20 Mai

Di Matteo raus!

Es ist so unfassbar lächerlich. An allen Fronten.  Auf der einen Seite stehen Fans, die der Mannschaft entgegenschreien, dass alle gehen können. Alle außer Fährmann natürlich. Dass sie damit nur unseren Eigengewächsen ins Gesicht schlagen, nicht dem Teil der zugekauften Spielern, denen eh alles egal scheint, ist ihnen entweder nicht bewusst, oder aber ebenso egal.

Auf der anderen Seite ein Vorstand Sport und ein Aufsichtsratvorsitzender, die genau in diese Bresche schlagen, statt sich selbst und ihr Konzept in Frage zu stellen. Aber was sollen sie auch tun? Der Slogan der Überschrift verbietet sich. Sonst würde man sich selbst ja Lügen strafen. Denn mal ehrlich: Wer will wirklich noch behaupten, dass Keller ein schlechter Trainer war? Dass es an ihm lag, dass nicht konstant gespielt wurde? Dass es ein fehlendes Konzept war? Dass er uns nicht mindestens genauso weit gebracht hätte, wie Di Matteo? Und über den ein oder anderen Vorgänger, der ebenfalls auf einem Euro-League-Platz den Hut ziehen musste, wollen wir gar nicht erst reden.

Aber egal. Der wahre Sündenbock ist ja gefunden. Die Mannschaft. Da wird auch kein Unterschied gemacht. Alle über einen Kamm. Da spielt es auch keine Rolle, wie lange sie sich schon für unseren Club sie Eier an der Grasnarbe aufscheuern. Das ist so widerwärtig! Spielern wie Matip & Co. – und ja, dazu zähle ich auch Draxler – Lustlosigkeit vorzuwerfen, ist eine Frechheit. Aber wie soll man auch differenzieren, wenn man keinen Einblick hat!? Da pauschalisiert man doch gerne. SchaGLudA.

Die Presse tut derweil das, was sie am besten kann. Sie setzt noch einen dicken Haufen auf den vorhandenen drauf. Da wird behauptet, dass man auf ganz Scvhalke nun zu meckern anfängt, nur weil man mal auf Platz 5 landet. Moooooooooment. Es hätte auch Platz 13 sein dürfen. Oder ein knapper Klassenerhalt. Wenn man den mal endlich den ewig angekündigten Umbruch vollzogen hätte. Diese feiste Lüge, die seit Jahren kursiert, und die immer wieder in letzter Sekunde prominenten Neuzugängen und der erneuten Sprengung des Gehaltsgefüges zunichte gemacht wird.

Versagt hat nicht die Mannschaft. Und versagt hat nicht der Trainer. Versagt haben zum einen die, die für die Aussendarstellung und die unfassbaren gr0ßen Töne verantwortlich sind, die immer genau so lang gespuckt werden, bis zwangsweise die kleinen Brötchen im Ofen liegen. Und versagt haben zum anderen die, die für die Schalker Einkaufspolitik verantwortlich sind. Wann haben wir eigentlich nochmal zuletzt einen Spieler gekauft, der günstig zu haben war, und sich als überraschung entpuppt hat. Einen, der sich entwickeln konnte? Und deren beginnende Entwicklung einer der unzähligen Mitarbeiter erkannt hat, die bei uns im Verein fürs Scouting bezahlt werden?

Wir haben uns den Erwerb von Spielern konzentriert, die irgendwann mal irgendwo gut waren und einfach loszueisen sind. Einfach im Sinne von „mit viel Geld für den Spieler und wenig für den Klub“. Schalke funktioniert nicht. Und das hätte es auch nicht, wenn wir irgendwie die CL-Quali geschafft hätten. Weil wir kein Gesicht mehr haben. Weil nur noch wie ein zweitklassiges Wirtschaftsunternehmen mit einer Fußballabteilung agieren. Weil uns nichts mehr heilig ist, und jede denkbare Grenze auf dem Weg zum totalen Ausverkauf schon bald überschritten scheint.

Niemand, der ernsthaft ‚Schalke lebt‘ hat sportliche Erwartungen, die nicht in unmittelbarer Relation zu dem stehen, was der Verein finanziell aufwendet, was er uns abknöpft, wofür er Stück für Stück unseren geliebten Verein auseinander nimmt, und ihn sowie uns auf Märkten verscheuert.

Alles was wir wollen, ist endlich wieder der geilste Club der Welt sein. Mit Spielern und Funktionären, die Schalke sind oder zu Schalke passen. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich hoffe, dass wir es irgendwann schaffen, uns unseren Klub zurück zu holen. Dass wir irgendwann begreifen, dass das, was wir gerade verlieren mit keinem Titel der Welt zu bezahlen ist. Dass ein unterklassiger Verein mit WIR-Gefühl mehr wert ist, als ein Hochglanz-Wirtschaftsunternehmen mit Champions-League-Ambitionen.

Aber ich fürchte…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Libera sagt:

Danke für diesen wahrlich emotionalen Rück- und sogar Ausblick, skAndy.

