Wenn ich ein Knappe wär´

Spieltag. Nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff. In der Kabine gehe ich nochmal in mich. Öffne mein Herz. Atme durch. Spüre die Spannung in der Luft. Rieche das Wage, das Ungewisse, das Abenteuer.

Der Puls steigt. Die Muskeln spannen sich an. Die Nerven werden zu Stahl. Kleine Blitze gepaart mit wohligen Schauern durchfahren meinen Körper von der Zehenspitze bis zu den Haarwurzeln. Ich bin wie elektrisiert, meine Sinne schärfen sich und das Blut rauscht nur so durch meine Adern. Die Fäuste ballen sich, als wolle ich meine Stärke zeigen.

Beim ersten Schritt auf´s Grün prallt alles Äußere an mir ab. Ich ruhe in mir. Nichts kann mich umwerfen, Nichts erschüttern. Ich fühle mich wie ein Teil des Ganzen. Mein Schalke, ich und meine 10 weiteren Knappen hier auf dem Rasen. Ich fühle mich stark.

Beim Anpfiff umspielt ein siegreiches Lächeln meine Lippen. Denn ich bin standhaft. Fühlhöre nun all die Fans, die schwenkenden Fahnen, die Trommeln. Ich nehme alles auf und lasse es zu einem Teil meiner selbst werden. Es ist mein Schild. Mein Schutzschild. Als wäre ich ein heroischer Krieger, der in eine Schlacht zieht, deren Triumph ich mit wuchtigen Ballschüssen auf´s gegnerische Tor feiern möchte.

Dann fühle ich in meinen Armen mein Kopfkissen. Ich halte das Kissen wie das Traum-Schutzschild vor mir. Ich lege das Schutzschild unter meinen Kopf und massiere mir die Schläfen. Mein Traum jagt mir immer noch königlichen Knappenschauer über den Rücken und ich, die eben noch als harter Knappe auf dem grünem Schlachtviereck gekickt habe, werde nun ganz weich. So weich wie das Schutzschildkissen unter meinem Kopf.

Mein Herz wird warm und ich weiss in meinem Traum habe ich soeben die Mauern des normalen Fandaseins durchbrochen.

Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ´ne kleine… Grinsekatze. :-)

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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