02 Dez

Vornehmlichkeiten.

Ich habe mir fest vorgenommen einen Artikel ohne die Worte ‚Advent‘, ‚Törchen‘ und ‚Meckern‘ zu schreiben und bin nun schon im ersten Satz gescheitert. Das macht aber nichts. Viel richtig gemacht haben nämlich hingegen die Jungs auf dem Rasen, und vor allem auch der, der sie gut eingestellt auf den Selbigen geschickt hat.

Aber gerade eben das ist es, was ich nicht verstehe. Ich will diesen Mann hochleben lassen. Feuer aus allen Ecken, eine Hiobsbotschaft nach der anderen, aber er steckt nicht zurück. Er schützt seine Mannschaft und arbeitet weiter. Er ist voll dabei, was nicht zuletzt seine Emotionen am Spielfeldrand zeigen. Wie schön es wäre, wenn dieses hausgemachte Zweifeltum bezüglich seines – von vielen sogar gänzlich abgesprochenen – Konzepts endlich oder zumindest vorerst Geschichte wären.

Doch nicht nur Jens Kellers ehrliche Emotionen waren es, die mir neben dem spielerischen Eindruck ein Glänzen in die Augen brachten. Auch die Erleichterung in den Gesichtern der Spieler wollten mir dringend suggerieren, dass es keinesfalls an der Lust am Siegen gefehlt haben kann. Und überhaupt: Die Laufleistung. Die Passwege. Die Abschlüsse. Fantastisch.

Und dann dieses 3:0, in der man das Gefühl hat, dass Jones mal eben all den Gegenwind gesammelt hat und in diesen einen Schuss legt. Welch ein fantastisches Geräusch, als der den Ball an die Torstange drischt.

Wir alle wissen, wie schwer die letzten drei Spiele werden. Und wie unfassbar wichtig jedes einzelne Spiel ist. Der Pokalfight gegen die Mannschaft, die uns vor kurzen noch in einem torreichen Spiel diese wichtigen zwei Punkte gestohlen haben. Das Spiel gegen die Mannschaft, die auf jenem Platz stehen, auf dem man so gerne mindestens hin will. Und das Millionenspiel gegen die vermeintliche Überrauschungsmannschaft aus Basel.

Ich bin Schalker. Ich hoffe immer auf Siege. Aber diesmal wären es nicht einfach nur Spiele um Punkte und Millionen. Sondern eben auch Spiele um eine Zukunft. Spiele, die aus dem Pulverfass Schalke vielleicht wieder eine angenehmere Sitzgelegenheit machen. Die mit dem ein oder anderen Törchen etwas mehr adventliche Harmonie schaffen, als es im letzten Jahr der Fall war.

Mist. Nochmal gescheitert. Aber bitte nicht meckern!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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SLib sagt:

Ich so, in der Bahn, zu einem VfB-Fan: „Na, rechnet ihr euch was aus heute?“ Er so: „A noi, sin hald beide ned recht konschtant, weisch.“ Ich so, ja, da sachse wat. „Und wird bei euch auch so viel gemeckert??“ Und er so: „E noi, nedaso. Bei euch sin hald d’Ärrwadunge viel größer!“
d’Ärr-waddunge. Großartig.

SLib sagt:

Für mich war es ein sauberer und verdienter Heimsieg gegen einen nicht wirklich gut disponierten Gegner, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Begeisternd, ja, weil mal wieder gezeigt wurde, dass wirs können – und auch wollen. Einige wirklich prima aufspielende Jungs habe ich gesehen, einige ziemlich unglücklich daherackernde, einige echt auch grottig. Aber: Da war ein Team – ach ja – das ersehnte!
Fazit für mich: „fantastisch“ fand ich’s nicht. Aber hat ziemlich gut getan. Und man könnte diese Mannschaft für fähig halten, alle drei der von dir, skAndy, genannten Spiele (nebenbei auch noch jene gegen Freiburg und Nürnberg …) zu gewinnen! FALLS sie so wollen und abrufen wie am Samstag …

skAndy sagt:

Ich fand genau das nicht. Also dass das, was zumidenst mir Freude machte, an einem schwachen Gegner lag. Denn so oft gab es Situationen, wo man auch in diesem Spiel eher den Torwart als einen Offensivspieler als Anspielstation gesehen hätte. sO oft gab es Situationen, wo man den entscheidende Fehler in der Abwehr gemacht hätte.

