11 Nov

Alles außer Fußball: Von Kassetten und Bleistiften

Das Leben ist schön. Ich bin nunmehr 32 Jahre alt, habe eine wunderbare Frau und eine süße kleine Tochter die schon jetzt weiß wie sie mich um den Finger wickelt. Den Hang zum überschwänglichen medialen und materiellen Konsum muss sie definitiv von mir geerbt haben. Im zarten Alter von 3 Jahren und 8 Monaten weiß Kind von Welt genau was sie will und was auf sie auf keinen Fall will. Grenzen lässt man sich als Kindergartenmadame nämlich ungern setzen. Die Auffassungsgabe und das aufsaugen von Wissen gerade im Bereich der Unterhaltungselektronik sucht schlicht und ergreifend ihresgleichen. Wie schnell ein kleines Mädchen lernt ein iPad zu bedienen um auf Youtube den französischen Esel Trotro, den kleinen Elefanten oder Jonalu zu sehen ist schier unglaublich.

Aber zurück zum Konsum, in meinem Fall dem medialen Konsum. Ich habe mich lange Zeit nicht mit Kindersendungen und Kinderspielzeug auseinandergesetzt. Es bestand einfach keine Notwendigkeit mir Gedanken über Pokemons, bellende Plüschhunde und miteinander kämpfende Kreisel zu machen. Nun ist es aber soweit, ich muss es tun, ich achte genau darauf, was meine Tochter sieht, wie lange sie es sieht und mit was sie spielt.

Vielleicht denke ich zu gerne an meine eigene Kindheit zurück, aber was war das doch großartig damals Zini im ZDF zu sehen, Marionetten aus der Augsburger Puppenkiste oder sich halb totzulachen wenn Tom mit Fleischerbeil bewaffnet den armen Jerry jagte. Tripods! Großartig! Und heute? Spülschwämme die unter Wasser grillen, die Sesamstrasse nur noch animiert (?!),  Prinzessinnen hier, KiKaninchen da. Die Helden meiner frühen Kindheit sagen mir da doch eher zu als das heutige Gewäsch der „kindergerechten“ Unterhaltungsindustrie.

Beim Spielzeug fast das gleiche Spiel. Gibt es eigentlich noch irgendein Spielzeug das keine Batterien braucht um nervtötend zu blinken und Geräusche von sich zu geben? Wir als Eltern bemühen uns eisern um genau um diesen Mist einen Bogen zu machen, was die Verwandtschaft natürlich nicht davon abhält die kleine Larissa trotzdem mit einem dieser Nervenkiller zu beschenken.

21 Century Digital Girl beschreit meiner Meinung nach ganz gut die Welt in der meine Tochter aufwachsen wird. Verhindern will ich den anstehenden Umgang mit Computern nicht, zu wichtig ist es geworden sich in der digitalen Welt und dem Netz auszukennen. Das ganze in sinnvollen Dosen ablaufen zu lassen wird die schwierigste Aufgabe sein.

Was Jugendliche heute nie verstehen werden ist die Assoziation zwischen einem Bleistift und einer Kassette. Für mich selbstverständlich, heute für Kinder und Jugendliche unmöglich einen Zusammenhang herzustellen. Ein Bild beider Gegenstände ist für mich die perfekte Altersabfrage auf den nicht jugendfreien Seiten. ;)

Zum Abschluss mal eine Frage an alle Leser: Hat einer von euch verstanden warum Jugendliche sich heute  die Hose in die Socken stecken und diese so weit unten tragen als seien sie gerade beim 5 gegen Willi erwischt worden?

Eins muss man der heutigen Jugend allerdings lassen. Bei 4 Grad mit Joggingpeitsche an der Haltestelle stehen und sich den Arsch abzufrieren verlangt Respekt.

Glück auf

Kevin

Kevin

Technikbeauftragter des Web 0.4
Kevin

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SLib sagt:

Hey, du bist 32 und kannst mit Kassetten und einem Bleistift auf unterschiedlichen Bildern noch was anfangen?? Wow!
Was aber sagt dir die elterliche Schrankwand mit eingebautem LOEWE OPTA Rundfunkempfänger und hölzernem Gitterchen vor dem Lautsprecherchen auf dem einen Bild – und auf dem anderen ein GRUNDIG Klotz mit Hammertasten sowie einem ausgehenden Dünnkabelchen, welches in einem daumengroßen Monomikrophon endet??
Mich lässt es Queens Bohémian Rhapsodie hören. Per Mikro aus der Schlagerralley aufgenommen, samstags, 5 nach sieben, nach der Sportschau kamen dann die guten Lieder. – Bei den alten Kassetten allerdings helfen inzwischen auch keine Bleistifte mehr…

SLib sagt:

Entschuldigt, Kinder. Als ihr Punk für den Klang eurer Seelen hieltet, habe ich schon gemütlich Tee getrunken.

Schimanski sagt:

Ich erinnere mich noch an das Grundig Tonbandgerät mit dem mein Vater die Schalker Spiele aus dem Radio aufgenommen hat und einen alten Dual Plattenspieler den ich glaub ich immer noch im Keller habe. Erbstück von Oma, son 1,50 Meter Teil mit Radio.