Ich denke auch, dass durchaus noch MENSCHEN in unserer Mannschaft sind, denen in diesem derzeitigen Irrenhaus Schalke vor lauter Kopfschütteln der Gleichgewichtssinn abhanden gekommen ist.

Aber es ist immer noch mein Irrenhaus. Mein Schalke. Auch wenn wir keinem bestimmten Muster folgen, lustlos ohne Fahrplan in jedes Spiel starten oder uns an einer massentauglichen und nicht Spielerstärkentauglichen Strategie entlanghangeln… es setzen sich diese klitzekleinen königsblauen Hoffnungs-Flausen in meinen Ohren fest und krabbeln so lange duch meinen Kopf, bis sie gar nicht mehr wegzudenken sind. Hoffnung auf kleine Überraschungen, Neuerungen zur kommenden Saison. Lachhaft?! Ja, vielleicht.
Aber ich kann über mich lachen. Schalkerin eben.

eakus1904 sagt:

Bezüglich der Mannschaft kann ich dir nur teilweise zustimmen. Es sah definitiv lustlos aus in den letzten Spielen. Ob es nun daran liegt, dass sie nicht konnten (was ich akzeptieren könnte) oder nicht wollten (was ich NICHT akzeptieren könnte) wird mir niemand beantworten können. Aber das nur am Rande, die Probleme im Verein sind ohnehin vielschichtiger.

Alles was wir wollen, ist endlich wieder der geilste Club der Welt sein. Mit Spielern und Funktionären, die Schalke sind oder zu Schalke passen. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich hoffe, dass wir es irgendwann schaffen, uns unseren Klub zurück zu holen. Dass wir irgendwann begreifen, dass das, was wir gerade verlieren mit keinem Titel der Welt zu bezahlen ist. Dass ein unterklassiger Verein mit WIR-Gefühl mehr wert ist, als ein Hochglanz-Wirtschaftsunternehmen mit Champions-League-Ambitionen.

Word! Besser kann man es nicht ausdrücken!

Andrea sagt:

Lieber Andy,
ich glaub es wissen viele, oder meinen zu wissen, dass die Mannschaft an sich gar nicht das Problem ist.
Gestern zb habe ich etwas „gegen“ unseren Trainer gesagt, allerdings stand da „der große Name Di Matteo…“
Woher hat der seinen angeblich großen Namen? Weil er im März ne Mannschaft interimsmäßig übernahm, die dann nach 6 Wochen die CL gewann? Und dann dort als fester Trainer engagiert wurde um im November da schon wieder raus zu fliegen?
Wer hat sich auf Schalke eigentlich einen Namen gemacht? Ein Herr Tönnies? Der irgendwie nur über Kohle redet, sich aber nie die Finger dreckig macht? Ein Herr Heldt, der sanft und seicht „das Kind schon schaukelt“ oder ein Herr Peters? Wer ist eigentlich Herr Peters? Ich muss allerdings einwenden, dass ich die Augenbraue hochgezogen hab, als diese beiden sich am Samstag den Fans gestellt haben. Respekt, hätte ich denen nicht zugetraut, nur genutzt hat es sicher auch nichts.
Einen Namen gemacht hat sich zB. Rudi Assauer (und ich war sicher nicht immer einer Meinung mit ihm) Ein Nemec, obwohl der nie was gesagt hat, ein Sand, ein Büskens, ein Wilmots und ein Asamoah und sicher viele vorher. Was hatten die, was die heute nicht haben? Charakter. Unsere Mannschaft wird so charakterlos gehalten, wie es die da drüber sind. Sicher gibt es Ausnahmen wie zb Höwedes… aber 1. für wie lange noch und 2. ist der ja brav.
Letzten Endes bleibt uns nur die Hoffnung, die Hoffnung dass das gesichtslose blabla aufhört und stattdessen was getan wird, dass man aneckt und fällt und wieder aufsteht und kämpft.

Ich bin traurig. Denn ich weiß des Rätsels Lösung nicht, alles Gerede sind nur Momentaufnahme auf der Suche, klägliche Versuche in Worte zu fassen was passiert oder eben nicht passiert, nur eins ist sicher, nämlich dass da ganz gewaltig was nicht stimmt.
Ich glaube, es wäre besser für alle (auch für die Spieler) gewesen, Paderborn hätte uns 3 oder 4:0 vom Platz gefegt. Dann hätte es vielleicht den Knall gegeben, den Schalke scheinbar braucht.

Detlef sagt:

Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt. Das ist das was viele Schalker wollen.

Was ich nicht will, jemals wieder so etwas erleben wie am Samstag gegen Paderborn. Und damit meine ich nicht nur das Spiel der Mannschaft, sondern alles was mit dem Spiel drum herum zu tun hatte.
Ich war traurig und wenn ich mir die Gesichter um mich rum ins Gedächtnis zurückrufe, dann war ich nicht der Einzige.

