02 Mrz

1000 Euro? Aber sicher!

Da hat unser Aufsichtsratsvorsitzender aber wieder mal einen rausgehauen. Jedes Schalke-Mitglied sollte idealerweise einen Betrag von 1000 Euro spenden. Damit könnte man die Verbindlichkeiten fast komplett bezahlen, würde 25 Millionen im Jahr an Zins und Tilgung sparen und hätte so nach 10 Jahren eine Viertelmilliarde Euro mehr zur Verfügung. So die Theorie. Nun gut, böse Zungen würden jetzt behaupten, dass man ohnehin nix zurückzahlt und die Kohle nur dazu genutzt werden würde, den nächsten überbezahlten Kicker an den Schalker Markt zu lotsen. Aber wer weiß das schon? Ist ja auch noch Schnee von übermorgen, erst mit verpasster CL-Qualifikation (und mit der „Leistung“ von Samstag wird man diese verpassen!) könnte das Thema akuter werden, als uns allen lieb ist.

Vielmehr stellt sich mir die Frage, was man denn bereits jetzt so im Jahr für Schalke ausgibt. Schauen wir also mal auf einen durchschnittlichen Schalke Fan und taufen ihn auf den Namen Karl-Heinz, oder kurz: Kalle:

Kalle ist 41 Jahre jung, verheiratet und hat zwei Kinder. Ihm wurde das Schalke-Virus bereits durch Papa und Opa in die Wiege gelegt. Mit acht Jahren durfte er das erste Mal mit ins Parkstadion. Er weinte vor Freude 1997 in Mailand und aus Enttäuschung am 19. Mai 2001. Klar, dass er seit Eröffnung der Arena eine Dauerkarte hat. So wie früher mit Papa, Gegengerade neben der Nordkurve. Für diesen Platz zahlt Kalle derzeit 627,50 Euro im Jahr. Er besitzt das „Schalke-Total“ Abo, da er in der Regel auch zu den nationalen und internationalen Pokalspielen dabei ist. Pro Saison kommen hier durchschnittlich nochmal vier Spiele extra dazu (je 41,50, insgesamt 166 Euro).

Selbstverständlich ist er Mitglied (50 Euro) und hat auch seine Kinder direkt nach der Geburt im Verein angemeldet (je 12 Euro). Die beiden Jungs sind acht und 11 Jahre alt und natürlich ebenso glühende Schalke Fans. Klar, dass da ein neues Trikot nicht unter dem Weihnachtsbaum fehlen darf. Passen ja auch noch beide in die Kindergrößen (je 59,95 Euro). Da auch Kalles Frau Interesse am Fußball hat, kauft Kalle dreimal pro Saison Karten für den Familienblock, damit Mama und die Jungs auch mit ins Stadion können. Die Kinderkarten schlagen hier mit 13 Euro zu Buche (insgesamt 78 Euro), Mamas Platz kostet bei diesen Spielen dann aber schon 41,50 Euro (124,50 Euro).

Kalle wohnt ca. 30 Kilometer von der Arena entfernt in einem etwas abgelegenen Teil des Ruhrgebietes. Vorteil: Es ist schön ruhig und die Kinder haben viel Platz zum spielen. Nachteil: Der ÖPNV ist ziemlich beschissen, so dass Kalle sonntags bzw. unter der Woche nicht mit seiner Dauerkarte zum Spiel fahren kann, sondern das Auto nehmen muss. Das ganze passiert etwa 10-mal pro Saison. Hin und zurück sind es 60 Kilometer. Bei 0,20 cent pro Kilometer muss Kalle also 120 Euro zusätzliche Kosten einrechnen.

In Kalles Wohnort gibt es einen Schalke-Fanclub, dem Kalle natürlich auch angehört (60 Euro Jahresbeitrag). Man trifft sich vor dem Spiel, fährt gemeinsam zur Arena und trinkt dort dann auch noch das ein oder andere Bier zusammen. Da Kalle nie weiß, wie viel Geld noch auf seiner Knappenkarte ist, lädt er pro Spiel immer 20 Euro auf. Bei 21 Heimspielen kommen da 420 Euro zusammen. Zudem gibt Kalle im Durchschnitt 10 Euro (210 Euro/Jahr) vor den Stadiontoren aus, da die Wurst dort besser schmeckt und sich sein Fanclub immer an derselben Bierbude vor der Arena sammelt. Und bis da mal alle da sind….

Ab und zu fährt Kalle auch Auswärts. Nicht mehr wie früher so oft es geht, aber in etwa fünfmal ist er in der Fremde dabei. Meist mit dem Fanbus des SFCV (30 Euro im Schnitt, also insgesamt 150 Euro). Die Karten kosten auch etwa 40 Euro pro Spiel, da Kalle eigentlich keine Lust mehr aufs Stehen hat (200 Euro). Das sollen die jüngeren mal machen. Einmal im Jahr gönnt sich Kalle mit seiner Frau zudem eine Auswärtsübernachtungstour. Das war auch früher schon mal Barcelona oder Athen, jetzt aber meist eher Hamburg oder Berlin, da es unter der Woche sehr schwierig ist, die Kids unterzubekommen. Für diese Tour gibt Kalle ca. 400 Euro für zwei Personen aus. Also für Bahnfahrt/Flug, Hotel und Eintrittskarten. Dafür schenken sich die beiden dann nichts zu Weihnachten.

