Lieber Huub

„Wir wollten mit ihm mehr Ruhe haben im Stadion. Das ist uns leider nicht gelungen, denn nun sind die Pfiffe gegen die Mannschaft gekommen. Ich betone, dass es nur ein kleiner Teil der Fans ist. Ich hoffe, dass das deutlich war“Huub Stevens zum Torwartwechsel nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Lieber Herr Stevens, (oder, wie es sich im Profifußball ja eingebürgert hat:) Hallo Huub,

ich möchte dir die Worte nicht im Mund umdrehen. Wenn ich aber diesen Satz richtig deute, besagt er, dass es am Samstag im Stadion nicht ruhiger zuging, als zuvor. Weiterhin heißt das, dass auch vorher nur ein kleiner Teil (ich hoffe, das war deutlich) unseren Torwart ausgepfiffen hat und dass dir dies bewusst war. Als nächstes, oder allem voran, fußt du aber die Entscheidung des Torwartwechsels auf diesen kleinen Teil der Fans.

Lieber Huub, entschuldige, aber das ist ein einziger Offenbarungseid.

Als Fan des FC Schalke 04 und seiner Mannschaft verlasse ich mich darauf, dass das Personal gut ausgebildet ist und professionell arbeitet. Ich möchte, dass Entscheidungen nach sportlichen und wirtschaftlichen Interessen, und nach bestem Wissen und Gewissen getroffen werden. Ich möchte nicht, dass der Hobbykicker aus Block 45 Einfluss auf diese Entscheidungen hat.

Weil ich nicht möchte, dass die Leute entscheiden können, die Farfán nach einem halben Jahr – zusammen mit Engelaar – gerne  in der Wüste gesehen hätten. Weil ich nicht will, dass die etwas zu sagen haben, die den „behinderten“ Matip gerne für 200.000 Euro an einen Zweitligisten verkauft hätten. Weil ich nicht will, dass in jedem Spiel Pukki in der Startelf steht, weil er schöne Haare hat und eine Kultfigur ist. Und weil ich froh bin, dass Papa – jüngste Fehler und Millionen hin oder her – nicht in Russland sondern für meinen Verein kickt.

Lieber Huub, immer wieder betonst du, dass du eine andere Berufsauffassung in den letzten Jahren deiner Karriere angestrebt und wohl auch gewonnen hast: Ich bin ein großer Fan von dir und habe das Vertrauen, dass die nötige Ernsthaftigkeit eine solche Position in einem solchen Verein zu bekleiden noch da ist. Ich bin der letzte, der sich beklagt, wenn du dich vor dass Team stellst und dich in der Öffentlichkeit bissiger als ein scheues Frettchen gibst. Aber bitte tue mir einen Gefallen und lass den großen Teil der Fans – nämlich die, die hinter Team und Trainerstab stehen – nicht im Stich.

Immer wieder gibt es Störfeuer von außen, die besagen, dass es zwischen Dir und dem Team und/oder zwischen Dir und der Vereinsführung nicht mehr stimmt. Ich weiß nicht, was daran ist, und ich kann mir so unglaublich schlecht vorstellen, dass plötzlich alles schlecht sein soll, wofür du am Anfang deiner zweiten Amtszeit so gelobt wurdest. Du nähmst alle mit, hieß es, von der Diva bis zum Busfahrer. Jetzt will es gerne heißen, dass jeder deine Ecken zu spüren bekommt.

Nochmal „Lieber Huub“. Ich vertraue darauf, dass du satt genug bist, um deine eigenen Interessen  hinter denen des Vereins zu stellen, gleichwohl kann ich mir vorstellen, dass du, nach allem was du privat erlebt hast, eine andere Sicht auf das Leben, die Arbeit und sogar den Fußball hast. Trotzdem glaube ich daran, dass du weißt, wann du den Verein nicht mehr weiterbringen kannst und deine Konsequenzen daraus ziehst, auch wenn ich den Eindruck habe, dass du das im Moment sehr wohl noch tust.

Ich hoffe, dass der Eingangssatz oben nichts weiter war, als eine unglückliche Formulierung.

Solltest du dich im Winter, im kommenden Sommer oder irgendwann dazwischen gezwungen sehen zu gehen, – ob aus eigener Entscheidung oder nicht – wünsche ich mir, dass kein Schalker – die kleine oben angesprochene Gruppe mal ausgenommen – vergisst, was wir dir zu verdanken haben. Und der Rest soll dich bitte weder jetzt noch irgendwann interessieren oder gar beeinflussen.

Egal was passiert: Stay Huub!

Dein Streikbrecher skAndy


Schön geschrieben. Ich habe Stevens‘ Worte allerdings etwas anders interpretiert. Vielleicht wollte er den Torwartwechsel einfach nur unabhängig von Unnerstalls Leistungen begründen und ihm somit schützen. Hätte Stevens gesagt „Unnerstall hat nicht gespielt, weil ich nicht mehr von ihm überzeugt war“ wäre es -- inklusive aller sich daraus ergebenden medialen Nachfragen -- für den Langen ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Was mir viel mehr gegen den Strich geht ist, wie schnell das Un-Wort der „kleinen Gruppe“ (hier in der Abwandlung: „kleiner Teil“) wieder in den Sprachschatz der Schalker Offiziellen diffundiert ist. Und was mir ebenfalls gegen den Strich geht ist, dass die besten Fans der Welt nun schon im zweiten Heimspiel hintereinander etwas machen, was sie nachträglich in einer ellenlangen Stellungnahme begründen müssen.

stollengewitter

Sehr schön Herr Streikbrecher, Worte die ich nicht finde-die mir aber aus der Seele sprechen.

