Joel Hong AKA Stanley Buddha – Königsblau

Seit bald 20 Jahren rezensiere ich Musik. Von der schimmligen Proberaum-Grindcore-Band aus Schwäbisch-Gmünd für noch schimmligere Punk-Fanzines mit 20er Auflage bis hin zu millionenschweren Pop-Größen im Radio bei 1LIVE. Ein Hiphop-Album ist bis heute nicht dabei gewesen. Dabei mag ich Hiphop eigentlich. Zumindest manchen.

Als ich mit 16, 17 knietief in der Hardcore-Szene steckte, neben alten Bands wie 7 SECONDS und MINOR THREAT die neue Generation von New-School-Bands wie CHOKEHOLD und UNBROKEN für mich entdeckte, war die Explosion von deutschem Rap, der bis heute höchst erfolgreich die Charts bevölkert, noch nicht mal als Nebelstreif am Horizont zu entdecken. Trotzdem schafften es vereinzelte Bands wie die ABSOLUTEN BEGINNER und ADVANCED CHEMISTRY bis zu uns in die Punkrock-Jugendzentren. Wahrscheinlich wegen deren antifaschistischen Lyrics, mit denen wir als HC-Kids uns ebenso identifizierten. Außerdem gab es ANARCHIST ACADEMY, die waren sogar 100%-Antifa, aber leider konnten die nicht rappen.

Musikalisch gefielen mir die damaligen amerikanischen Hiphop-Acts wie PARIS und HOUSE OF PAIN eh immer ein Stückchen besser. Auch britische MCs wie BLADE mochte ich sehr. Trotzdem hatte ich nie das Vergnügen, oder besser gesagt: die Herausforderung, eines ihrer Alben besprechen zu dürfen.

Joel Hong AKA Stanley Buddha - Königsblau

Sprung ins Jahr 2012: Joel Hong veröffentlicht „Königsblau“. Ein deutsches Hiphop-Album. Und zwar eines, das sich inhaltlich zu 1904% mit dem FC Schalke 04 und seinem legendären Mythos beschäftigt. Schon lange vorher hatten es Joels Songs via Youtube und dem langen Arm des Quatschers in diverse Schalker Anlagen und Ohren geschafft. So auch in meine. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal mein Lieblingslied auf „Königsblau“ gehört habe: „Kopfkino“, featuring Dirk Große Schlarmann, in dem Joel den fiktiven Spielverlauf eines Schalker Saisonfinals gegen den FC Bayern besingt. Ich hatte Gänsehaut. Aber so richtig. Als das Spiel am Ende des Songs aus ist und Schalke endlich die gottverdammte Meisterschale in den Himmel strecken kann, war ich emotional mitgerissen. Ich höre „Kopfkino“ seitdem immer wieder, wenn ich den großen Traum noch einmal träumen möchte. So was mit einem einzigen Song zu erreichen, kann man wohl nur als große Kunst bezeichnen. Oder großes „Kopfkino“.

Auf „Königsblau“ sind insgesamt 12 weitere Songs enthalten, die auf Titel wie „Mein Schalke“, „Scheiß drauf, wir hatten Raúl“ und „Mythos“ hören, letzteres mit eindrucksvollem Sample straight aus der Schalker Nordkurve. Dabei deckt Joel so ziemlich jedes Schalker Thema der Vergangenheit („Jetzt isser weg“, über einen gewissen Torwartangestellten des FC Bayern München), Gegenwart („Königsblau“) und Zukunft („Diesmal nicht“) ab. Was mir dabei, neben der wirklich guten, rauen Stimme und den mitreißenden Flows, am besten gefällt, sind vor allem die Samples: „Königsblau“ ist – gerade im Vergleich zu anderen deutschen Rap-Alben der neueren Geschichte – verdammt melodisch. Bei alten Poppunkern wie mir rennt man mit so was natürlich offene Türen ein.

Unterm Strich ist Joel Hong mit „Königsblau“ ein Album gelungen, das seinen Weg in die Annalen der Schalker Fan-Musik finden wird. Meines Wissens hat so etwas, zumindest auf diesem Niveau, kein anderer Verein. Wir haben die Lokalmatadore, die Knappen – und jetzt auch Joel Hong. Nur der S04, Digga!

David

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Modebeauftragter a.D.
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