Schweigepause

Wenn man so will, schweige ich seit Paris. Aber nicht wegen Paris. Überhaupt schweige ich nicht wegen irgendwas. Auch ist es nicht so, dass ich nichts zu sagen hätte. Im Gegenteil. Mir juckt es bei vielen Dingen in den Fingern. Nein, eigentlich mehr im Kopf. Zu den Fingern dringt es gar nicht vor.

Ich rede ja auch wie immer viel über Schalke. Jedem, der es wissen will erzähle ich meine Meinung. Zu Breitenreiter, zu Matip, zu Heldt und zu Heidel, zu Sané, zur Stimmung, zu unserem Aufsichtsrat. Und zum Wetter natürlich.

Das ist wie mit der aktuellen Innenpolitischen Lage. Ich habe eine Meinung. Klar. Ich rede auch gerne mit Menschen darüber. Aber die öffentliche Meinung – zumnindest ein Teil davon – macht mich krank. Oder nein, es lässt meine vorhandene Krankheit lodern. Es lässt mich schweigen. Ich teile meine Meinung mit meinen Freunden und Bekannten. Gerne auch in geschlossenen Netzwerken. Aber ich meide die Öffentlichkeit.

Kurz: Ich glaube, das ist, was mich vom Bloggen abhält. Was widerrum den Bogen zu den Geschehnissen in Paris doch nicht ganz ausschließt.

Da ich aber gerne meinen Speicher einmal löschen würde, hier eine kurze Standortbestimmung zu verschiedenen Themen:

Unser Trainer Breitenreiter

Ich habe zum Glück keine direkte Kritik an Breitenreiter mitbekommen. Ich habe in der Presse davon gelesen. Aber niemand den ich kenne ist bisher auf die Idee gekommen, mir zu unterbreiten, dass er Breitenreiter für eine schlechte Idee, eine schlechte Wahl oder gar einen schlechten Trainer hält. Zum Glück. Ich fürchte, ich hätte mit einer Kopfnuss antworten müssen. Und da ich das aus diesen Gründen nur für eine Medienblase halte und mir auch nicht vorstellen kann, dass ein großer Teil der Fans so dumm sein kann, sage ich dazu nur noch: Lasst den Mann arbeiten. Was er nicht schafft, wird auch niemand anderes schaffen.

Unser Verteidiger Matip

Matip war und ist einer unserer besten und wertvollsten Spieler. Sollte er im Sommer ablösefrei gehen ist dies ein Armutszeugnis für alle, die auf Schalke sportliche Personalverantwortung, oder Verantwortung für letztere Personengruppe tragen. Die fehlende Kommunikation nach außen über den Stand dieser Personalie ist zudem ein weiteres Zeichen für die fehlende Wertschätzung, der für mich mehr Gesicht des Schalker Erfolgs ist, als Draxler es je war. Sollte er weg wollen, kann ich es gut verstehen. Vielleicht werden ihm ja irgendwo die Teppiche ausgerollt, die er verdient hat.

Unsere Neuverpflichtungen Schöpf und Belhanda

Ich verstehe diese Transfers nicht. Das ist nicht abwertend gegenüber den Akteuren gemeint. Aber entweder hat der Verein erbärmlich eingekauft oder mal wieder erbärmlich kommuniziert. Erst sagt man, dass man bis zum Start des Trainingslagers alle Einkäufe zusammen haben möchte, woraufhin nichts passiert, dass spricht man von nötiger Erfahrung und holt einen guten 21-jährigen und einen 25-jährigen, der mit 21 mal gut war. Da fällt mir nur ein Wort ein: Hmpf!

Unsere Abgänge Platte und Ayhan

Klar. Junge Spieler brauchen Praxis. Also werden sie verliehen. Aber warum habe ich bei den beiden das Gefühl, dass wir sie gerade sehr, sehr gut brauchen könnten? Wer trifft eigentlich momentan solche Entscheidungen? Ich glaube ich möchte es gar nicht wissen.

Unser Wunderjunge Sané

Zu ihm selbst muss man nichts mehr sagen. Wenn ich sogar bei einer Niederlage mit offenem Mund dastehe oder sitze und mich nachher nur wundern kann, wenn man von einem schlechten Spiel Sanés gesprochen wird, nur weil er mal kein Wunder vollbracht hat, dann ist das zwar ein bisschen dämlich, spricht aber nur noch mehr für die Einzigartigkeit des Spielers. Özil war ein Witz dagegen. Wir werden ihn nicht halten können. Vor allem nicht, wegen dieser dämlichen festgeschriebenen Ablösesummen. Warum verbietet man das nicht? Sie machen den Sport kaputt und stehen wie nichts anderes für Söldnertum. Eine beschissene Beratererfindung. Die könnte man gleich mitverbieten! Und dass sich Manager damit brüsten dürfen einen 4 Jahresvertrag mit einem jungen Spieler abzuschliessen, aber in dem Zug eine solche Klausel, die in den meisten Fällen das frühzeitige Ende des Engagements verschweigen dürfen, setzt dem ganzen die Krone auf. Lasst die Lastwagen rollen. In einem halben Jahr hat das Kulissenvieh es vergessen. Das ist mehr als unverschämt! Doch egal: Ich werde einfach jede einzelne Minute geniessen, die dieser Wunderjunge noch für Schalke spielt.

