Di Matteo raus!

Es ist so unfassbar lächerlich. An allen Fronten.  Auf der einen Seite stehen Fans, die der Mannschaft entgegenschreien, dass alle gehen können. Alle außer Fährmann natürlich. Dass sie damit nur unseren Eigengewächsen ins Gesicht schlagen, nicht dem Teil der zugekauften Spielern, denen eh alles egal scheint, ist ihnen entweder nicht bewusst, oder aber ebenso egal.

Auf der anderen Seite ein Vorstand Sport und ein Aufsichtsratvorsitzender, die genau in diese Bresche schlagen, statt sich selbst und ihr Konzept in Frage zu stellen. Aber was sollen sie auch tun? Der Slogan der Überschrift verbietet sich. Sonst würde man sich selbst ja Lügen strafen. Denn mal ehrlich: Wer will wirklich noch behaupten, dass Keller ein schlechter Trainer war? Dass es an ihm lag, dass nicht konstant gespielt wurde? Dass es ein fehlendes Konzept war? Dass er uns nicht mindestens genauso weit gebracht hätte, wie Di Matteo? Und über den ein oder anderen Vorgänger, der ebenfalls auf einem Euro-League-Platz den Hut ziehen musste, wollen wir gar nicht erst reden.

Aber egal. Der wahre Sündenbock ist ja gefunden. Die Mannschaft. Da wird auch kein Unterschied gemacht. Alle über einen Kamm. Da spielt es auch keine Rolle, wie lange sie sich schon für unseren Club sie Eier an der Grasnarbe aufscheuern. Das ist so widerwärtig! Spielern wie Matip & Co. – und ja, dazu zähle ich auch Draxler – Lustlosigkeit vorzuwerfen, ist eine Frechheit. Aber wie soll man auch differenzieren, wenn man keinen Einblick hat!? Da pauschalisiert man doch gerne. SchaGLudA.

Die Presse tut derweil das, was sie am besten kann. Sie setzt noch einen dicken Haufen auf den vorhandenen drauf. Da wird behauptet, dass man auf ganz Scvhalke nun zu meckern anfängt, nur weil man mal auf Platz 5 landet. Moooooooooment. Es hätte auch Platz 13 sein dürfen. Oder ein knapper Klassenerhalt. Wenn man den mal endlich den ewig angekündigten Umbruch vollzogen hätte. Diese feiste Lüge, die seit Jahren kursiert, und die immer wieder in letzter Sekunde prominenten Neuzugängen und der erneuten Sprengung des Gehaltsgefüges zunichte gemacht wird.

Versagt hat nicht die Mannschaft. Und versagt hat nicht der Trainer. Versagt haben zum einen die, die für die Aussendarstellung und die unfassbaren gr0ßen Töne verantwortlich sind, die immer genau so lang gespuckt werden, bis zwangsweise die kleinen Brötchen im Ofen liegen. Und versagt haben zum anderen die, die für die Schalker Einkaufspolitik verantwortlich sind. Wann haben wir eigentlich nochmal zuletzt einen Spieler gekauft, der günstig zu haben war, und sich als überraschung entpuppt hat. Einen, der sich entwickeln konnte? Und deren beginnende Entwicklung einer der unzähligen Mitarbeiter erkannt hat, die bei uns im Verein fürs Scouting bezahlt werden?

Wir haben uns den Erwerb von Spielern konzentriert, die irgendwann mal irgendwo gut waren und einfach loszueisen sind. Einfach im Sinne von „mit viel Geld für den Spieler und wenig für den Klub“. Schalke funktioniert nicht. Und das hätte es auch nicht, wenn wir irgendwie die CL-Quali geschafft hätten. Weil wir kein Gesicht mehr haben. Weil nur noch wie ein zweitklassiges Wirtschaftsunternehmen mit einer Fußballabteilung agieren. Weil uns nichts mehr heilig ist, und jede denkbare Grenze auf dem Weg zum totalen Ausverkauf schon bald überschritten scheint.

Niemand, der ernsthaft ‚Schalke lebt‘ hat sportliche Erwartungen, die nicht in unmittelbarer Relation zu dem stehen, was der Verein finanziell aufwendet, was er uns abknöpft, wofür er Stück für Stück unseren geliebten Verein auseinander nimmt, und ihn sowie uns auf Märkten verscheuert.

Alles was wir wollen, ist endlich wieder der geilste Club der Welt sein. Mit Spielern und Funktionären, die Schalke sind oder zu Schalke passen. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich hoffe, dass wir es irgendwann schaffen, uns unseren Klub zurück zu holen. Dass wir irgendwann begreifen, dass das, was wir gerade verlieren mit keinem Titel der Welt zu bezahlen ist. Dass ein unterklassiger Verein mit WIR-Gefühl mehr wert ist, als ein Hochglanz-Wirtschaftsunternehmen mit Champions-League-Ambitionen.

Aber ich fürchte…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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