Hütte04 sagt:

Schöner Artikel zu dem ich gerne Kritik äußern möchte:

Ich selber bin 14 und falle damit in die Kategorie Jugendlicher. Doch ich trage weder „Joggingpeitschen“ an der Bushaltestelle (ich muss ja auch keinen Bus fahren… meine Schule ist in meinem Wohnort :-D) noch trage ich Hosen in der Kniekehle und Mützen die ein Brett vorne dran haben. Ich höre auch weder Techno oder anderen „neuen“ Mist. Ich bin Fan von guten alten Rock. Meine Lieblingsband: AC/DC. Gefolgt von Falco und Queen. Auch nicht schlecht: Status Quo.
Kurzum: Ich führe ein Leben für den Fußball und für die Musik und wehre mich vehement gegen elektronische Musik die nur am Computer entsteht. Ich kämpfe für wahre und echte Musik die mit Hand gemacht ist und bin aus diesem Grund auch seit mehr als einem Jahr Drummer und spiele nur Rock. Und es gibt noch viel mehr Kinder/Jugendliche die genauso leben und sich gegen all das wehren. Gott sei dank!!!

Aber sonst ein guter Artikel.

Schimanski sagt:

@Hütte
Das du nicht dazu gehörst macht dich sympathisch, das du weißt was ich meine, dein Beispiel der Mützen mit Brett passt sehr gut, zeigt aber auch das ich nicht ganz falsch liege.

Hütte04 sagt:

Habe ich auch nicht gesagt. Sehr viele Jugendliche meinen, dass sie cool wären wenn sie jedem ihre Unterhose zeigen und die besagten Mützen tragen. Leider ist das so in unserer Zeit. Danke übrigens für das Kompliment :-D!

David04 sagt:

Geil übrigens: Die Tripods!!

skAndy sagt:

Ich finde es gar nicht so schwer, mit der Fernsehlandschaft klar zu kommen. KIKA zwischen sechs und acht biete einfach gutes Programm, da können sie dann mal ’ne halbe Stunde gucken, und gut ist. Und, eben, Tom & Jerry war maximal hektisch und brutal, und wir sind ja auch das höchste geworden, was ein Mensch werden kann. Trotzdem: Top Artikel.

Sebastian sagt:

Mein Sohn wird zwar nächste Tage erst zwei, aber ich kenne die Problematik mit Lärm und Licht und Action machenden Dingen. Wir achten natürlich drauf was er zum Spielen bekommt und was nicht. Ich bin auch großer Freund von Büchern (die ich auch aus meiner Kindheit noch kenne, aber es gibt auch gute neue finde ich) und mein Sohn zum Glück auch.
Diese ganze Fernseh- und Spielzeuggeschichte steht uns ja erst noch ins Haus – das wird bestimmt noch was werden… und Fernsehen hat, obwohl er davon noch gar nichts weiß, schon jetzt eine enorme Anziehungskraft!
Ich bekomme jedoch durch meine Arbeit (5. Klasse) diese ganzen Sachen schon mit. Was Kinder heute alles sehen, hören, spielen, bedienen… Alles fraglich!
Und ich finde es auch sehr Schade, dass die Farbzusammenstellung „bunt“ die einzig mögliche zu sein scheint und alles so hektisch und durcheinander sein muss. Ganz zu schweigen von so vielen Dingen aus meiner Kindheit die es nicht mehr gibt oder keine Rolle mehr spielen.

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist das Gerede über die heutige Mode (und Musik in den Kommentaren).
Klar sehen die lächerlich aus mit diesen engen Hosen und Arsch raus und Joggingbuchse und in die Socken und komische Cappies und und und
Aber wer möchte denn darüber urteilen? Meine Eltern waren ganz sicher zu bestimmten Zeiten auch nicht begeistert über mein Aussehen und ihre Eltern nicht über ihr Aussehen. Jede Jugend hat ihre eigene Mode und die ist wahrscheinlich durchgehend bescheuert, weil sie ja auf irgendeine Weise abgrenzend sein muss oder so konform mit den alten Werten ist, dass sie auch nicht gut ist. Deine langen Haare waren vielleicht schon kein Schock mehr, aber zehn Jahre früher…?!
Und wieso ist Musik, erzeugt mit ner elektrischen Gitarre und anders verstärkten Instrumenten besser als Musik die jemand mit dem Instrument Computer erzeugt hat? Das war doch vor, was weiß ich, 50 Jahren (eher mehr) ebenso „revolutionär“ wie heute elektronisch erzeugte Musik aus nem Rechner (die nebenbei bemerkt m.E. schon gar nicht mehr zur Abgrenzung taugt – schon viel zu etabliert).
Wenn man so urteilt, und nur AC/DC etc. für „richtige“ Musik hält, muss man sich schon überlegen ob wir dann nicht alle weiter Schalmei, Flöte oder Laute spielen müssen.
Ich finde man kann Musik aus dem Rechner als solche akzeptieren (ich hör die sogar sehr gern) und im Hinterkopf behalten, dass jeder der wie auch immer geartete „gute“ Musik mit nem Rechner erzeugen kann, auf jeden auch ein ordentliches Wissen über musikalische Grundlagen und auch andere Instrumente haben muss.

Der Kritik-Part ist jetzt länger geworden als der Zustimmungs-Part, dabei hab ich mich über den Artikel gefreut und ihn gern gelesen.
Gute Nacht!