17 Okt

Back to the 80´s!

Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber mit Jahrgang 79 bin ich tatsächlich noch zu jung, um mich an die legendären Jahreshauptversammlungen des FC Schalke 04 in den 80er und 90er Jahren richtig gut zu erinnern. Einzig Helmut „gegen Dortmund haben wir uns damals nicht mal umgezogen“ Kremers ist mir noch sehr gut im Gedächtnis. Gestern Abend gab es aber einen kleinen Rückfall in diese turbulente Zeit- die außerordentliche Mitgliederversammlung des SFCV:

Es brodelt schon länger unter dem Dach des Fanclubverbandes. (Hier nur eine Kurzfassung, wer sich tiefer informieren möchte, kann das beispielsweise bei den Ruhrknappen Bottrop oder auf der Seite des Schalke Unser tun.) Die Ruhrknappen Bottrop haben auf ihrer Internetseite in den letzten Wochen immer wieder von Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr des SFCV berichtet, fast zeitgleich wurde der SFCV-Aufsichtsratsvorsitzende Ender Ulupinar seines Vorsitzes enthoben. Die Presse wurde aufmerksam, die Stimmen in den sozialen Netzwerken lauter und schließlich wurde die außerordentliche MV einberufen. Einziger Tagesordnungspunkt: Aussprache zur aktuellen Situation.
Das Interesse an dieser Aussprache war sehr groß, das „Tibulsky“ platze aus allen Nähten. Über 300 Fanclubs aus dem gesamten Bundesgebiet sind gekommen um den Ausführungen des Vorstandes sowie des Aufsichtsrates zu lauschen und sich endlich persönlich ein Bild der aktuellen Situation machen zu können. Tja, die meisten werden enttäuscht wieder heimgefahren sein. Der Vorstand des SFCV konnte/wollte aufgrund der im Raum stehenden Strafanzeige und der staatsanwaltlichen Ermittlungen keine detaillierten Angaben machen. Der Aufsichtsrat bzw. der derzeitige Vorsitzende Frank Kloss stellte zunächst einmal die Ereignisse aus seiner Sicht chronologisch vor, erklärte dann, dass bei den bisherigen Prüfungen Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Es wurde unter anderem ein zinsloses Darlehen sowie eine Sonderzahlung an Susanne Bremershemke gewährt, ohne diese Zahlungen(da über 5000 Euro) mit dem AR zu besprechen bzw. absegnen zu lassen. Dem SFCV sei aber kein Schaden entstanden, da sowohl das Darlehen als auch die Sonderzahlung am 21. September 2015!! zurückgezahlt wurden. Zudem hätte die Absetzung von Ender als AR-Vorsitzender nichts damit zu tun, dass er die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt hätte. Die Absetzung erfolgte aus rein formalen Gründen, da beim AR Rechtsunsicherheit besteht, ob Ulupinar überhaupt hätte gewählt werden dürfen.
Nach diesen 15 Minuten hätte die Veranstaltung auch zu Ende sein können. Neue Details zur Sache brachte niemand zur Sprache, weder der AR, Ender Ulupinar noch die Ruhrknappen Bottrop, die aber innerhalb der Versammlung immer mehr zur Zielscheibe des SFCV Vorstandes und (außer Ender) Aufsichtsrates wurden. Sicherlich ist der Stil der Veröffentlichungen fragwürdig gewesen und beinhaltete auch eine gewisse Selbstdarstellung. Wenn man jedoch den Ruhrknappen schlechten Stil und „Dreck schmeissen“ vorwirft, sollte man zumindest in der Lage sein, die Mitglieder, die sich dem Kreuzverhör vor mehr als 500 Schalkern stellten, ausreden zu lassen und nicht mit der Macht des Mikrofons niederzumachen und immer wieder zu unterbrechen. Das war von Frank Kloos und Ludwig Müller ebenso daneben, wie manch Kommentar bei Facebook etc. Der Tagesordnungspunkt hieß schließlich „Aussprache“ nicht „stelle eine Frage die mir passt, oder ich falle dir ins Wort“!
Es war schon eine große Schlammschlacht, die nun vor sich ging. Jede Partei schimpfte auf die andere, alle warfen sich vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Fragen wurden nicht oder nur ausweichend beantwortet. Mitglieder mahnten zur Sachlichkeit, wurden aber schon im zweiten Satz ebenfalls ausfallend und laut. Zwischendurch hätte man bei den Wortbeiträgen (sowohl von vor als hinter dem Podium) das Mikro auch ganz weglassen können. Auch im Saal wurde es immer unruhiger, oft gingen Wortbeiträge in wütenden Zwischenrufen unter. Schalke, wie es leibt und lebt!
Für einen außenstehenden sicher unterhaltsam, für Fanclubmitglieder, die an einer Aufklärung der Vorwürfe interessiert waren, so unnötig wie eine Klatschpappe. Es bleiben sehr viele Fragen offen. Eins steht jedoch fest. Der Vorstand hat das Vertrauen vieler Mitglieder verloren und es wird sehr schwer bis fast unmöglich, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Die gestrige Versammlung war dafür aber eher ein Schritt zurück, oder eben, je nachdem aus welchem Blickwinkel man es betrachtet, ein weiterer Schritt bis zum Zusammenbruch des SFCV. Das wäre ein trauriger Tag für die Fanclubkultur auf Schalke.

