10 Dez

Derbysieg!

Es gibt Spiele, die sind wichtiger als andere. Es gibt die sogenannten 6-Punkte-Spiele gegen Tabellennachbarn im Meisterschafts- oder Abstiegskampf, es gibt die Abende in der Champions League gegen Manschaften wie Inter Mailand oder Manchester United… aber kein Sieg fühlt sich so schön an, wie der im Derby gegen den ewigen Rivalen.

Gerade nach der Niederlage im kleinen Derby gegen die Borussia aus Lüdenscheid-Nord fieberte ganz Gelsenkirchen dem Spiel gegen den großen Rivalen aus dem Nordosten der Republik entgegen. Bereits Wochen vorher wurde am Schalker Markt über kein anderes Thema mehr geredet. Würde es die junge Schalker Mannschaft nach einer Saison ohne echtes Derby schaffen, mit der Drucksituation umzugehen und ein positives Resultat in Berlin zu erzielen?

Die Feindschaft der beiden Fangruppen ist seit jeher legendär. Wer erinnert sich nicht an die wochenlang ausschweifenden Feiern nach dem Abstieg der Hertha? An die Riesen-Choreo („Hey, was geht ab? Die Hertha steigt endlich ab“) in der Nordkurve? Und an die brutalen Ausschreitungen nach dem DFB-Pokal-Finale im Mai, als sich Hertha-Fans mit den Duisburgern verbündeten und den ganzen Tag über immer wieder Jagd auf friedlich feiernde Schalker machten?

Man erinnere sich: Schon als Huub Stevens damals, nach seinem Engagement auf Schalke, seinen neuen Vertrag in Berlin bekannt gab, war der Aufschrei bis in die entlegensten Winkel der Welt zu hören gewesen: „Ausgerechnet Hertha!?“, hieß es aus hunderttausenden Schalker Kehlen, die von Stevens Wechsel zum großen Rivalen an der Spree in tiefster Seele getroffen waren. Bei der damaligen Pressekonferenz waren Medienvertreter aus 241 Ländern anwesend. Ein Zeichen dafür, dass dieses Derby weit über die Landesgrenzen hinaus für seine Brisanz berühmt und berüchtigt ist. So gab auch Manuel Neuer jüngst zu Protokoll, dass er zwar zu den Bayern, allerdings „niemals nach Berlin“ gewechselt wäre.

Als dann auch noch Levan Kobiashvili – der am Freitag das ganze Spiel über mit Hasstiraden aus dem Schalker Fanblock bedacht wurde – nach 6,5 Jahren auf Schalke seinen Wechsel in die Hauptstadt bekannt gab, wurde aus der sportlichen Rivalität offener Hass. Blau und Weiß? Es konnte nur einen geben! Der Showdown im Olympia-Stadion. Huntelaar gegen Lasogga. Jones gegen Niemayer. Höwedes gegen Hubnik. Kampf und Emotion pur.

Wie durch ein Wunder beendeten beide Mannschaften – deren tiefe Feindschaft man auf dem Platz förmlich mit Händen greifen konnte – das Spiel mit je 11 Mann. Die deeskaliernde Taktik von Schiedsrichter Günter Perl aus Pullach kann an dieser Stelle gar nicht oft genug lobgepriesen werden. Durch ein massives Polizeiaufgebot wurde außerdem verhindert, dass wütende Berliner Fans – vom provozierenden Torjubel des Schalker Urgesteins und Siegtorschützen Teemu Pukki aufgestachelt – den Platz stürmten und das Spiel so zum totalen Eklat geraten würde. Zu diesem Zeitpunkt war das Sportliche sowieso bereits in den Hintergrund gerückt. Rund um das Stadion herrschte maximale Alarmbereitschaft.

