24 Aug

Torschütze Thy

WAR das nicht für Fußball-Deutschland ein Wochenende zum Jubeln? Lupenreiner hätte eine Spielpaarung nicht angesetzt werden können: Es trafen am Sonntag die RotenBrausen aus Leipzsch und der FC St.Pauli aufeinander, ja wie kulturpolitisch war DAS denn.

Ich mein‘, guck mal: Die derzeitige Inkarnation des neoliberalen Sportwirtschaftsunternehmens gegen DAS Symbolteam anarchischer Gegenbewegung! Eine künstlich gezeugte Soldateska gegen die ursprünglichste Rebellentruppe Europas! In ein Reagenzlimonadenglas zusammengekaufte Söldnerroboter unter EnergyDrink-Doping gegen eine Mannschaft, die doch, wie wir alle wissen, komplett aus wettergegerbten Elbfischersöhnen, alleinerzogenen Reeperbahnstraßenfußballern und unerzogenem Hafenstraßenkommunardennachwuchs besteht! Und erst die Trainer: Der akademische Reißbrett-Professor gegen DEN kampferfahrenen Platzanarcho schlechthin, einen der Langhaarigen, er aber der mit der stets ungewaschenen Matte, Ewald, Untertagearbeitstiername des Ruhrgebiets, mit der größten, jemals mit der Kamera eingefangenen, offenen Fleischwunde der Bundesligageschichte!

Ein Spiel vor 42 Tausend begeistert Entzündeten Paulianern im Leipscher Zentralstadion, dem Tempel des Kapitalismus, in dem sich als Anhänger des so genannten RB wohl auch eine Hand voll Kreisparteitagsgänger der FDP Sachsen befanden: Es wurde vom Bewahrer geistigen Fußballguts in Deutschland, wurde vom Weltpokalsiegerbesieger, dem FC St.Pauli, überlegen und deutlich mit 1:0 gewonnen!

Recht so! Es jubeln darüber 98% aller seelisch intakten Fußballfans in Deutschland, alle, deren Herz auf dem rechten Fleck, also dem linken, schlägt, es jubeln alle wahren Hamburger, es jubeln alle Sachsen, die ohne Hass und Angst sind, (also nicht allzu viele: Aber sie zählen mit). – Und ich!

Ach ja, Schalke hat auch gespielt. Wir haben souverän einen weiteren Punkt geholt, den potentiellen CL-Platz gefestigt, gegen einen schier übermächtigen Gegner voller Aufstiegselan bestanden. Sind überdies in der Bundesliga angekommen und freuen uns auf die Modenschau am Freitag in der Volkswagenzentrale, wo sich die Herren de Bruyne und Draxler dann gegenseitig ihre Nervenkostümchen vorführen dürfen. Ich rechne mit dem selben Ergebnis wie dem von RasenBallsport gegen St.Pauli (von der kulturpolitischen Bedeutung „Konzern-Armee vs. Traditonsjungs“ war das ja letztlich nur die Vorankündigung unserer nächsten Bundesligapartie) – Ich sage: 0:1.

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
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