26 Feb

Selbst wenn, selbst dann…

Ende Februar. Dicke graue Wolke, prasselregenfieser Wind, der draußen stürmt und in allen Hausfluren pfeift. Trübsalmasken auf den schwarzgelben Gesichtern und zu allem Überfluss auch noch… DERBY!

Allen Schalke-Klischeeliebhabern dürfte jetzt muckelkönigsblauwarm ums Herz werden, oder? Ganz Lüdenscheid „tanzt“ den obligatorischen Abstiegskampf-Blues und leidet, mehr oder minder, stillschweigend vor sich hin.

Mitfühlen? Nö! Obwohl… wir kennen es ja selber. Die schalkelige Achterbahn der Gefühle. Ich fahr‘ seit Kinderzeiten mit und biete selbst nach 04 kopfüber Loopings hintereinander all dem Verdruss die Stirn und leiste munter Widerstand gegen all die Pöbler da draussen. Tatsache.

Denn egal ob zweite Liga, die Meisterschaft für einen Herzstillstandfreudenjubelmoment, den x-ten Trainer aus der Arena jagen, das Regiebuch Schalke mal wieder Spieler für Spieler austauscht oder aber Fanblocks gestürmt werden… wir Schalker pöbeln und maulen nicht nur für unser Leben gern, wir tun es vorzugsweise sogar oftmals auf ganz hohem Niveau. Und das Bitterste daran: genau das wissen wir auch.

Doch damit habe ich bereits vor längerem aufgehört. Ich habe keine Lust mehr. Klar erleichtert eine Prise gepflegtes Motzen so einen Spieltag ungemein und für den Umstand, dass niemand meine Gedanken (die selbst so manchen bis zu 04 Promille gefüllten Schalker-Motzkopp vor Neid und Scham erblassen lassen würde) lesen kann, schicke ich Dankes-Stoßgebete gen Arena-Dach Richtung Oppa… aber mal ehrlich: warum nicht ohne Maulerei?

Ich bin Fan vom geilsten Club der Welt (und ja, bevor ich nicht wiedergeboren bin als Fan eines anderen Vereins, halte ich an dieser Aussage fest) und bin meinen Opa mehr als dankbar dafür. Jeden Spieltag.
Es ist für mich immer noch nicht selbstverständlich, mitten in Buer beim Zahnarzt einen kleinen Jungen im Wartezimmer mit einem Mini-Erwin-Stofftier in der Hand zu sehen, der tapfer (und doch zitternd) mit dem Maskottchen nach Aufruf auf den Zahnarzt-Stuhl steigt. Und überhaupt überall die Vereinsfahnen, Gesänge aus den Kneipen, in den Kleingärten blau-weisse-Bettwäsche im Sommerwind… hey, ich find´s toll!

Zwar lebe ich nicht direkt in Gelsenkirchen, aber was soll´s? Überall, selbst im Urlaub, man findet uns Schalker auf’m kompletten Globus und das bringt einen zum Lächeln, selbst weit entfernt von der Arena.
Selbst wenn man erst von einem Kerl angebaggert wird, der dann erfährt, dass man Schalkerin ist und mit einem Mal erstaunt die Augenbrauen des Herren in die Höhe gehen, er einen Schritt zurück macht, und anscheinend das Interesse an mir gleich Null sinkt…

Selbst wenn ich in Kur fahre und im Vorstellungskreis die Einzige bin, die aus dem „Pott“ kommt, alle erstaunt gucken und enttäuscht meinen, ich würde nicht das „Schalke-Klischee“ erfüllen…
Selbst wenn ich in der Sky-Bar ein CL-Spiel gemeinsam mit Bayern und Dortmundern schaue und ich mit krassem Jubelgeschrei oder mit Trauertränchen zur allgemeinen, öffentlichen Erheiterung beitrage…
Selbst… ach, watt auch immer alles!

SELBST DANN… reichen mir die Gedanken daran, WARUM ich Schalkerin bin und das herrlich ehrliche „GLÜCK AUF“ eines jeden anderen der 1000 Freunde reicht, damit es mir auch in schlechten Schalker Zeiten gut geht. Rückenwind. Garantiert.

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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Koenigsbrombeer sagt:

„Selbst wenn man erst von einem Kerl angebaggert wird, der dann erfährt, dass man Schalkerin ist und mit einem Mal erstaunt die Augenbrauen des Herren in die Höhe gehen, er einen Schritt zurück macht, und anscheinend das Interesse an mir gleich Null sinkt…“

Kenne ich. Aber man denkt das Selbe, ist es ein Schwachgelber. Und hofft man nicht auch immer, irgendwann doch einen Schalkefan zu finden?

© sagt:

Schön.
Aber es heißt doch entweder
„meinem Opa“ oder aber „meinen Oppa“, oder?
Glück auf!

Carlito sagt:

Aber gestern und heute durfte gemoppert werden, oder? ;)

Ansonsten sehr schöner Beitrag! :)