14 Nov

Atsuto Uchida! Schön, dass du hier bist!

Zugegeben: Als die Verpflichtung Atsuto Uchidas bekannt gegeben wurde, war meine erste Reaktion darauf zweigeteilt. Zum einen freute es mich – als jemand, der selber 4 Jahre im Land der aufgehenden Sonne verbracht hat – einen Spieler aus meiner alten Wahlheimat Japan in der Schalker Familie begrüßen zu dürfen. Andererseits war ich mir auch im Unklaren, ob der schmächtige, kleine Fußball-Popstar Uchida sich in die, damals noch mehr als im Moment, körperbetont-malochende Viererkette der Königsblauen integrieren lassen würde – zumal er auch den Weggang eines an guten Tagen grandiosen Rafinha wettzumachen hatte.

Jetzt, gut 2 Jahre später, bin ich mehr als erfreut, Atsuto Uchida in unseren Reihen zu wissen. Nicht nur hat er sich nach einem schweren ersten Jahr immer besser auf das schnelle und, gerade im Vergleich zur japanischen J-League, physisch anspruchsvolle Spiel in der Bundesliga eingestellt, auch scheint er im Kreis der Mannschaft, trotz verständlicher Sprachschwierigkeiten,  sehr gut aufgenommen und integriert zu sein. Darüber hinaus ist Uchida einer, der keinen Ball verloren gibt und, zusammen mit Jefferson Farfan, wie ein Besessener die rechte Außenbahn hoch und runter rennt. Eine Arbeitsethik, die ich dem Jungen – vielleicht wegen seines Boygroup-Images in Japan – so nicht zugetraut hätte.

Klar klappt auch bei Atsuto Uchida noch längst nicht alles. Seine Flanken könnten präziser kommen und auch Torgefahr strahlte der in der Shizuoka-Präfektur geborene Rechtsverteidiger bis zum vorletzten Wochenende (Erstes Bundesligator gegen Hoffenheim) noch nicht wirklich aus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn Potential zur Steigerung ist bei seinem Talent noch immer reichlich vorhanden. Ich bin mir sicher, dass Uchida in 1, 2 Jahren eine noch festere Größe in der Schalker Hintermannschaft sein wird. Publikumsliebling ist er ja jetzt schon.

Was mir bei  den meisten „Uschi“-Interviews hierzulande bis jetzt nicht gefiel, ist der immer wieder auftretende „Lost in Translation“-Aspekt. Viele seiner sehr lustigen japanischen Antworten wurden äußerst… nennen wir es: „germanisch-praktikabel“ ins Deutsche übersetzt und konnten so weder den Humor noch die Lockerheit Uchidas transportieren. Dass dieser aber mehr zu sagen hat, als „wir haben hinten gut gestanden, da muss ich der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen“, konnte man gerade wieder in einem Interview mit dem japanischen Kicker-Äquivalent „Soccer King“ lesen. Ich habe mir erlaubt, einige Fragen daraus zu übersetzen. Ihr klärt dann, ob das rechtlich OK ist, ja? Danke!

PS: Die kursiven Anmerkungen in den Klammern sind von mir.

 

Q: Gibt es etwas, was du jeden Tag auf jeden Fall machst?

A: In der letzter Zeit wäre das, auf dem Sofa einzuschlafen.

Q: Hast du ein persönliches Hobby, dem du momentan besonders gerne nachgehst?

A: Ja, ich bringe meinen Mannschaftskameraden Japanisch bei (lacht).

Q: Gibt es ein Gericht, das du besonders gut kochen kannst?

A: Pasta. Zumindest kann ich die Nudeln kochen! Aber mein nächstes Ziel ist es, die Soße, die ich bis jetzt immer noch zubereitet bekomme, auch selber kochen zu können, so, dass ich das Ganze auch wirklich „Pasta“ nennen kann (lacht).

Q: Wo würdest du im Moment am liebsten hingehen?

A: Nirgendwo.

Q: Wenn du eine Zeitmaschine hättest, würdest du in die Vergangenheit reisen, oder in die Zukunft?

