Fans ganz oft zunächst mal davon aus, dass die Journalisten die Storys zu ihren Clubs absichtlich falsch bewerten. Da will man nichts glauben, wenn einem keine Quellen geliefert werden. Selbst wenn die Story von jemandem wie Dirk große Schlarmann kommt, der ausgewiesener Fan des S04 ist, der selbstverständlich genau weiß, das nach solch einer Story die S04-Medienabteilung aus allen Rohren schießen wird, dass das in allen networks zu Shitstorms führt.

Selbstverständlich hat Dirk große Schlarmann die Quellen bewertet und die Aussagen durch weitere Quellen abgesichtert.

eakus1904 sagt:

Torsten, ich unterstelle gar nichts, ich habe nur von meiner persönlichen Empfindung gesprochen. Ich glaube, das Dirk seinen Job gut und gewissenhaft macht. Aber dass die Fokussierung seines Arbeitgebers darauf liegt, möglichst viele Klickzahlen bzw. möglichst viele Erwähnungen in anderen Medien zu bekommen. Da wird es heißen:“Hau raus, was du hast!“ Ich würde also- um bei deinem Ansatz zu bleiben- „SkysportNews HD“ eher in der Kategorie „RTL II-News“ als in der Kategorie „Tagesschau“ einsortieren. Und sicherlich ist hier einem der Arbeitgeber näher als sein Lieblingsverein. Sollte zumindest so sein, wenn man seinen Job ernst nimmt. Somit wäre es nicht verwunderlich, wenn die Meldung mehr gepusht wird, als ihre Wertigkeit eigentlich hergibt. Spekulation, klar, aber bestimmt auch eine Variante.

Gegenfrage an dich: Wenn du die Sky-Geschichte komplett für bare Münze nimmst, unterstellst du dann nicht auch Horst Heldt, Ralf Fährmann, Benny Höwedes und Johannes Geiss, dass sie gelogen haben? Von den genannten Personen wurden die Behauptungen ja entschieden dementiert. Oder ist es aus deiner Sicht deren Pflicht, um den Arbeitgeber Schalke 04 zu schützen? Klar, die verdienen dort ihr Geld, aber eben genau das macht Dirk bei Sky auch.