Ihm wäre sicherlich ein guter Titel eingefallen.

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Ich liege im Bett und blogge. Umständlich. Mit dem Smartphone. Post-Umzugs-DSL-Losigkeit verbietet mir das veröffentlichen am Rechner. So tippe Ich Buchstabe für Buchstabe auf dem Touchdisplay.

Aber da ist so viel in mir, was Befreiung sucht. Es sollte ein wunderbarer Tag sein. Der langersehnte erste Stadionbesuch meiner großen Tochter (10). Es gäbe so viel lustiges zu erzählen, schließlich fing der aufregende Spaß schon vor dem Kleiderschrank an. Viel Lachen, viele Fragen und pure Vorfreude. Bis, ja bis…

Die Nachricht vom Tod des Bloggerkollegen Matthias traf alle überraschend. Und die meisten hart. Ich möchte nicht eine Sekunde in der Haut seiner Engsten stecken. Rasch verbreitete sie sich über die Kanäle, die er so gut zu Nutzen wusste.

Bämm. Vor den Kopf. Und das, obwohl Ich nicht mal behaupten will, dass uns eine Freundschaft oder so Verband. Wir pflegten ein gemeinsames Hobby, er weitaus länger als Ich. Erst Wegbereiter, dann irgendwie Wegbegleiter. Als ich das Bloggen anfing, fand Ich die Fülle seines Blogs beeindruckend. Gelesen hatte Ich ihn bis dato nie. Matthias sah in meiner Vorstellung übrigens aus wie Bordon, wohl weil sein Foto den Blog schmückte. Ich muss lachen, wenn Ich heute daran denke.

Zum ersten Mal gesehen habe Ich ihn aber erst weitaus später. In Berlin, beim Pokalfinale. Das grösstenteils von ihm auf die Füsse gestellte Twitterprojekt FinaleS04 brachte uns dort zusammen. Später traf Ich ihn noch einige Male bei Twittertreffen oder Spielen. Insbesondere wenn er zu CL-Heimspielen ohne seinen Fanclub mit dem Zug angereist ist, erkundigte er sich nach einer Gelegenheit, ein Bierchen zusammen zu nehmen. Das ein oder andere Mal klappte dies. Sonst begnügte man sich mit der 140 Zeichen langen Twitter-DM.

Ich schätzte Matthias, er war klug und – was dieses Hobby Bloggen betrifft – äusserst erfahren. Was nicht heisst, dass Ich ihn nicht auch oft genug als Besserwisser fast schon verflucht hätte. Verflucht vor allem deshalb, weil er meistens auch noch Recht hatte.

Wir waren keine Freunde, aber Wir haben uns – die Gegenseitigkeit mag eine Fehleinschätzung sein, das nehme Ich heute einfach mal in Kauf, ER wird auch das besser wissen – geschätzt. Wir haben uns weitestgehend gelesen und das ein oder andere Mal gegenseitig inspiriert.

Matthias war für viele der beste Schalkeblogger, für manche einer, der nicht auf den Punkt kommen wollte. Die Länge seiner Texte waren manchmal unfassbar und seine Kommentare in anderen Blogs übertrafen nicht selten die Länge des eigentlichen Artikels. Vor allem aber war er der Innovativste.

Ob Fußballdeppen, Bullshitbingo, Bundesligarasen, Analogbloggen und vieles, vieles mehr. Seine Ideen haben mich oft tief beeindruckt, ja, manchmal hat mich nur die gute Tugend vor Neid bewahrt.

Herrje Ich verlaufe mich. Schließlich wollte Ich keinen Nachruf schreiben, sondern – egozentrisch wie eh und je – von dem Blitzschlag erzählen, der mich ereilte, als Ich erfuhr, dass Matthias plötzlich nicht mehr da ist.

