08 Jan

Keine Lieder über Liebe

Ich schrieb an dieser Stelle schon einmal über Liebe. Und ich will es wieder tun. Weil ich gerade nicht liebe. Also „meinen Verein“ liebe ich nicht. Sonst gerne und viel. Ich sehe eure schockierten Gesichter. „Wie kann er nur“. Gerade die fleißigste Kommentatorin 2012 – stets von inniger Liebe für Ihren Verein sprechend (Und das nehme ich ihr auch ab!) – wird über einen solchen Satz nicht erfreut sein. Zumindest glaube ich das. Und mit ihr viele andere.

Liebe muss nicht. Liebe will.  So sagt es meine große Liebe. Und sie hat recht. Liebe darf natürlich streiten. Liebe darf wütend sein. Laut. Aber Liebe wird sich versöhnen. Denn Liebe hinterfragt auch sich selbst. Liebe pocht nicht auf eigene Empfindungen. Liebe zeigt Verständnis und sucht Kompromisse. Liebe fordert keine Gegenliebe ein. Fast im Gegenteil: Liebe versucht, Gegenliebe zu schaffen. Wenn mir mein Gegenüber nicht mehr gefällt, und ich ihn anders haben will, dann ist es keine Liebe mehr. Auch wenn ich ihn noch so geliebt habe, so wie er/sie/es früher einmal war.

Liebe ist nicht planbar. Deswegen ist Liebe auch nie ewig. Aber echt kann Liebe sein. Da haben unsere Nachbarn einen gar nicht so unklugen Claim gewählt. Und Liebe kann oder sollte bedingungslos sein. Gerade wenn es zum Beispiel um die eigenen Kinder geht. Und diese müssen wir oft sogar verändern und erziehen. Ich weigere mich aber zu glauben, dass mir oder jemand anderem meiner 999 Freunde dieser Erziehungsauftrag im Fall Schalke zukommt.

Ich – als Fan – habe die Wahl: Ich kann geduldig sein. Ich kann gut zureden. Ich kann hoffen, dass es wieder Liebe wird. Ich kann trotz der fehlenden Liebe Treue und Freundschaft zeigen und von Bildern und Erinnerungen leben. Oder ich könnte – wie oben schon angedeutet – einfach weiter lieben. Akzeptieren, wie der/die/das geworden ist, was ich geliebt habe. Den Weg mitgehen. Meine Sichtweise ändern. Ja. Das könnte ich. Dazu wäre ich bereit. Wenn ich das Gefühl hätte, dass mein Gegenüber mich auch noch lieben will/kann.

Ein anderer Ansatz, den andere vielleicht haben werden, ist, sich selbst als Schalke zu sehen. Und sich selbst zu feiern und zu lieben. Diesen Ansatz verstehe ich, befinde ihn sogar für gut, kann ihn aber nicht teilen. Denn viele dieser Leute in diesem Wir will ich gerade gar nicht feiern. Und lieben. Und mich selbst und meine Freunde muss ich nicht über Schalke definieren.

Treue, Freundschaft, Leidenschaft. Für Schalke. Vielleicht sogar ewig. Und die Liebe kommt hoffentlich zurück.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Dave04 sagt:

Ich finde ja eh, dass „Liebe“ nicht unbedingt das beste Wort dafür ist. Bedeutet einfach jedem etwas anderes, ist nicht richtig definierbar, und jeder fühlt sich direkt auf die Füße getreten.

skAndy sagt:

Was Liebe für dich bedeutet weiß ich wohl, mein Freund. Aber das kann man mit so einem Verein wirklich schlecht umsetzen.

skAndy sagt:

Außerdem ca. 95 Jahre zu alt für dich!

bea04 sagt:

ein schlauer Mannn (ist das jetzt was Außergewöhnliches?^^) hat mal gesagt:

Eine Liebe, die endet, ist nie eine wahre Liebe gewesen. Punkt.

Das war meine spontane Idee beim ersten Lesen, bevor ich dann doch nachdenklicher wurde. Muss das grad nochmal wirken lassen und parallel dazu überlegen, wen du da im ersten Absatz ansprichst.

Komm also später wieder zurück. Hierher und zu dem Artikel.

skAndy sagt:

Ob Behauptungen aufstellen, deren Wirkungsumfang den Zeitraum des eigenen bisherigen und wahrscheinlichst sogar gänzlichen Daseins überschreiten, klug ist oder gar macht, halte ich für äußerst fragwürdig.

Was den ersten Absatz angeht – warte ich schau mal in die Statistik… Huch! Sag ich nicht.

bea04 sagt:

Wenn ich das Gefühl hätte, dass mein Gegenüber mich auch noch lieben will/kann.

Meinst du das so, wie es da steht, oder meinst du „Dazu wäre ich bereit. Solange ich das Gefühl habe, dass mein Gegenüber mich auch noch lieben will/kann.“ ??? Da ist ein Riesenunterschied und mir ist grad nicht kar, ob du dir dessen bewusst warst…

Ansonsten ist Schalke für mich/ uns ja nicht nur Liebe, sondern auch Religion und da zwängt sich der Gedanke an das Gleichnis vom verlorenen Schaf auf:

„Wenn ein Hirte hundert Schafe hat und eins geht verloren, was wird er tun? Lässt er nicht 99 in der Wüste zurück um das verlorene Schaf so lange zu suchen, bis er es gefunden hat?
Dann wird er es glücklich auf seinen Schultern tragen und seinen Freunden und Nachbarn zu rufen: ‚Kommt her, freut euch mit mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden!‘

Momentan scheints mir mehr so zu sein, dass der Hirte das eine Schaf Schaf sein lässt und lieber die 99 anderen melkt und schert und aus dem Erlös für Milch und Wolle ein neues Ersatzschaf kauft. Egal, ob dieses dann zur Herde passt oder nicht. Wenn immer mehr der einstmals treuen Schafe verlorengehen, müssen die verbleibenden halt mehr Milch und Wolle produzieren, um die Neuanschaffungen zu finanzieren.