Bürgermeister Wowereit (SPD) dankte am späten Abend noch den Ordnungshütern für ihren beherzten Einsatz und rechtfertigte auch noch mal das 24stündige Alkoholverbot in ganz Berlin und Umgebung. Nur so sei größerer Schaden abzuwenden gewesen, so der Politiker. Für das Rückspiel in Gelsenkirchen nächstes Jahr haben Berliner Fans bereits Racheaktionen angekündigt. DFB-Präsident Theo Zwanziger gab indess an, das Spiel an einer neutralen Stelle unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lassen zu wollen. Ob sich die ewige Rivalität der beiden Vereine dadurch in den Griff bekommen lässt, steht allerdings in den Sternen.

David

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Modebeauftragter a.D.
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skAndy sagt:

Ich bin dieses Jahr nicht nach Berlin gefahren. Das ist mir einfach zu krass da. Beim letzten Derby in Berlin hat der Cousin von einem Freund meiner Tante gesehen, wie ein Rollstuhlfahrer im Vorfeld des Spiels umgeschubst wurde.

Basti sagt:

Sehr geil :)
Das „große Derby“ :D

David04 sagt:

Wir mussten mit Lyon Estates auch schon 2 Berlin-Konzerte absagen, weil Hertha-Hools rausgefunden hatten, dass ein Web 0.4 Autor bei der Band mitspielt und das Berliner Ordnungsamt für die „Sicherheit während der Veranstaltung“ nicht garantieren konnte.

AngryAtze sagt:

Ick lass‘ mich da ooch nich‘ mehr blick’n, bei meiner Matte hab‘ ich den Berliner Boden noch nich‘ janz betreten, da is‘ die Fresse schon rubbeldiekatz dick!

Arne sagt:

Ach, es gibt ja nichts schöneres, als den deutschen „Classico“ gewonnen zu haben…

David04 sagt:

Ich finde ja, dass ein Begriff wie „Clasico“ dem blauweißen Gipfeltreffen niemals gerecht werden kann. Zu viel Tradition, zu viel Emotion hier. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn wir verloren hätten! Ich hätte wochenlang nicht ohne Spott meiner vielen Hertha-Kollegen zur Arbeit gehen können.

Fiete sagt:

deiner vielen Hertha Kollegen… aha ;)
wir hatten das thema fanfeindschaft gestern beim armdrücken ja schon genug besprochen.
Dieser GROßE Hass zwischen Schalke und Hertha!!!

David04 sagt:

Schlage eine organisierte Messerstecherei auf dem Neumarkt vor.

TobiTatze sagt:

@David04: Ich hab es dir doch gestern noch geschrieben! Schnellfeuerwaffen ist das Stichwort. Lass doch lieber am Weiher treffen. Da ist weniger los. Von wegen Wald und Wiese & so.

David04 sagt:

Wenn schon dann Schildergasse. Umso mehr unschuldige Kollateralschäden, desto größer die Express-Schlagzeile über unsere dritte Halbzeit am nächsten Tag!

Isarmatrose sagt:

würde ja gerne über diesen phantastischen post lachen, wenn manches nicht traurigerweise wahr wäre. von keiner fangruppierung habe ich mehr, mir unverständlichen hass abbekommen, als von hertha-fans. nie gerafft wieso, denn für mich ist das einer der unbedeutensten vereine in deutschland, nur knapp vor wolfsburg und seitdem ich 1994 schalke-fan wurde, ist mir auch keinerlei brisanz bekannt.

naja, gewonnen ist gewonnen. hoffen wir mal das kaiserslauten und stuttgart [sic!] unser ergebnis angenehm bereichern.

schalker71 sagt:

Die sind schon geil, die Hauptstadt-Fans. Die reden über Sachen, die vor 40 Jahren passiert sind. Halloooo? Und wir werden ständig mit unserer Meisterschaft von 1958 konfrontiert… Geht es noch? Mein Befehl: Absteigen, liebe Berliner!

RWDJojo sagt:

Herrlicher Artikel :-)

Freue mich schon auf das Pokalfinale. Mein Traum wäre ein Finale in Berlin gegen die Nord-Lüdenscheider. Da können se in der Hauptstadt die Mauer wieder hochziehen. Eisern Union gemeinsam mit Schalke gegen die Hertha und den BxB ;-)