Mein Kopf ist für sowas nicht gemacht. Einordnung nicht Möglich. Die wirrsten Gedanken schossen mir durch den Kopf, als Ich es erfuhr. Aber auch sehr rationale…

Was hatte er? Woran ist er gestorben? Wann? Wie? Oh Gott? Der Bene hat gerade einen seiner besten Freunde verloren und Wir haben nichtsahnend ein lustiges Gedicht gedroppt. Moment. Matthias hat diese Gedichte geliebt. Hat er zumindest mal gesagt. Wieso also nicht? Wieo um alles in der Welt denke Ich Jetzt über Gedichte nach? Herrje, seine Frau. Die beiden waren so … Apropos meine tochter. wir gehen auf schalke und ich starre seit einer halben stunde fassungslos aufs handy. wegschalten. aber wie? für freunde & familie bleibt die welt gerade stehen, da kann Ich doch nicht… allerdings, bei 60.000 menschen ist es immer für irgendwen… es ist ja nicht irgendwer…

Die steigende Irrationalität meiner Gedanken Lies mich – in dieser Moment in der Bahn sitzend – mein Handy wegpacken und meine Tochter ganz fest in den Arm nehmen. Ich sprach sogarmit ihr darüber. Und tatsächlich blendete Ich für den Rest des Nachmittags weitestgehend aus, auch wenn es natürlich das ein oder andere Mal Gesprächsthema wurde. Nicht zuletzt meiner Tochter zuliebe.

Jetzt liege Ich hier, und denke wieder. Gedanken die mindestens genauso unsortiert, unstrukturiert und unvollständig sind, wie dieser „Artikel“. Gedanken über Matthias, sein Schicksal den Tod und das Leben im Allgemeinen.

Es bleiben nur die all zu Floskelhaften Worte, von Anteilnahme und Beileid, die aber leider meist niemandem helfen ausser einem selbst, auch wenn sie noch so aufrichtig und schön ausgesprochen werden.

Ich will Kraft verschenken. Und Kraftausdrücke benutzen.

Danke für dieses viele Teilen, Matthias. Danke für diese beispiellose Hingabe für dieses Hobby und deine Leser.

Ich hoffe du hast einen Fensterplatz und schreibst alles auf, was du siehst. Ich lese es dann später…


Basti

Ungefähr dasselbe ging mir auch durch den Kopf. Ich wollte auch etwas schreiben, finde aber keine Worte. Mir hilft da nur mich hinter schlechten Witzen und Alkohol zu verstecken.
Ich habe immer Angst zu egoistisch zu klingen obwohl das warscheinlich Blödsinn ist. Jeder darf auf seine Weise trauern. Unterm Strich gehört der Tod zum Leben dazu. Auch wenn er leider oft zu früh kommt. Dann macht man sich wieder Gedanken ob man sein Leben auch zu schätzen weiss. Mein Kommentar hat gerade wenig Sinn, keine Message, bin dazu nicht in der Lage. Ich hoffe deine kleine hatte einen schönen ersten Stadionbesuch!
Bis die Tage!

skandy

Mein letzter Kontakt zu Matthias war eine Spitze Bemerkung meinerseits bezüglich meiner Genervtheit gegenüber der von ihm an den Tag gelegten Correctness. Nichtigkeiten. Schöne Scheiße.

Das ist alles zum Heulen.

Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber das oben und hier in den Kommentaren geschriebene trifft auch meine Gefühlslage ziemlich gut.

Johannes

So quält man sich, und ist doch nur sprachlos vor Entsetzen. Ratlos. Ich spreche natürlich nur für mich. Zurückgeworfen auf ganz elementare Gefühle und Gedanken. Sich der eigenen Liebsten besinnen. Auf das eigene Leben besinnen. Und sich das immer wieder klarmachen, wie wertvoll dieses Leben ist.

Und den Angehörigen von Matthias in der Weide alle nötige Kraft wünschen, diese furchtbare Zeit durchzustehen.

Glück auf

Danke Andreas, dein emotionaler Text hat mir gerade sehr geholfen. Vielleicht komme ich jetzt sogar durch den Abend, ohne mich zu besaufen.

bvbRotti

Fassungslosigkeit…

[…] in Frieden, Matthias. Die Nachrufe von skAndy (Web0.4) und Trainer Baade sollen stellvertretend für die vielen Kondolenzbekundungen in der Netzwelt […]

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