 

P.S.: Dies ist eine Zusammenfassung aus meiner persönlichen Sicht. Evtl. habe ich etwas vergessen oder anders wahrgenommen. Nach annähernd drei Stunden Zusammenkunft und einer teilweisen Lautstärke wie bei Kobis 19:04 Minuten Tor gegen die Bayern sei mir das bitte nachgesehen!

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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SLib sagt:

Danke für diesen Bericht eakus. Und ich dachte schon, alles sei nur noch Eierkuchen im Club ;-)

Robert Hartmann sagt:

Es gibt nur eins: Aufräumen im SFCV, faule Köpfe abschlagen. Rojek, Peters und Arndt zur Rechenschaft ziehen und rauswerfen. Darüber hinaus Peters von seinen Aufgaben beim Verein Schalke 04 entbinden. Der Mann ist nicht weiter haltbar. Lückenlose Offenlegung und Transparenz aller Zahlen und Fakten rund um Zahlungen an SFCV-Angestellte, Ticketverkäufe und Verflechtung mit dem Verein S 04. Der SFCV muss reformiert werden!!!

Knappe sagt:

Vergessen wurde in der Zusammenfassung jedoch, dass weder die stellvertretende Vorsitzende der Ruhrknappen noch der Herr Rechtsanwalt Dohrmann sich Fragen zur Herkunft der von den Ruhrknappen genutzten Dokumente im Internet machen wollte.
Ender U. (Aufsichtsratsmitglied und ehem. Vorsitzender des AR)wurde mehrfach aufgefordert seine Sichtweise zu einzelnen Punkten aufzuzeigen, hat dieses jedoch nur ein Mal genutzt.

Schalke-Tommy sagt:

Glück auf, ich wohnte der Versammlung ja auch bei. Aus meiner Sicht stimmt die ganz oben geschriebene Zusammenfassung. Aber auch fehlte darin der aus Sicht vieler, komische Auftritt der stellvertretenden Vorsitzenden der Ruhrknappen (Frau Esser). Ich weiß nicht, was der Auftritt sollte, ob sie sich einfach nur ins Rampemlicht stellen wollte oder mal zeigen wollte, wie man sich blamiert. Klar wurden Anschuldigungen gemacht, aber dann sollte man auch Ross und Reiter nennen und nicht einfach blocken. Das kommt dann komisch an. Zudem hatte Frau Esser dann einen unrühmlichen Abgang, weil sie wohl merkte, das sie nicht gerade Zuspruch bekam und sich wohl in der Ecke befand. Zumindest beendete sie schlagartig dieses Vorstellung und verließ den Raum in Richtung Balkonbereich Tibulski. Zum Thema Rechtsanwalt Dohrmann, der trat da mit dicker Akte unterm Arm auf, das man denken konnte, das jetzt mal Beweise auf den Tisch kommen. Aber nichts da, es kamen nur auch da nur Anschuldigungen, ohne Ross und Reiter zu benennen.Ich vermutete schon, das er nur sein Altpapier mitgebracht hatte *lach* Fazit aus meiner Sicht ist, das solche Auftritte der „Ankläger“ nicht gerade die Glaubwürdigkeit dieser stärken.
Mit blau/weißen Grüßen