Ja und ja. Und außerdem auch sehr unglücklich Hildebrand gegenüber, für den diese Aussage „eigentlich will ich lieber Unnerstall spielen lassen, aber ..“ bedeutet.

Sehr unglücklich, alles.

Übrigens finde ich prima, dass Du (Andy) so angenehm inkosequent bist und trotz gegenteiliger Ankündigung weiter Deine Meinung kund tust :)

eakus1904

Wahre Worte! Ich fand die Aussage gelinde gesagt ebenfalls mehr als unglücklich, vor allem,weil es die Pfeiffe(n)r in ihrem tun noch bestärken wird. Daher tat es doppelt gut,diesen Text zu lesen!

Ich hab dieses Zitat eigentlich auch so verstanden, dass er nur nicht offen sagen wollen: „Der Lars hat halt scheiße gehalten“. War trotzdem unglücklich, keine Frage.

Detlef

Wo kann ich unterschreiben? Ich tue es.

Hinzufügen möchte ich nur folgendes. Ich habe Huub für sturer bzw. weniger anfällig für Pfeiferei von der Tribüne gehalten.

[…] lässt Punkte gegen Gladbach und sichert sich erst in der Schlussphase überhaupt den einen. Web0.4 schreibt einen Brief an den Trainer der Knappen. Lieber Huub, immer wieder betonst du, dass du eine […]

Kat04

Schön das du dich nicht daran gehalten hast schon in winterpause zu gehen! Denn keiner kann das was wir denken so ausdrücken wie du….ich bin ehrlich zu sein vom stuhl gefallen als ich gehört hab das lars nicht spielt und als die begründung kam war ich gelinde gesagt fassungslos! Ich hatte nicht mal ansatzweise damit gerechnet das dem“druck“ der leute nachgegeben wird. allerdings kann und will ich nicht glauben das huub das allein ausklabüsert hat auch wenn das die entscheidung nicht im geringsten verständlicher macht!

Wen meinte Huub eigentlich mit dem „kleinen Teil“ der Fans? Als ich die PK gesehen habe, dachte ich, es ginge um die Ultras/Nordkurve, die den Support verweigert haben (dann wär es ja auch gar nicht so ein kleiner Teil). So wie Du es hier zitierst, liest es sich eher so, als ginge es um die, die bei der Auswechslung von Holtby und Huntelaar gepfiffen haben.

Denn keiner kann das was wir denken so ausdrücken wie du

Wenn ich weiter solche Sachen höre, habe ich den Blogging-Endgegner aber bald geschafft und spiel was anderes ;) Danke. An Alle.

@malte Ich habe nie die Ultras im Fokus der Aussage gesehen. Es ging immer um Nicht gegebene Ruhe, womit die NK ja kaum gemeint gewesen sein kann ;)

tomba

ich glaube auch nicht dass sich ein „gestandener trainer“ wie huub in sein business reinreden lässt. ich denke die gesamte torwartgeschichte ist nun sehr unglücklich gelaufeen: er hat sportlich reagiert -- nachvollziehbar, es aber nicht geschafft den schmalen grat zwischen „dem langen medial in die fresse hauen“ und „den fans recht geben“ zu meistern. mein gott, passiert, is doof aber is nunmal so. ich denke dass hinter den kulissen das ganze bedeutend sachlicher geregelt wurde und unnerstall von seiner degradierung bereits bescheid wusste und ihm diese auch verständlich erklärt wurde. ich kann mir einfach nicht vorstellen dass huub einen spieler derart medial ans messer leifert ohne ihm vorher zu erklären was sache ist.
wenn alle sich jetzt etws beruhigen und mal locker durch die hose atmen können wir uns wieder auf das wesentliche konzentrieren. und das heisst: FC GELSENKIRCHEN-SCHALKE 04 e.V.

Ich wäre dafür das der Herr Stevens am Saisonende seine Koffer packt.
Meiner Meinung nach kann er der Elf nichts mehr beibringen.
Und eins noch zum Abschluß,
ich habe mir oft meine Stimmbänder beim Anfeuern der Mannschaft heiser gebrüllt auch da wo sie schlecht gespielt haben.
Da muß es auch mal erlaubt sein zu Pfeiffen nicht gegen ein Einzelnen sondern die Mannschaft wenn sie absoluten Müll spielen.
Glück Auf.

derwahrebaresi

wäre es — für den Langen ein Schlag ins Gesicht gewesen.

egal wie die „begründung“ lautet, es war/ist ein schlag ins gesicht.

Solltest Du ihm mal schicken den Brief. Ernsthaft!

EuroFighter

@Carlito: +1

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