Und wenn dann letzten Endes an der kunterbunt zusammengewürfelten Herde nix mehr stimmt, lässt der Hirte sie zurück und sucht sich irgendwo eine neue. Dass ein solcher Hirte seiner Herde nicht würdig ist, brauche ich hier nicht zu erwähnen.

Wer Schalke nicht liebt, muss Schalke verlassen…ist das allgemeingültig??? Määäh ;)

skAndy sagt:

Ich habe im Moment nicht das Gefühl, dass ich als Fan vom Verein geliebt werde, oder er das auch nur ansatzweise in Erwägung zieht. Darum gings. Habe ich das jetzt richtig oder falsch formuliert?

Gut. Gehe ich halt zur Westfalia 04. Määäh!

meinzu sagt:

Kann einseitige Liebe, wahre, lange, echte Liebe sein?

Ich fühle mich da eher z.Zt. wie ein Schaf, allerdings nicht nachdem gesucht wird.

bea04 sagt:

@ Andy

wenns so ist, dann richtig. Aber warum sollen wir Schafe gehen, wenn der Hirte unserer nicht würdig ist?

@ meinzu

eben drum.

Basti sagt:

Hattet ihr denn schon mal das Gefühl geliebt zu werden? Wenn ja: Was hat sich geändert? Und wer ist der jetzt der böse Schäfer? Gibts jetzt wieder Buhmänner?
Weil, und da kann ich nur für mich sprechen, ich liebe meinen Klub unabhängig von handelnden Personen. Das wäre auch schwierig. Alles zu temporär. Ich liebe meinen Klub aus unterschiedlichen Gründen. Aber diese Liebe kann ich nicht wie die Liebe beschreiben die ich für meine Frau, meine Familie etc empfinde.

skAndy sagt:

Basti, natürlich ist diese Liebe nicht vergleichbar. Aber sie ist so etwas im Kleinen und spielt nach den gleichen Regeln. Meines Erachtens. Ich hatte mal das Gefühl, dass der Verein besser um die Qualitäten seiner Fans wusste, ja!

bvbRotti sagt:

Wow, erst einmal setzen lassen, um dann festzustellen, dass dies hier „ganz großes Kino“ ist – EHRLICH!

Ich empfinde ebenso wie ‚Basti‘.
Allerdings kann ich alle anderen auch nachvollziehen, denn der Unterschied wird z.B. MIR beim Geschriebenen und den sich anschließenden Gedanken einmal mehr bewusst.
Hier geht es m.E. um Nuancen zwischen Hingabe/Treue/womöglich Liebe und der MENSCHLICHEN LIEBE.
Ich denke, diese marginalen Unterschiede in der Definition gibt es schon und wer noch an die menschliche Liebe glaubt bzw. sich immer wieder darauf einläßt (zu glauben), wird auch diese Nuancen leben…

@Bea:
Hi! ;)
Ich denke, der Vergleich mit den Schafen hinkt ein wenig, nämlich dort, wo du dich fragst, ob der Schäfer das EINE Schaf holen geht oder eben nicht.
Und ich denke, da sind wir dann bei der menschlichen Liebe. DAFÜR würde ICH es machen.

Wenn aber die 99 anderen Schafe untergehen, nur weil du als „Hero“ bzgl. des einen Schafes dastehst, wirst du kurz gefeiert, dann gefeuert.
Das „unter dem Strich“ muss auch irgendwie stimmen – bei Treue/Hingabe usw.!
Du gehst beim verlorenen Schaf eine „verlustige“ Rechnung in der GESAMTSICHT ein – nicht für DICH, nein! Denn DEINE (positive) Rechnung wird alles andere überstrahlen und dir wird es möglicherweise mehr als OK erscheinen, diesen schwierigen Schritt gegangen zu sein!

Aber im Fußball sehe ich es anders.
Hier müssen ganze Herden(! mehrere) unter einen Hut gebracht und be-/gehütet werden … und da bleibt schon mal etwas auf der Strecke.
Hingabe/Treue/den Verein leben und irgendwie lieben – alles OK.

Aber LIEBE (in der umfänglichen Bedeutung) ist dann für mich doch etwas anderes…

Dir ein gutes und gesundes neues Jahr, Liebes. ;)

@meinzu:
Nein, kann es nicht.
Wie sie gelebt wird, ist den zweien, dreien, vieren … der Herde *räusper* überlassen.
Aber einseitig geht nicht. Die Folgen wären, möglicherweise, auf beiden Seiten „rote Bereiche“ und die sind destruktiv. Irgendwie muss die Balkenwaage ein Gleichgewicht zeigen…

P.S.:
Das Wort „Rechnung“ bitte nicht als DAS Furztrockene sehen, was es eigentlich ist – eher als Gegenüberstellung.

Edith:
Jo, Andy, das hat sich dann wohl etwas überschnitten!

bea04 sagt:

@ bvbRotti

irgendwas hast du an meiner Darstellung falsch verstanden. Um das eine Schaf zu holen, muss ich die anderen 99 nicht dem Untergang überlassen, denn das eine ist nicht nur eins, sondern zugleich das erste von Vielen. Wenn den Hirten das eine nicht kümmert, wird er beim 2., 5., 10…. genauso denken…bis er dann eines Tages merkt, dass ihm nach und nach die gesamte Herde abhanden gekommen ist. DARUM gings.

Und darum, dass ich GEWISS NICHT dein „Liebes“ bin.

bvbRotti sagt:

OK!

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Hans sagt:

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domain sagt:

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