Licht und Schatten

Freitagabend, 20:30 Uhr. Flutlichtspiel. Fand ich schon immer nett, diese Spiele haben irgendwie einen besonderen Charakter. Bereits zu Parkstadionzeiten waren es tolle Momente. Schon von weitem wiesen einem die imposanten Flutlichtmasten den Weg durch die dunklen, verschlungenen Pfade des Berger Feldes und wenn man endlich drin war und ins hellerleuchtete Rund schauen konnte, wusste man: Hier geht gleich die Post ab. Ging sie auch manchmal. Ab und zu hätte man sich jedoch auch einen Stromausfall gewünscht wie es seinerzeit bei unserem Gastspiel in Bremen passiert ist.

Tja, und am Freitag? War es irgendwas dazwischen. An Vorfreude mangelte es nicht und da der Verein auch gerne mit Lichteffekten spielt, gab es zum wiederholten Male beim Steigerlied eine Gänsehaut-Atmosphäre. Manch einer wird es für künstlich erzeugte Stimmung halten oder als blöde Effekthascherei abkanzeln, aber ich kann mir nicht helfen, auch wenn es Smartphone-, statt Grubenlampen sind: „Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt“, unterstützt von hunderten Lichtern auf den Tribünen-Hühnerfell!

Das Spiel an sich hatte dagegen weniger Leuchtkraft zu bieten. Lediglich Uchida stellte zwischendurch fest, dass kein gemächlicher Laternenumzug, sondern ein Fußballspiel stattfand, bei dem man durchaus auch mal sprinten darf. In der Mitte fackelte Huntelaar nicht lange und sorgte für die Führung, die bis zum Ende Bestand haben sollte. Ein Arbeitssieg, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Überhaupt, es könnte schlimmer sein. Zu Hause sind wir immer noch ungeschlagen, die letzten drei Heimspiele in der Liga wurden sogar alle gewonnen, wenngleich die Gegner nur zwei Mannschaften aus dem Mittelfeld und ein potentieller Abstiegskandidat waren. (Sorry, aber der musste sein!) Siege sind sicherlich derzeit das beste Mittel, den Fans die doch recht defensive Spielweise ein wenig schmackhaft zu machen. Und wenn es am nächsten Samstag auch wieder nur zu einem lichten Moment reicht, der uns drei Punkte beschert, soll mir das auch recht sein.

Definitiv ins Licht stellen darf man aber das Verhalten des Vereines und der Fanszene. Bekanntlich gab es in der Vorwoche unter dem Motto „Hooligans gegen Salafisten“ in Köln den größten Nazi-Aufmarsch der letzten Jahre. Die beschämenden Bilder gingen durch Presse und Internet und sollten daher jedem geläufig sein. Ob dort auch Personen zugegen waren, die am Freitag dann wieder neben uns im Block saßen oder standen, weiß ich nicht. Ich hoffe nein, ich befürchte aber,leider ja.

Umso stolzer bin ich auf meinen Verein, der das Tragen von Hogesa-Kleidung kurzerhand verboten hat. Ein richtiges und wichtiges Zeichen. Von den Fans gab es zudem auf mehreren Spruchbändern klar zu lesen, dass eine derartige Ideologie auf Schalke keinen Platz in der Fanszene hat. Kein Fußball den Faschisten! Die ewig gestrigen, braunen Volldeppen wird man damit zwar nicht erreichen. Aber evtl. denkt ja der ein oder andere Teilnehmer der Demo, der sich noch nicht die Hirnwindungen rausgeprügelt hat, mal darüber nach, vor welch einen Karren er sich da spannen lässt. Eine Solidarität oder Verbrüderung mit Nazis darf es nicht geben, egal zu welchem Thema. Es ist daher wichtig, dass Verein und Fans auch in Zukunft hier weiterhin klare Kante zeigen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, menschenverachtende Ideologien und Rechtsextremismus sind auf Schalke fehl am Platz!

 

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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