A: In die Zukunft, und zwar in die Zeit, in der ich selber Opa bin. Da würde ich mein Ich treffen, das nicht mehr arbeitet und Enkel hat. Ich will sehen, was aus mir geworden ist, wen ich geheiratet habe und wie unsere Kinder sind. So in der Art von: „Waaas, die habe ich geheiratet?“ (lacht).

Q: Welchen Rat würdest du deinem Ich aus der Vergangenheit geben, bevor es zu Schalke ging?

A: „Das Training von Magath ist hart, Alter, aber gib nicht auf!“. Naja, dank Magath habe ich jetzt vor nichts mehr Angst…

Q: Was ist dein Lieblings-Manga?

A: Slam Dunk!

Q: Und dein Lieblings-Film?

A: „Laputa, das Schloss im Himmel“ (Ein Anime von Studio Ghibli, die auch Prinzessin Mononoke und viele andere Welthits produziert haben). Ich weiß noch genau, wie ich den als Grundschüler gesehen habe.

Q: Gibt es irgendeine Angewohnheit, die du nicht ablegen kannst, obwohl du davon weißt?

A: Ich kann Leuten nicht gut in die Augen gucken, das ist mir zu peinlich.

Q: Was würdest du dein Ich aus der Zukunft fragen?

A: „Wie viel Geld ist noch übrig?“

Q: Welche Personen hatten den größten Einfluss auf dich?

A: Mitsuo Ogasawara (Nationalspieler, der lange bei den Kashima Antlers war) und Daiki Iwamasa (ebenfalls Kashima Antlers und japanischer Nationalspieler).

Q: Wenn du einmal zaubern könntest, was würdest du tun?

A: Verdammt, da fällt mir grad nur Geld ein (gequältes Lachen). Wenn ich zaubern könnte, würde ich ein Genie werden. Dinge erledigen können, ohne mir Mühe geben zu müssen.

Q: Was würdest du als deinen Schatz bezeichnen.

A: Hier antworte ich mal ganz cool: Meine Freunde.

Q: Was war der größte Kulturschock in Deutschland?

A: Auf jeden Fall, dass hier alle so laut sprechen! Und, dass alle immer eine so starke Meinung haben: „Jaa, jaaa, jaaaa“ (lacht).

Q: Japanische Frauen oder deutsche Frauen, welche haben den größeren Reiz auf dich?

A: Absolut Japanerinnen. 100 zu 0. (Sorry, deutsche Fan-Girls, haha!)

Q: Verraten sie uns ein persönliches Geheimnis!

A: Der Typ Frau, auf den ich stehe, wandelt sich ständig. Im Moment ist es Namie Amuro (J-Pop-Star, geboren 1977), vorher war es Karina (Schauspielerin, geboren 1984), noch davor Nao Matsushita (Sängerin und Schauspielerin, 1985). Aber das ändert sich wirklich ständig!

Q: Was wäre aus dir geworden, wenn du kein Fußballer geworden wärest?

A: Früher habe ich darauf immer mit „Lehrer“ geantwortet, aber heute ist es ein bisschen anders: „Cooler NEET“ (Steht auf Englisch für „Not in Education, Employment or Training“, eine Art Arbeitsloser ohne Perspektiven also)! Ich will einfach nicht arbeiten müssen (lacht). Aber ohne, dass ich etwas mache, kommt trotzdem Geld rein. Das wäre mein Ideal (lacht)!

(Das Interview führte Yusuke Asano)

 

David

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Modebeauftragter a.D.
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skAndy sagt:

Sehr, sehr geil! Danke!

Johannes sagt:

Sein erstes Liga-Tor hat er gegen Hoppenheim geschossen, nicht gegen WOB.

Egal, vielen Dank für die Übersetzungsarbeit!

Herr Wieland sagt:

Das .. (笑) .. heißt also (lacht)!?
Ich hätte nicht gedacht, dass dieses (lacht) hinter Interview-Antworten international ist. Ich las schon Interviews, in denen es hinter 5 Antworten in Folge stand. Ich dachte nur bei uns wird sowas gebraucht …

Sehr sympathisch jedenfalls, der Herr Uchida. Und bislang ist er in dieser Saison auch wirklich gut, finde ich. Vor einem Jahr war das noch anders, da war er noch nicht auf dem Level. Trotz Benni Höwedes wünsche ich ihn mir grade zurück.

