21 Nov

Wir bilden dich: Vertragsklauseln.

Ach, was muss man als gemeiner Fan alles über das Vertragswesen der Profifussballer hören. Überall Klauseln, Klauseln, Klauseln. Während es früher allerhand Klauseln gab, die einem Spieler möglichst lange seinen Arbeitsplatz sicherten oder ihm zumindest einen weiteren Schritt Richtung finanzieller Sicherheit nach dem Karriereende verhalfen, nämlich zum Beispiel automatische Vertragsverlängerungen oder Prämienzahlungen nach einer bestimmten Zahl von Einsätzen oder ähnliches, geht es heute eher darum, dem Spieler alle Freiheiten auf dem ‚Arbeitsmarkt‘ zu gewähren.

Und da ist der 5 Jahresvertrag mit dem jungen Supertalent mal schnell nur noch das ausgesprochene Vertrauen eines Sportvorstandes in einen Trainer wer, wenn erst darin steht, dass der Spieler umgerechnet für ’ne Mark Fünfzig nach Madrid, Mailand, Manchester oder München wechseln darf, wenn die denn anklopfen. Dass kann weder das Interesse des Vereins, noch das Interesse der Fußballfans sein. Und da das Web 0.4 sich als Vertreter vorwiegend Letzterer sieht, präsentieren wir euch heute einige Vertragsklauseln, die auf Schalke dringend Einzug erhalten sollten.

1) Die Identifikationsklausel

Der Spieler hat den Club, die Stadt und die Region zu lieben. Er hat eine Wohnung in Gelsenkirchen oder einer Nachbarstadt zu beziehen. Sprich: Oberkassel ist tabu. In Interviews sollte er stets betonen, wie wohl er sich hier fühlt. Besonders bindende Aktionen, wie das tätowieren von Vereinswappen oder beispielsweise Fördertürmen an werbewirksamen Stellen wird mit Prämien belohnt.

2) Die Support-Klausel

Diese Klausel sollte bei keinem Spieler fehlen. Sie verpflichtet den Akteur nicht nur dazu, sämtliches Schalker Liedgut auswendig zu können, sondern auch dazu, seine Mitspieler vom Nordkurvernbalkon aus zu supporten, falls er aus irgendeinem Grund nicht im Kader stehen sollte. Ferner kann der Spieler – zum Beispiel als Strafmaßnahme nach Niederlagen – zum gesanglichen Support der Knappenschmiede abgestellt werden.

3) Die Social Network-Klausel

Der Spieler verpflichtet sich neben dem Posten der üblichen Spielanreisebilder und den Entschuldigungen nach Spielen dazu, alle erheblichen Details seines Privatlebens, wie zum Beispiel Informationen zu seinen Beziehungskisten, Fotos von Restaurantmahlzeiten und reichlich Urlaubsbilder in die Streams der Follower und Fans zu spülen. Hierbei ist darauf zu achten, dass möglichst kein Fitzel Privatsphäre mehr gewahrt wird. Außerdem sollte der Spieler darauf achten, jedem noch so widerwärtigen Troll mit Respekt zu begegnen und die Fragen seiner Anhängerschaft geduldig zu beantworten. Ein Agenturverbot versteht sich von selbst.

4) Die Demutsklausel

Dem Spieler sollte in jedem Moment bewußt sein, dass er nur da steht, wo er steht, weil die Fans da stehen, wo sie stehen. Sollten diese mal ihren Unmut über den zweiten Fehlpass der Saison in Pfiffen ausdrücken, so ist der Spieler angehalten, sich nach dem Spiel auf allen Kanälen förmlichst zu entschuldigen. Der Fan hat immer recht. Sollte dem Spieler das Gepfeife nicht in den Kram passen, hat er jederzeit die Möglichkeit, sich durch Maßnahmen wie beispielsweise Namensänderung, Eingriffe in der plastischen Chirurgie, durch Kosmetik den eigenen Teint etwas aufhellen, die Beine kürzer sägen lassen oder schlicht Einbürgerung beim Publikum etwas beliebter zu machen, so dass auch noch ein dritter Fehlpass geduldet wird.

5) Die Ehrlichkeits-Klausel

Der Spieler verpflichtet sich, stets die Wahrheit zu sagen. Sollte er aus irgendwelchen Gründen mal nicht die Wahrheit sagen können oder wollen, führen aufgesetzte Tränen unweigerlich zu einer Erhöhung der Vertragsstrafe.

6) Die „Einmal Schalker immer Schalker“-Klausel

Dass ein Spieler mal den Verein wechselt bleibt nicht aus. Und hier entscheidet, wie in der letzten Klausel angesprochen, nicht ausschließlich das Wie, sondern auch das Wo, Wann und Warum. Der Wechsel zu direkten, ernstzunehmenden Konkurrenten ist tabu, ausserdem, ganz egal wo die Reise hingeht, sollte man tunlichst bis zu seinem Karriereende – und möglichst darüber hinaus – betonen, dass man im Herzen immer noch Schalker ist und auch ewig bleibt. Auch sollte der Spieler direkt wieder bereit stehen, wenn der FC Schalke 04 die Dienste des Akteurs benötigt. Ich weiß, was ihr denkt: Das ist doch selbstverständlich. Aber ein vertragliches Festschreiben hat noch niemandem geschadet.

Nichts für ungut, Hotte. Kannst mich ja mal in dein Büro einladen. Auf ’ne Marlboro, die ich nicht rauche. Ich bringe dir auch einen Schal mit.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Andrea Hüttermann sagt:

was hast du denn geraucht?

skAndy sagt:

Ich rauche ständig. Nichts.

Andrea Hüttermann sagt:

ach das

Carlito sagt:

Vielleicht solltest Du mal was rauchen! ;)

papa04 sagt:

7) Die Huldigungsklausel

Desweiteren ist jeder Spieler, auch über seine aktive Zeit hinaus, dazu verpflichtet, jeden Blogeintrag des wunderbaren WEB 0.4 zu huldigen und lobzupreisen. Dadurch wird Klausel 1) verstärkt.

Die Teilnahme am Tippspiel ist aufgrund der Gefahr durch Manipulation untersagt!

SLib sagt:

8) Die Fischer-Klausel

Im Falle eines Torschusses oder Torschussversuchs ist im Sinne einer effektiven Torschusserfolgsquote der Rücklagen- oder alternativ Seit-Fall anzuwenden. Im Falle eines Rückziehers vor dieser Klausel ist dieser als Fallrückzieher zu bezeichnen.