Einen Teil der Trauer konnte ich Gott sei Dank schon am Sonntag beiseite schieben, da spielte die Zukunft des S04. Sie spielten, hatten Spass und wurden unterstützt von den Fans. Da ging ich lächelnd aus der Aerna, übrigens zusammen mit meine Tochter die erstmals auf Schalke war. Zum Glück bei dem Spiel und nicht einen Tag vorher.

eakus1904 sagt:

Warum traurig? Das Drumherum um das Paderborn-Spiel, was aus meiner Sicht noch das Highlight an diesem Samstag. Denn hier zeigte sich Schalke so, wie wir es alle kennen und lieben gelernt haben. Emotional bis zum äußersten. Diesmal-leider- halt negativ, aber was solls? Das ist doch genau das, was vielen derzeit abgeht. Das was gefordert wird. Unser Schalke 04, unser Verein!

Über den ich meckere aber gleichzeitig mit ihm leide.

Über den ich herziehe, den ich aber gegenüber dritten verteidige, wie eine Löwin ihre Jungen.

Der „mich mal kreuzweise kann“, ich dann aber doch immer wieder hinschaue, hingehe oder angedrohte Boykotte nicht halten kann(so wie ich beispielsweise meine 90 Kuzorra-Minuten am Samstag nicht durchgehalten habe).

Das am Samstag war nicht schön, ganz klar. Aber es war echt! Es waren gelebte Emotionen, die aus vielen hervorsprudelten. Das diese nicht immer kontrollierbar sind oder bei manchen auch mal über die Stränge schlagen, ist leider wohl nicht zu verhindern.

Die letzten, die diesen „Shitstorm“ mit Beleidigungen, „Wir sind Schalker und ihr nicht!“-Rufen und mit Belagerung von Ausgängen über sich ergehen lassen mussten, gewannen übrigens knapp ein halbes Jahr später den UEFA-Cup und wurden am vergangenen Samstag mit Sprechchören von der ganzen Kurve gefeiert. Das ist schon sehr grotesk und eigentlich nicht zu verstehen. Es sei denn, man ist Schalker.

Andrea sagt:

Eakus, ja, traurig.
Weils Schade ist, dass es so Scheiße ist.
Ich hab Samstag echt da gestanden, fast geheult und gleichzeitig den Paderbornen Beifall gezollt.
Da war das Herz und die Seele zu sehen, die ich bei meinem Schalke so vermisse.
Ich weiß, es ist noch irgendwo da, und ich wende mich nicht ab. Ich versage vielleicht mal meinen Beifall, aber ich werde nicht ganz gehen. Ich protestiere vielleicht mal, ich nörgele mal vor mich hin und vielleicht werd ich auch noch öfter mal traurig sein in unserer Arena, aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir schon bald wieder lachen, Nägel kauen weil es so spannend ist und feiern weil wir uns nach großartigen Spielen fühlen wie kleine Weltmeister :)

derwahrebaresi sagt:

Du aber hast den EINBLICK, dass es nicht evtl. auch Lustlosigkeit Einzelner ist?

Der Verfasser sagt:

Verstehe den Einwurf nicht. Wieso sonst sollte die Mannschaft kritisiert werden? Es geht um Pauschalisierung und den Vorwurf, dass da keiner mehr Bock hat.

Der Verfasser sagt:

Die ‚Mannschaftszusammenstellung‘ sollte es heissen.

Niveau 04 sagt:

Der Heldt muss gehen
das ist die Lösung des Rätsel

Tim (Restbestand) sagt:

Sorry – sehe ich etwas anders. „Strukturell“ verständlich der Artikel – aber wer auch mal „schöne“ Auswärtspartien bzw. -Fahrten mitmacht – kriegt aber sowas von nen Hals. Die Leistungsverweigerung war bereits in Augsburg auf dem Höhepunkt. Der malochende Mob mietet sich für seine letzte Kohle in Hotels ein oder fährt ne stressige Kotz-Bus-Tour, um sich immer und immer wieder das Gepöle einer taktisch gesehen 1A Bezirksliga-Truppe reinzuziehen.

Selbst bei TeBe lässt man bei jedem Spiel nen Zwanni, aber da weiß man wat einen erwartet.

Geldsäcke sage ich nur. Geldsäcke!

Der Verfasser sagt:

Was genau siehst du dann anders? Ich will doch auch nur etwas weniger Geldsack und etwas mehr TB.
Wir sind früher gerne nach Ürdingen gefahren, um uns ein 0:0 im Regen anzuschauen. Eben weil man nicht das Gefühl hatte, dass man ein Wirtschaftsunternehmen besingt… Da gehörte der Rumpelfussball zum ‚Event‘. Aber man war etwas. Etwas was geiler war als alles andere. Und das scheint vorbei…

Schalke News sagt:

Na nun ist er ja auch offiziell weg. Wilmots wäre eine Option durch seine AK. Siehe hier:

Wird Wilmots neuer Schalke Trainer

Schalke News sagt:

Wilmots ist aber auch so ein unsicherer Geselle als Vereinstrainer. 2 Anstellungen bisher und beide Male musste er vorzeitig seinen Hut nehmen.

Wilmots wäre ein Risiko als Schalke Trainer