Hinten runter

Die Saisonvorbereitung ist zu Ende. Nun beginnt die Vorbereitung auf ein unangenehmes Pflichtsiegspiel. Schon deshalb unangenehm, weil die Testspiele nicht viel Raum für Schützenfestträume liessen. Das 0:0 gegen Porto in Gütersloh, der 1:0 Sieg gegen Lech Gdansk in Danzig, der 3:2 Sieg in Osnabrück, das 1:1 in Klagenfurt gegen Udinese Calcio, die 1:3 Niederlage in Wolfsberg, der 3:1 Sieg in und gegen Klagenfurt und nun das 1:1 im ersten Heimspiel gegen Twente; daraus ergibt sich ein Torverhältnis von 10:8 in 7 Spielen. Ein Kantersieg gegen eine unterklassige Mannschaft, wie sie sonst fest im Vorbereitungsplan steht, blieb aus und war offenbar auch nicht geplant.

Zuversicht verschaffen die Ergebnisse an sich dem gemeinen Fan wohl kaum. Eher schon die Einzelaktionen. Eine in den meisten Varianten recht stabile Viererkette, ein schön kombinierendes Mittelfeld und ein brandgefährlicher Sturm, dem meist nur das letzte Prozentchen fehlte. Und dann noch dieser Johannes Geis.

Zugegeben: Ich war von seinem Autreten vor dem großen Auftritt nicht begeistert. Mein erster Eindruck von ihm war eher miserabel. Mit diesem jungen, gelangweilt guckenden Fußballtalent kann ich mich ungefähr so gut identifizieren wie mit einer Weißwurst. Bis auf eine ähnliche Hautfarbe bleibt nicht viel. Aber sobald er auf dem Platz stand, hat er begeistert. Wie er sich jeden ruhenden Ball geschnappt und um die laufenden Bälle gekämpft hat. Wie er gelenkt und geleitet hat. Wie kaltschnäzig er dann diesen Ball ins Tor gelenkt hat, und wie cool er dann den Finger abgestreckt hat, als wäre es das normalste der Welt. Genial.

Und trotzdem war es meines Erachtens nicht der größte Schalker Coup der Sommerpause. Denn dieser Titel gehört ganz klar der Verlängerung mit Sané. Was für ein Typ. Was für eine Präsenz im Spiel. Ein Traum, ihm zuzuschauen.

Aber natürlich: Damit allein gewinnt man keinen Stich. Es muss noch einiges passieren, damit aus diesen vielen tollen Einzelspielern eine gefährliche Mannschaft wird. Von den wohltuend großmundigen Sprüchen über Pressing und Laufstärke ist man augenscheinlich noch sehr weit entfernt. Doch das Material ist zweifelsohne vorhanden.

Und zwar schon so viel, dass man schon wieder fürchten muss. Nämlich um die Entwicklung der Jungstars. Was ist mit Matip, wenn Höwedes zurück ist? Was ist mit Meyer? Kommt der überhaupt noch zum Zug? Wird Platte je ein Spiel machen, wenn wir vorne nun so prominent besetzt sind? Überall und allenorts hört man solche Befürchtungen.

Sie bringen mich fast ein wneig zum Kichern. Denn wenn wir in den letzten Jahren etwas gelernt haben sollten, dann doch, das meist schon eine Doppelbesetzung nicht ausreicht. Denn es wird weiterhin immer Verletzungen und Sperren geben. Und es wird am Ende jeder Einzelne gebraucht werden. Das einzige was dann fehlen könnte, sind die Ausreden.

Ich hoffe aber, dass wir sie gar nicht brauchen werden.

Kann losgehen.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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