 

 

Wenn ich bis hierhin richtig gerechnet habe, gibt Kalle also 2399,90 Euro im Jahr für den FC Schalke 04 aus. Wow, eine echte Hausnummer und schon weit mehr als die von CT angepeilten 1000 Euro! Ok, Kalle ist natürlich nur ein Beispiel (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt). Ihm geht es nicht schlecht und er kann sich diese Ausgaben auch durchaus leisten. Aber ein zusätzlicher „Tönnies-Tausi“ würde auch bei Kalle ein schönes Loch in die Haushaltskasse reißen.

Weitaus vielen Mitgliedern geht es aber finanziell deutlich mieser als Kalle. In nicht wenigen Familien ist die Dauerkartenabbuchung im Juli immer ein großer Schock und man muss schauen, wie man halbwegs über die Runden kommt. Auf Schalke verzichten kommt aber nicht in Betracht. Einige wollen es nicht, andere haben schlichtweg nichts anderes als den Verein. Gerade für diese Menschen ist der Tönnies Vorschlag ein Schlag in die Magengrube und ein weiteres Zeichen dafür, wie weit sich die Verantwortlichen schon vom Fan (oder sollte ich besser „Kunde“ schreiben?) entfernt haben. Traurig, aber wahr.

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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Roman Kolbe sagt:

Ich spende 1.000 Euro für den FC Schalke 04, wenn Clemens Tönnies sich zukünftig aus dem operativen Geschäft heraushält und keine Interviews mehr gibt, ohne dass nicht auch die S04-Pressestelle da mal drüber geschaut hat.

Ossi sagt:

Wenn ich mich heute nicht verguckt habe, kosten Kindertrikots 72,90€.

Ombre04 sagt:

Ich schätze euren Blog ja grundsätzlich genau so wie viele weitere Blogs die Schalke betreffen.

Leider aber haben die meisten immer noch nicht den Sinn der „Tönnies Tausender“ Aussage verstanden… Mit ein bisschen Sachverstand sollte eigentlich jeder erkennen das der Vorschlag nicht wörtlich genommen werden soll, sondern das es ein zwar ernst gemeinter Vorschlag war, aber mit einer vermutlich bewusst übertriebenen Summe, um die längst überfällige Diskussion anzustoßen, ob die Rechtsform e. V. Mittel- und langfristig noch mit den Ambitionen des Vereins und der Mitglieder vereinbar ist.

Ziel erfüllt. Die Diskussion ist angestoßen! Im schlechtesten Fall, werden dadurch die Mitglieder offen für Vorschläge die Rechtsform anzupassen um in Zukunft nicht Konkurrenzfähig zu sein (Stichwort Red Bull, VW, Bayer, SAP, Audi,…)
Im besten Fall aber entsteht dadurch eine Bewegung von den Fans und Mitgliedern ausgehend, die konstruktiv Vorschläge erarbeitet wie es weiter gehen kann und soll!

Die Rechtsform anzupassen, in welcher Form auch immer, ist einfacher wenn sie von den Mitgliedern ausgeht!

Und das die e.V auf Dauer nicht Konkurrenzfähig ist, sollte in Anbetracht der finanziellen Möglichkeiten unserer Konkurrenz um die CL Plätze mittlerweile jedem zumindest langsam dämmern.

Ich kann die Enttäuschung und den Aufschrei verstehen wenn man Tönnies Aussagen wörtlich nimmt, aber bitte denkt noch mal drüber nach und verwechselt ernst nehmen nicht mit wörtlich nehmen! Immerhin wurde die Aussage mit einem „nur ein gedankenspiel“ eingeleitet…

In diesem Sinne, Glückauf!

eakus1904 sagt:

@Ombre04:

Danke für deinen Kommentar. Ggfs. hätte ich noch den ein oder anderen Satz zu der Tönnies-Idee schreiben sollen. Selbstverständlich ist mir klar, dass es „nur ein Gedankenspiel“ sein soll und dass CT damit versucht, eine Diskussion in Gang zu setzen. Aber ich glaube, dass von den Mitgliedern hinter den Kulissen durchaus bereits ernsthaft an Vorschlägen und Möglichkeiten gearbeitet wird, wie man eben den Wettbewerbsnachteil gegenüber einer GmbH oder AG ausgleichen kann. Da braucht es kein populistisches Interview in der Sportbild für.

Und Fakt bleibt für mich weiter: Schalke hat ein Ausgaben-kein Einnahmenproblem.

Aber grundsätzlich fand ich den Ball natürlich schön gespielt,um mal darzustellen, was ein Fan bereits jetzt in den Verein Investiert. Und das ist bereits eine Menge!

[…] von Clemens Tönnies kontert Web04 mit einer ganz und gar nicht hanebüchenen Berechnung des Etats des durchschnittlichen Schalker […]

Carlito sagt:

Schöne Aufstellung und schöner Artikel insgesamt, Henning! Die Summen kommen mir zum Teil sehr bekannt vor. Was da so alles im Laufe eines Jahres zusammen kommt…