„Wie viel Geld ist noch übrig?“
Grandios, hab laut gelacht :D

Detlef sagt:

Stark. Danke.

Ich mag den Atsuto. Also seinen Spielstil. Und das schon lange.
Wenn er noch flanken könnte, wäre er noch wertvoller als er sowieso schon ist.

David04 sagt:

Johannes: Ach ja, das war gegen Hoppenheim! Hätte ich mal recherchiert und mich nicht auf mein Gedächnis verlassen. Hatte nur „Plastikverein“ im Hinterkopf. ;)

Torsten: Ja, das ist das Schriftzeichen für „Lachen“, benutzen die genau so wie wir. Wenn nicht sogar häufiger…

Eichenfels sagt:

@ Detlef: Ich finde schon das er Flanken kann, er hat da nur nicht ganz so ein starkes Auge für für wie Fuchsl und Jeff. Deswegen fällt das wahrscheinlich nicht so auf.

Ich hab mich auch so derbe gefreut als der gegen die Babbelelf getroffen hat. Perfekt wäre es gewesen wenn wir dadurch noch gewonnen hätten, aber ich wartete schon lange darauf das der Junge endlich sein Tor macht. Vielleicht macht unser Ninjarechtsverteidiger jetzt bald noch mehr Dampf und ein paar Törchen. Ich würde mich riesig für die U(s)chi freuen

Vielen Dank für die Übersetzungsarbeit! Habe sehr gelacht.

Uchida ist momentan sehr stark hat jedoch Höwedes als Problempartner. Der dreht momentan richtig auf. Möchte mich nicht entscheiden.

mei sagt:

Slam Dunk !!!

David04 sagt:

Höwedes sehe ich (und er sich selbst wohl auch) eher in der IV, sollte also keine Probleme geben, wenn alle fit sind.

Wenn alle fit sind wird es wahrscheinlich das größte Problem. Papa, Joel und Benni würden wahrscheinlich alle am liebsten als IV spielen. Einer muss also nach rechts und da steht schon Uschi.

David04 sagt:

Das ist gut, dann müssen sich wenigstens alle anstrengen!

Matthias sagt:

Ist „Soccer King“ tatsächlich das japanische Äquivalent unseres „kicker“? (kuckt fragend) Einige Fragen lesen sich eher wie aus „Bravo Sport“. (grinst) Könnte es sein, dass die Japaner den Fußball generell ein wenig mehr aus der Entertainment-Sicht betrachten? (nickt um Zustimmung buhlend) Ist keine Wertung, fiel mir gerade nur so auf. (öffnet die Hände in beschwichtigender Weise)

Danke für die Übersetzung. Hat Spaß gemacht (hebt Daumen nach oben). Das kannst/sollst/musst du unbedingt wiederholen. (nickt heftig)

werna sagt:

Super, danke!
„Naja, dank Magath habe ich jetzt vor nichts mehr Angst“
LOL!

SLib sagt:

Interessant, dass Uchida sich am liebsten nicht anstrengen möchte, das aber geradezu vorbildlich tut!
Netter Kerl auf jeden Fall, ich mochte ihn auch schon vorher. Prima, wie – vielen Unken zum Trotz – inzwischen die Zusammenarbeit speziell mit Farfán klappt. Und er sich immer öfter wie eine Art Mücke mit Ball, meist an der Grundlinie, in den gegnerischen Strafraum mogelt. Super.
Dass die Hälfte seiner oben übersetzten Antworten ums Geld kreisen, finde ich doof, nicht lustig. Macht aber nix.
David! Super Beitrag!

David04 sagt:

@Matthias Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht (nervöses Grinsen)! Aber ich wollte halt irgendwas schreiben (schwitz!) und da fiel mir nichts Passenderes ein *duckundweg* (^_^)v

Nee, im Ernst: Fußball in Japan kannst du nicht mit dem in EUropa vergleichen, vor allem im Fernsehen nicht. Da geht es immer eher um Starspieler als um Vereine oder so. Umso besser die aussehen, umso mehr wird berichtet. Ein Pinola oder Gekas hätte da keine Chance, auch nicht, wenn er die Saison seines Lebens spielen würde!