22 Jan

Generationen & Traditionen

Winterzeit. Puzzlezeit. Bei mir zuhause jedenfalls. Die Tochter kramt dazu passend die Bügelperlen hervor. Sie möchte ein Schalkeherz zusammensetzen und sortiert die Perlen nach Farben.

Mein Schalkeherz gleicht in den letzten Jahren auch wohl mehr einem Mosaik, als einem Puzzle. Es ist nie komplett, nie vollständig. Ein Puzzle beendet man, in dem man das letzte Teil hinzufügt, sich über das fertige Bild freut (nachdem man das Fluchen, die Schimpftiraden und vielleicht auch die etlichen zwischenzeitlichen Zerstörungsversuche liebevoll beiseite drängt) und es wahlweise klebt, um es dann als eine Art „Schale“ an die Wand zu hängen, oder aber als einen Triumph ähnlich einem „Pokal“ in die Vitrine zu stellen. So kann man es machen. Jedoch nicht mit einem Mosaik. Steinchen für Steinchen setzt es sich zusammen, 1904 Farben und Formen (die man hier und da gewinnt oder nur durch „Zufall“ oder „Glück“ findet) reihen sich aneinander und erscheinen beim ersten betrachten wie das eigene Gemüt – ein großes, buntes Chaos ohne jeglichen Zusammenhang. Es braucht erst einen gewissen Abstand, ein paar Schritte zurück, um das eigentliche Bild zu erkennen, welches einem dann auf einmal ganz plausibel und (im besten aller Fälle) wunderschön erscheint.

Diese „Schritte zurück“ gehe ich jetzt gerade, setze mich ins Kinderzimmer zu meiner Tochter, die blau-weisse Kuscheldecke und Millionen von Kissen neben mir und schreibe. Denke an meine schalkelige Kindheit, in der ich die königsblaue Schönheit nach und nach für mich entdeckte. Diese Schönheit habe ich immer für mich alleine geformt, sie gestaltet, verbal mit ihr um mich geworfen, oftmals begleitet von einem lauten „in your face!“ … oder ich habe sie manchmal aber auch sanft, leise für mich behalten, still genossen.

Es ist schön auf Schalke. Und diesen Glauben lasse ich mir nicht nehmen.

Schalke ist Heimat. Die (Freuden)Tränen meines Opa´s, die ich als Kind nicht richtig verstehen konnte oder wollte. Der Ort, an dem ich mit meinen Freunden zum ersten mal siegessicher angetüdelt war. Ich trank billiges Dosenbier und sang die ganze Nacht schalkige Lieder. Ja, Schalke vernebelte mir manchmal Sinn & Verstand und machte mich damals noch sentimentaler als ich es eh schon war. Aber das war / ist auch gut so:

Denn genau hier wurde der Grundstein gelegt. Ich bekam damals das erste Teil für mein Mosaik. Ich wusste nichts damit anzufangen und legte es wahllos irgendwo beiseite. Genauso tat ich es auch noch Jahre danach, bis ich das „Kunstwerk“ (wie gut, das „Kunst“ doch relativ ist) bemerkte, auf dem sich mein Leben aufbaut und in welchem es sich gleichzeitig widerspiegelt.

Mein Gott… dieser Artikel lässt mich uralt erscheinen, oder? Aber bin trotzdem stolz auf diese Reflektion. Oder zumindest die Fähigkeit dazu.
Denn all diese Erinnerungen romantisieren mein Schalkeherz. Alle Spiele(r), Trainer, Bekanntschaften, Töne, Bilder… formen mein königsblaues Mosaik. Und ein weiteres Mosaiksteinchen ist genau jetzt dieser Augenblick, in dem ich grinsekatzend meine Tochter beobachte, wie sie liebevoll ihr Schalke-Bügelperlen-Herz generationstraditionell zusammensetzt.

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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Oli4 sagt:

Wunderbar, genauso ist es. Wenn ich mir meine Blagen und IHRE Begeisterung für das was in IHRER Welt Schalke ist anschaue, dann ist alles so rein und ehrlich, dann ist Schalke einfach Schalke, dann ist Schalke das was Schalke schon immer für die Menchen hier war, menschlich, verbindend, fröhlich, zusammenführend. So war es bei Oppa, ist es beim Vatta, bei mir, nun bei den Blagen. Dieses Gefühl ersetzt Dir keine Schale der Welt.

Ernst Kuzorra sagt:

+1

(….aber heißt es „um mich geworden“ und ich check’s nicht, oder wollte das d mal ein f werden?)

Libera sagt:

DANKE!

@Kuzorra: Danke für den Hinweis! Geändert.

Carlito sagt:

Kann mich Oli4 nur anschließen!