28 Aug

Ich fühl mich Schalke

Winterpause. Zum Saisonstart zwei Wochen Urlaubspause. Zum Urlaubsende ein unerwarteter, kurzfristiger Serverwechsel. Aus Blogger-Sicht kein idealer Saisonstart. Mein Team zieht mit. Durchwursten in der ersten Pokalrunde, ein gerade-noch-unentschieden zu Hause gegen den Augenhöhenangstgegner HSV und ein deftiger Unterleibsfaustschlag in Wolfsburg.

Während alles um mich rum anfängt zu fleischen und den Teufel in irgendwelchen Mannschaftsteilen oder Spielern zu suchen, versuche ich mir das natürlich in gewohnter Manier irgendwie schön zu reden. Die vielen Verletzungen, die neuen, jungen Spieler und die gestandenen Spieler, die sich in ihre neue Rolle finden müssen. Und während die ersten Stimmen laut werden, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielen würde und selbst ‚Hans Sarpei‘ mit kryptischen Wünschen seinen Teil zu dieser Vermutung beiträgt oder die Spekulationen bei dem ein oder anderen sogar in Gang bringt, glaube ich noch ganz romantisch an den Willen im Profi-Fussballer, der sich sicher nie und nimmer zu diesem Zeitpunkt die Chance auf einen guten Stand in der Tabelle für einen Putsch aufgeben würde. Schon gar nicht die Chance, in der Königsklasse aufzutreten.

Aber gerade mit dieser hatten die Spieler große Probleme. Gut, es ging gegen einen Gegner, auf den man sich nicht sehr lang vorbereiten konnte. Gegen einen Trainer, der Schalkes Probleme bestens kennt. Und vor allem musste man beide Partien reichlich ersatzgeschwächt angehen. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir in die Champions League einziehen, und bin nun um so froher, das dies trotz aller Widrigkeiten und ganz akut auch Platzverweisen noch geklappt hat.

Auch der Zusammenhalt in der Schalker Familie, nicht nur nach dem mutmaßlichen Terroranschlag der Polizei NRW auf die Nordkurve, gefällt mir gerade sehr. Und der Support vor, bei aber vor allem NACH den Niederlagen in Wolfsburg und Hannover war einfach unfassbar und unnachahmlich. Da fühl‘ ich mich einfach Schalke!!

Natürlich muss man sich die Situation – vor allem sportlich – nun nicht schöner reden als sie ist, aber man kann auch getrost unterlassen, eine Krise zu sehen oder gar herbeizureden. Ja, es wird verdammt schwer, gegen Leverkusen zu Punkten und allein diese Formulierung ist ja rein vom Papier her ein Hohn, denn wir sollten doch der glasklare Favorit sein. Weil wir eben Schalke sind. Doch bei allem Respekt sollten wir keine Angst haben müssen und den Ball flach halten. Alle.

Denn wo immer ich in der jüngeren Schalker Geschichte hin schaue: Schnellschüsse haben sich selten bezahlt gemacht. Und es gibt jenseits von Euphorie und Aktionismus wunderschöne Zustände. Schalke sollte einer davon sein.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Melodie1904 sagt:

Das Spiel hat mir nicht gefallen-das Ergebnis aber sehr.

Ich hatte den Eindruck, dass Jules Rückenproblem ernst ist.
Benni und Fuchs fallen aus wg Sperre, J.Matip scheint auch nicht wirklich fit zu sein. Der Hunter verletzt, der Scholloy auch -wer spielt denn eigentlich Samstag?

Marcel sagt:

hoffen wa mal, dass die finnische rakete zündet am samstag :)

bea04 sagt:

Okay, da ist gestern Abend das geschehen, womit auch ich nicht so wirklich gerechnet habe: die (sorry) Trümmertruppe hat den Einzug in die CL-Gruppenphase geschafft und damit das ein oder andere Milliönchen für unseren geliebten Verein klar gemacht. Eigentlich ein Grund zur Freude, aber von jeglicher Euphorie bin ich himmelweit entfernt.

Warum? Weil ich immer noch nicht sehe, dass der erwartete Ruck durch die Mannschaft geht, weil ich die Spielweise gestern censored fand, weil mich die Spielweise erschüttert, weil mich die Personalplanung (ich nenns mal) verwundert, weil ich heute früh dann lesen muss „Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit“ – hm…also Zuversicht sieht anders aus. Aber wie immer gilt: ich lass mich überraschen, bins nicht anders gewohnt. Warum? Weil ich Schalker bin. Ohne wenn und aber.

hellwach sagt:

Sei mir nicht böse, aber es geht im Moment nicht um Punkte und/oder Ergebnisse. Es geht um die Art und Weise, wie sich die Mannschaft und die sportliche Leitung auf dem Platz und vor den Mikrofonen präsentieren.

Und das ist erbärmlich.

Natürlich haben alle meine Nachbarn gestern gehört, dass Schalke gewonnen hat. Beim Tor zum 3-2 glich meine Freude einem Urschrei. Das macht allerdings die 90 Minuten und 5 Spiele davor nicht besser und nährt kaum Hoffnung auf baldige Besserung.

Andrea sagt:

Alte Regel: Nach jedem Tief kommt ein Hoch. Immer und unausweichlich. Fragt sich bloß wann. Ich glaube an die Hochs.

Gibts eigtl Neuigkeiten wegen des vermeintlichen Terroranschlags?

toms3n sagt:

Das mit dem „es wird schon wieder“ hat sich Köln bestimmt auch mal gedacht..
Für ein Hoch muss was passieren und das ist bestimmt nicht ein Krümpelsieg gegen einen mittelmäßigen Gegner. Das wird den Blauen garantiert nicht plötzlich eine Idee von einem Spielsystem einhauchen.
Es würde auch nicht mein Selbstbewußtsein stärken, wenn ich wüßte, dass ich nur weiter bin, weil die Griechen 2 fast 100%ige haben einfach liegen lassen.
Kurzfristig war der Sieg wichtig -> 20 Mios, langfristig war er mMn schlecht, da sich spielerisch nichts ändern kann, da Keller/Held weiter das Sagen haben werden.

[…] fordert, das Champions-League-Geld als Ablöse für Keller und Jones zu nutzen, skAndy (Web04) will sich hingegen keine Krise einreden lassen. Der kicker fasst alle bisher qualifizierten […]

Michael sagt:

Fürs Protokoll: Meine Sicht auf die jeweilige Entstehung der Tore

Der lange Ball auf Uchida, der das 0:1 eingeleitet hat, kam von Jones nach dem Motto: Rein da vorne, und der liebe Gott wird schon helfen. Uchida hat’s dann gerissen, weil er den vogelwilden Ball so hervorragend antizipiert hat.

Der Ball auf Draxler, der das 2:3 eingeleitet hat, war deutlich überlegter und kam von Matip nach dem Motto: Schnell spielen und Draxler steil schicken. Der Rest ist Geschichte.

Und der hochgelobte 40-Meter-Pass genau durch die winzige Gasse zwischen den Abwehrspielern zum 1:2 war nur deswegen so genial, weil Szalai in Abseitsstellung ihn zum Glück nicht angenommen und Draxler ihn dann einmal quer über den ganzen Platz erlaufen hat!

Also: Zweimal Draxler, einmal Uchida (und ein Bienchen für Matip), wenn Ihr mich fragt. Wie gesagt, nur für’s Protokoll…