Ich für mich fand es sehr wohl fantastisch. Weil es so viel mehr ist, als ich erwartet hatte. Und ich sehe gar nicht ein, meine Freude mit einer noch höheren Erwartung oder einer Relativierung durch die Bewertung des Gegners vorzunehmen.

Stark gespielt, souverän gewonnen: FAN-TAS-TISCH.

Andrea sagt:

Mein innerer Dialog von vorgestern Abend:
So will ich Euch sehen. Großartig, toll, einfach Klasse.
Und jetzt mal schauen ob SkAndy endlich mal wieder einen ganz ganz poitiven Artikel schreibt.
Danke! :)

SLib sagt:

@Andrea: Ich finde, dass skAndy recht OFT einen ganz ganz positiven Artikel schreibt, aus Leidenschaft und Sachverstand und Blick aufs Ganze und Spezielle, und doch gerade deswegen auch nicht selten Gegenwind erfährt. Oder? ;-)

@skAndy: Glaube gar nicht, dass wir unterschiedliche Spiele gesehen haben. Und natürlich waren die Stuttgarter u.a. deswegen nicht so stark, weil die Schalker sie nicht haben stark sein LASSEN. Und natürlich haben wir hinten gut gestanden (nämlich hoch und im Halboval und halbwegs beweglich und nicht tump als Kettenlinie) und endlich mal wieder ZuNull gespielt. Alles gut, und ich freue mich. Habe aber eben auch diverse Ungeschicke und gar Unzulänglichkeiten gesehen (Namen zu nennen, weigere ich mich heute, kein‘ Bock, mir nachsagen lassen zu müssen, ich würde meckern … gerade das tue ich nämlich nicht!. Aber diese in die Gesamtbetrachtung mit einzubeziehen, schmälert gar nicht meine Freude über den sehr ansehnlichen Sieg und auch nicht meinen Optimismus in Bezug auf den anstehenden Jahresabschluss 2013.

Andrea sagt:

@Slib
ja, aber in letzter Zeit hatte ich das Gefühl, der Blick richtete sich zu oft auf die Nörgler, Meckerer und Pfeifer… Als hätten sie ihm dauerhaft die Laune verhagelt.
Ich schau da gern dran vorbei, sollen die doch mit Ihrer Unzufriedenheit leben, mir verdirbt es den Tag nicht.
Dieser Artikel ist aber wieder so richtig entspannt und spiegelt genau das wieder was ich so empfinde / empfinden möchte.
Es läuft, ich bin stolz auf die Jungs, das Lächeln wenn man an den Samstag denkt, Bewunderung (all das pathetische eben ;) … Macht halt Spaß Schalkette zu sein :)

skAndy sagt:

Ich tu’s: Szalai.

skAndy sagt:

Und als nächstes rufe ich bei Thees Uhlmann an und sag ihm, dass er mal wieder ein richtiges Rockbrett schreiben soll.

SLib sagt:

Ja. Wie’n Stück Holz, der Mann. Aber hab‘ ich gepfiffen? Ham halt grad kein‘ annern. Und reingemacht hätt‘ er wohl auch ganz gern ein‘.

Carlito sagt:

Und ich war nicht dabei. Verdammt! Oder lag es vielleicht gerade daran? Falls ja, dann klappt es heute Abend auch wieder, bin nämlich wieder nicht dabei… :/