Gewürzgurkenpenis

Es gibt Abende, die braucht man nicht. Ob aus fußballerischer oder privater Sicht. Gestern gehört zur Hälfte zu diesen Abenden. Zur anderen aber auch nicht. Ganz seltsam, das Ganze.

Es hatte eigentlich alles so gut angefangen. Am Wochenende Bremen mit 5-0 weggehauen – auch wenn ich während des Spiels mit einem Videodreh meiner Band Lyon Estates beschäftigt war und immer nur zwischen den Szenen von Push-Benachrichtungen informiert wurde, die ich sicherheitshalber ab einem gewissen Spielstand von dem Handy eines weiteren Bandmitglieds überprüfen ließ – Spieler wie Raúl, Huntelaar und auch Pukki in Topform, dazu der Fakt, dass uns der Pokal sowieso zu liegen scheint – alles war für ein tolles Fußballfest angerichtet.

Maxi und ich legten im Stereo Wonderland auf und entschlossen uns, das Spiel vorher auf der Leinwand zu zeigen. So weit, so gut. Das erste Problem kam dann allerdings in Form eines extremen Wackelkontakts hinten am Beamer, der dazu führte, dass Martin – seines Zeichens Besitzer des Stereo Wonderland – 90 Minuten lang auf einem Stuhl stehend das Kabel festhalten musste. Dass das Bild trotzdem teilweise minutenlang weg war, machte es nicht unbedingt einfacher, Fußballatmosphäre aufkommen zu lassen. Naja, wenigstens musste ich so von einer starken ersten Hälfte der Gladbacher nicht ganz so viel mitbekommen.

Selbst nach dem Rückstand war ich zur Halbzeit – eigentlich vollkommen entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten – noch guter Hoffnung, dass das Spiel noch gedreht werden könne. Ich erinnerte mich an Auswärtssiege wie in Mainz, wo wir sogar 0-2 zurücklagen, aber grandios ins Spiel zurück kamen. Außerdem machte die Mannschaft in den letzten Wochen einen gefestigteren Eindruck als noch zu Beginn der Saison.

Dann kam der Platzverweis gegen den Hunter. Lächerlich, so der Tenor im Stereo Wonderland, und dass, obwohl ich der einzige Schalker vor Ort war. „Der hat doch noch gar nicht gelb, du Idiot!“, war mein erster Gedanke. Dann, ob ich vielleicht etwas übersehen hatte. Eine Tätlichkeit? Oder hatte der Hunter in der ersten Halbzeit, als mal wieder das Bild weg war, doch schon gelb bekommen? Nope. Es war die Eitelkeit eines Schiedsrichters, dessen Penis die Länge einer in der Wüstensonne vor sich hin darbenden Gewürzgurke haben dürfte. Jeder Mensch mit ein Bisschen mehr Selbstvertrauen lässt Fünfe gerade sein, gibt Huntelaar gelb und warnt ihn, ab jetzt besser ruhig zu sein. Dann spielen wir die zweite Hälfte zu elft und alles ist möglich. Für Paragraphenreiter und Wichtigtuer wie Wolfgang Stark ein Ding der Unmöglichkeit.

So war das Spiel eigentlich schon gelaufen, bevor es auch nur halb vorbei war. Dass es trotzdem nochmal spannend wurde, war vor allem einer nie aufgebenden Schalker Mannschaft geschuldet, die kämpfte, rannte und tat, was sie mit ihren personell limitierten Kräften tun konnte. Über einen gewissen Zeitraum sah es sogar so aus, als könnte man sich vielleicht sogar zu zehnt in ein Unentschieden und damit ins Elfmeterschießen retten. Was für eine Pokalstory das gewesen wäre. Leider hatte neben Schiri Stark auch Unnerstall einen komplett gebrauchten Tag erwischt und ermöglichte so dem eitlen Pfau Reus die Entscheidung.

Als dann auch noch de Camargo Jermaine Jones provozierte und dessen Kopf mit dem Arm in seine Richtung zog, Wolfang Stark auch auf dieses plumpe Täuschungsmanöver hereinfiel und Jones so vom Platz schickte, kam ich mir endgültig verarscht vor. Klar waren die Gladbacher vor allem in der ersten Hälfte die bessere Mannschaft gewesen, aber so darf sich ein Erstliga-Schiedsrichter einfach nicht verhalten. Lächerlich, wirklich.

Und wenn ich dann lese, wie die Reviersport auf Facebook eine Umfrage (!) startet, wie lang Jones denn nachträglich für ein „absichtliches“ Einsteigen gegen Reus in der ersten Halbzeit gesperrt werden soll, geht mir echt die Hutschnur. Von fucking de Camargo redet keiner? Hauptsache es werden wieder alle Klischees eines Bad Boy Jones bedient. Manchmal schäme ich wirklich, mit solchen Leuten in der selben journalistischen Zunft zu arbeiten.

Der gestrige Abend erfuhr dank netter DJ-Kollegen wie Maxi trotzdem einen versöhnlichen Ausgang. Wir spielten die ersten 2 Stunden ausschließlich Punk und Hardcore, später dann Pop und am Ende nur noch HipHop. Immer wieder lustig zu sehen, wie Indie-Kids versuchen den Swag aufzudrehen. Mein Schalke-Schal hing den ganzen Abend stolz hinter dem DJ-Pult, auch wenn anwesende Lüdenscheider der Bedienung sogar Geld boten, diesen herunterzunehmen. Konnten sie vergessen. Und spätestens als der ganze Laden zu „Kill All The White Men“ von NOFX tanzte und sang, war dann doch irgendwie alles gut und ich konnte in einen tiefen, traumlosen, alkoholgetränkten Schlaf fallen, aus dem ich erst zur Rückrunde wieder erwachen sollte.

David

David

Modebeauftragter a.D.
David

Letzte Artikel von David (Alle anzeigen)