06 Dez

Es ist kompliziert!

Nach jedem Spiel möchte ich schon irgendwie schreiben. Und auch immer wieder zwischendurch. Aber dann bemerke ich, dass es nichts Gutes wäre, was ich schreiben würde. Ich kann im Moment nichts Gutes schreiben. Nicht mal, weil es nichts Gutes gibt. Das ist Quatsch. Nein, eher, weil das verbliebene Gute nicht meins ist. Und weil ich weiss, dass es allein mein Problem ist, habe ich es auch für mich behalten.

Ich kann einfach nichts mit dem Großteil der Spieler anfangen. Kirchhoff, Sam, Choupo-Moting und wie sie alle heissen, diese ganzen Bundesliga-Abgeworbenen; jeden Einzelnen von Ihnen würde ich sicherlich mögen oder wenigstens akzeptieren lernen, wie ich es bisher mit fast ausnahmslos jedem Schalker getan habe, wenn sie auf nahrhaften Boden träfen. Aber dieses Team hat meinen Kredit verloren, seit nun auch noch dieser fremde Trainer an der Linie steht, mit dem ich einfach nichts Gutes verbinden kann. NICHTS!

Dies führt wiederum dazu, dass ich auch mehr und mehr den Respekt vor den Personal-Verantwortlichen verliere, sofern er zuletzt überhaupt noch da war. Und das hat so gar nichts mit sportlichen Ergebnissen zu tun. Meinetwegen könnten wir jedes Wochenende eine ähnliche Klatsche wie gegen Chelsea einstecken, wenn ich nur das Gefühl hätte, dass diese Truppe irgendwie ‚Schalke‘ wäre.

Natürlich bin ich noch dabei. Natürlich fiebere ich. Aber es fehlt irgendetwas ganz Großes. Und auch wenn mein Herz königsblau schlägt; für dieses Team will es das einfach nicht. Und da ich dieses Gefühl zum ersten Mal in meinen doch mittlerweile recht langen Fan-Dasein habe, finde ich es recht beängstigend. Vor allem, weil ich nicht vorstellen kann, dass heute Nachmittag irgendwas passieren könnte, was mir dieses Gefühl wieder bringt. Naja, ausser einem Meyer’schen Hattrick vielleicht.

Ich finde meinen momentanen Beziehungsstatus zum FC Schalke unerträglich. Ich will kein unzufriedener Meckerfan sein. Und ich will vor allem kein Schmoll- und Meckerblogger sein. Niemals. Da lass ich mich lieber als Schönwetterblogger bezeichnen; Ich komme wieder, wenn Schalke mir wieder Spass bereitet. Also hoffentlich bald!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Andrea sagt:

Danke!

SoSindWir sagt:

Unglaublich was du schreibst…

…denn ich fühle exakt genauso.Und es gibt etliche Fans in meinem Umkreis,die die Bindung zum Team verloren haben und regelrecht Panik haben,dass sie diese Bindung zum Verein auch verlieren.

Und es geht hier auch nicht um das sportliche,dafür sind wir einfach schon viel zu lange dabei,es geht hier einzig und allein ums Emotionale.

Schalke IST Emotion,aber grade im Moment,ist es sehr schwer für den Verein und allen voran der Truppe irgendwelche Emotionen aufzubringen.
Ich persönlich halte mich momentan nurnoch für einen Sympatisanten,der traurig ist nix mehr zu fühlen.

Paule sagt:

Es gibt zugegeben einige Dinge, die auch mir Sorgen machen, wie es mit dem eigenen Verein, aber auch mit der Bundesliga und dem Profifussball generell, mittel- und langfristig weitergehen wird. Und ganz klar ist auch bei mir die Fussballromantik gestorben. Es gilt, einiges auszublenden, um Fussballspiele „ertragen“ zu können. Im Weltfußball ist es auch nicht anders. Eine WM vorbehaltlos und euphorisch anzuschauen ist doch geradezu unmöglich, wenn man sein Hirn dabei nicht ausschaltet. Aber das ist doch nicht erst seit gestern im Allgemeinen, bzw seit Kellers Rauswurf im Schalkigen so. Man kann bei personalpolitischen Entscheidungen anderer Meinung sein. Aber dann hättest du seit dem Rauswurf von Jörg Berger kein Spiel mehr besuchen dürfen. Und nach der Entlassung von Mirko Slomka niemals mit dem Gedanken spielen dürfen, überhaupt einen Blog aufzumachen. Ich seh da auf jeden Fall keine nennenswerten Unterschiede. Trainer kommen, Trainer gehen. Manchmal polarisiert eine Entscheidung, manchmal sind sich alle einig. Warum du dich gerade mit Kellers Ablösung so schwer tust, versteh ich ehrlich gesagt nicht.

skAndy sagt:

Aber genau darum geht es, Paule. Es ist eben keine rational getroffene, bewusste Entscheidung. Sondern – in der aktuellen Situation – fehlende Emotionen. Und die kann ich mir ja nicht backen….

Paule sagt:

Fehlende Emotionen, die vielleicht unbewusst gekommen sind, für die Du aber durchaus bewusst Gründe nennen kannst (falscher Trainer, falsche Führung, zusammengekaufte Spieler). Ich denke schon, dass es sich darauf runterbrechen lässt, dass Du die Entlassung Kellers falsch findest. Und da denke ich mir, dass es durchaus bessere Gründe gibt, um mit dem Profifussball zu brechen. Aufzählen brauch ich das hier nicht. Ich weiss genau, dass Du weißt, was ich meine.
Generell gilt für mich (wie bereits erwähnt unerlässlich : HIRN AUS!):
eine an sich gute Mannschaft mit vielen Spielern aus der eigenen Jugend. Den Trainer find ich gut – ist natürlich auch subjektiv. Zu unserer Vereinsführung sag ich nichts.