Die Manager- und Vorstandfrage

In einem normalen Klub könnte man sich sicher sein, dass ein ‚Boss‘ sich mit einer solchen Peinlichkeit, wie es die Heidel-Posse darstellt, sein Grab geschaufelt hätte. Was auch immer Heldt falsch gemacht hat: Eine solche Unternehmenskommunikation ist nicht nur ein No-Go sondern eine unsägliche Unverschämtheit. Und die hat einen Namen: Tönnies. Was kann dieser Mann sich noch alles erlauben. Seit der Ausbootung Assauers jagt eine Fehlentscheidung die Nächste. Hinzu kommt eine offenbar forcierte Aussendarstellung, die an Peinlichkeit nicht zu übertreffen ist und diverse Machtspielchen innerhalb des Aufsichtsrats, die vielleicht eines Fleischkonzerns würdig sein mögen, nicht aber dem vielzitierten ‚Kumpel- und Malocherklub‘.

Ich frage mich, wann die Leute endlich aufwachen und dem Entscheider der Ären Müller, Rutten, Magath und Heldt, deren Trainerhighlights die Wiederkehr zweier Erfolgstrainer aus der Ära Assauer war. Ansonsten offensichtliche Fehlentscheidung oder persönlicher Überwurf. Wieso kommt ein Mann, der alle halbe Jahre seine eigenen Fehler als die anderer hinstellt und bemängelt, damit durch? Wieso kann jemand Entscheidungen treffen, die er wenig später selbst zunichte macht? Wie kann jemand Verantwortung tragen, der keine übernimmt? Wieso ist dieser Mann noch im Amt?

Ach ja. Weil wir ihn brauchen. Weil er Geld hat. Weil er den Verein saniert hat. Einen Scheiß hat er! Einen Scheiß tun wir. Erbärmlich, wie er versucht hat, im Winter noch schnell Geld in den Verein zu pumpen, und die Neuzugänge aus eigener Tasche zu finanzieren. Ich bin gespannt, was er in den nächsten Monaten noch unternehmen wird, um sich unverzichtbar zu machen. Vielleicht adoptiert er ja Sané, Matip und Meyer.

Sollte Tönnies noch eine Amtszeit bekommen und Aufsichtsratvorsitzender bleiben, ist Schalke am Arsch. Aber dank seiner Rethorik eines Kumpelpolitikers, seinem Stammplatz im Hintern der richtigen und wichtigen Leute und seinen Presse- bzw. Boulevardtentakeln wird genau das passieren. Jede Wette…


Yourigooal

Befreiungsschlag! Hat auch mir geholfen.

Ein Punkt: Wenn AB denn wirklich soviel mitentscheiden darf welche Spieler das Team ergänzen, verlassen (sollen) (Inler, et al), dann muss Kritik zumindest in Sachen Transfers auch an seine Adresse gehen.

Immerhin hat er ja auch zuletzt seinen € 6Mio Wunschstürmer aus dem Kader gestrichen.
Sicher, eine Momentaufnahme, aber fällt es nicht schwer zu glauben dass eben dieser in den nächsten wieder 14 Tagen stürmt und trifft?

Schöner verbaler Rundumschlag! Bei Tönnies bin ich echt mal gespannt, ob tatsächlich erneut genug „Wahlvieh“ findet…

Greg04

Guter Artikel des Status Quo!

ber der Abschnitt zu CT ist doch Quatsch.

1. Du schreibst, dass CT dank guter PResse vllt eine neue Amtszeit möglich gemacht wurde?! Dein Ernst? Überlege dir einmal, wie CT und der Verein in der letzten Woche durch die Medienlandschaft getrieben wurde.
2. Bei allen Misserfolgen, die du CT da unterjubeln möchtest: Wann war Schalke mal konstant so erfolgreich.
3.Die sportliche Leitung verpflichtet Spieler.

[…] Andreas Linke (Web04) hat einige Wochen lang nicht gebloggt. In seinem neuen Artikel deutet er einerseits an, warum. […]

skAndy

@Greg04 Erstens glaube ich, dass ich Tönnies gar nicht für Spielerkäufe verantworltich gemacht wird, zweitens ist er aber für die Abordnung der Personen verantwortlich, die wiederum für die Spielereinkäufe verantwortlich ist. Und da scheint er seit Beginn seines Amtes ständig SELBST über seine Fehler zu stolpern und ist mit den Ergebnissen wenig später stets unzufrieden.

Den konstanten Erfolg ordnest du interessanterweise dann wieder Tönnies zu. Welchen meinst du? Dass wir durchweg europäisch spielen? Das hat gar nichts mit unserer Vereinsgröße, den Managern und Trainern, den Gazprommillionen und so zu tun? Das macht Tönnies? Ich sehe KEINE Konstanz. Zumindest keinen konstanten Weg. Sondern ständiges Lenkradreissen, wenn wir mit dem Reifen zu nah an den Bürgersteig kommen. Bisher konnte noch niemand in Ruhe arbeiten…

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