13 Mai

Schalke. Meine Sucht.

Du frisst mich auf, hast mein königsblaues Herz verschluckt.
Hinabgewürgt in deinen viel zu engen Stollen-Magen.
Vorm Mundloch setze ich mich. Lautlos ringend nach Luft.
Ein… dann Aus. Autsch!

Du hast mich überrumpelt. Und zwängst mich doch nie ein.
Machst mir Angst und begeisterst mich zugleich. Explosionen.
Lässt mich deine Wände spüren, malst mir bunte Grenzen daraus.
Lässt mich an jedes Unglück erinnern, auch wenn ich nicht erinnern will.
Leckst mir die blutenden Finger und spuckst mir alte Scherben ins Gesicht.

Du lässt mich singen auf deinen Straßen.
Und gibst mir dabei 1000 Freunde an die Hand.
Schenkst mir Kultur und Heimat. Dazu einen unstetigen Weg.
Legst deinen Schal um mich. Ich halte mich daran fest.
Sorgst für Schatten im Herzen und ein Lachen im Gesicht.

Dein richtig großer Wille ist bloß noch schales Echo einer alten Tradition.
Geblieben ist die wunderschöne Landschaft; Denkmäler als bitter grausamen Hohn.
Es ist als ob das Herz, der Mythos, langsam gefriert,
den kleinen warmen Funken einer hoffnungsvollen Kraft,
die uns bisher immer Träume, Lust, Lachen und glanzvolle Visionen schafft.

Ja, ich lüge für Dich. Weil sich verändert, was mal war.
Hast nie gefragt, ob ich hier sein will und gibst mir trotzdem keine Wahl.
Auch wenn sich der Schmutz deines Kohle-Atems schon längst auf meinem Gesicht tiefnarbig abgezeichnet hat, werde ich dich niemals ganz verlassen.
Glück auf – ich bleibe bei dir.

Du frisst mich auf, hast mein königsblaues Herz verschluckt.
Hinabgewürgt in deinen viel zu engen Stollen-Magen.
Vorm Mundloch setze ich mich. Lautlos ringend nach Luft.
Schalke. Meine Sucht.

Libera

Libera

Gleichstellungsbeauftragte a.D.
Libera

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sisterray1809 sagt:

So schön. So lyrisch. Was für ein tolles Gedicht. Danke für’s Teilhabenlassen.
Micha