Vielmehr erwarte ich gar nicht mehr. Und ich glaube auch nicht, dass es überhaupt möglich ist, Profifussball in all seinen Facetten bewusst wahrzunehmen, und gleichzeitig mit purer Leidenschaft dabei zu sein. Das schließt sich gegenseitig aus. Damit muss
man sich arrangieren oder seine Konsequenzen ziehen.
Sollte ich mit meiner Keller-Annahme bei dir falsch liegen, werden andere Gründe für die fehlende Emotion verantwortlich sein. Und ich befürchte dann wird es schwierig, alte Gefühle zu reaktivieren.

derwahrebaresi sagt:

gute besserung und auf baldige genesung, skandy.

ich hoffe du hast die anderen „teamplayer“, z.b. strom, slib, david etc. nicht angesteckt …

woischwat sagt:

Auch wenn ich es schade finde nichts mehr von dir zu lesen: ich kann es verstehen, wenn du hinter einem Text stehen willst und dafür: wow.

Ich wünsche dir, dass das Gefühl wieder zurückkommt

eakus1904 sagt:

Wie gerne würde ich dir vehement widersprechen, sagen, dass es sicher nur eine kurze Phase ist, die Emotionen nur ein wenig abgekühlt sind nach all den sportlichen Hochs und Tiefs der letzten Zeit und dass das sicherlich schnell wieder kommt. Zudem würde ich gerne sagen, dass es mir persönlich anders geht. Das ist in den meisten Situationen auch so. Aber dann erinnere ich mich an dieses Gestümpere gegen Chelsea, wo ich mit tausenden anderen 20 Minuten vor Schluss die Arena verlassen habe. Oder an die blutleeren Auftritte in Lissabon und Freiburg, bei denen ich einfach abgeschaltet habe. Keine Wut,keine Trauer, einfach nur ziemliche Leere. Ist mir-in der Häufigkeit- in den ganzen 25 Jahren Schalke so noch nie passiert.

Die Frage stellt sich natürlich: Woran liegt das? Was hat sich so verändert?

Die Mannschaft? Eigentlich nicht,eher sogar im Gegenteil. Wann standen schon einmal so viele Eigengewächse im Profikader? Hochbezahlte Nieten bzw. überschätze Spieler hatten wir auch schon so häufig, allso alles wie immer.

Trainer? Ich mochte Jens Keller und fand die Entscheidung mal wieder schalketypisch falsch, was den Zeitpunkt der Entlassung betrifft. Auch das Nachtreten in diversen Interviews gefiel mir nicht. Aber auch hier: Alles schon mal dagewesen, das Schalke-Unser hat mit“die schönsten Trainerrausschmisse des FC Schalke 04″ sogar eine ganze Serie daraus gemacht. Gehört also irgendwie zur Tradition des Vereines, so richtig Ruhe herrscht bei uns nie.

Das Umfeld? War auch schon einmal schlimmer. Magath und Viagogo sind Vergangenheit. Ich habe das Gefühl, dass die derzeitigen Verantwortlichen das „miteinander auf Augenhöhe reden“ nun durchaus ernst nehmen, sonst wäre es beispielsweise nicht zu einem Umdenken gekommen, was die zurückgezogenen Anträge bezüglich der Satzungsänderungen betrifft.

Fanszene/Fans? Nein. Im Gegenteil, ich denke, wir können uns glücklich schätzen, keine ähnlich gelagerten Probleme zu haben wie beispielsweise die Fanszenen in Düsseldorf, Aachen, Duisburg oder neuerdings Bochum. Damit will ich nicht sagen, dass bei uns keine „Hogesa“-Volldeppen rumlaufen, sondern dass sie in unserer Fanszene Gott sei Dank einfach nicht das Gehör finden. Es war bei uns schon immer egal, welche Nationalität, welchen Glauben, welche sexuelle Orientierung etc. du hast- Schalke zählt, sonst nix.

Alles keine Gründe für eine derartige Emotionslosigkeit, wie man sie gerade in den letzten Wochen verstärkt vorfindet. Bei vielen, mit denen ich gesprochen habe, stehen beim Stadionbesuch mittlerweile die sozialen Kontakte im Vordergrund. Freunde bzw. Gleichgesinnte treffen, quatschen, lachen, diskutieren usw. Das Spiel wird dann häufig zur Nebensache, obwohl eigentlich alle wegen den 90 Minuten Fußball überhaupt gekommen sind. Grotesk! Und ein Allheilmittel ist nicht in Sicht.

Dennoch denke ich, der Emotionszug ist nicht ganz abgefahren. Evtl. steht er derzeit auf dem Abstellgleis, aber vielleicht sind nur zwei drei Weichen umzustellen, um wieder in die Sour zu kommen. In der Mannschaft steckt jedenfalls viel gutes und auch ein enormes Potential, alle wieder mitzureissen. Dann hast auch du wieder Spaß und lässt uns daran teilhaben, Andy. Ich jedenfalls (und ich weiß:ganz viele andere auch) würde mich freuen, wenn das passiert!

Glückauf!