Leerstunde

Eigentlich ist es noch gar nicht lange genug her, um klare und angemessene Worte für die Partie des gestrigen abends zu finden. Schalke unterlag dem FC Bayern mit 0:2, ein Ergebnis, welches mich wenig überraschte, und daher auch wenig ärgert. Ärgern lasse ich mich hingegen vom Auftreten des Bayern-Teams, von einem Schiedsrichter der das mit sich machen lässt und über den ein oder anderen Kurvenkommentar.

Wer es beispielsweise schafft „Was wollen die (sic!) mit so Leuten wie Matip und Baumjohann, die hätten ’se verkaufen sollen“ und „Die Bayern, dass ist doch nur eine beschissene Söldnertruppe“ in einem Rutsch zu sagen, weckt in mir den Wunsch, ihm direkt den „Purple Eyering“ zu verleihen, den er drei Tage lang stolz spazieren führen darf. Zwar bringen mich Zwischenrufe bei einem Matip-Fehlpass wie „Genau das mein‘ ich“ zum schmunzeln, dennoch glaube ich, dass es kaum Spieler gibt, die unseren Rückhalt mehr verdient hätten.

Den hätte dich vielleicht auch Manuel Neuer gewünscht. Ich persönlich fand den Empfang für ihn ein bisschen drüber. Wenn man ein solches Plakat ausrollt, wie man es gestern getan hat (das mit dem Kreuz) wäre ignorantes Schweigen doch der viel bessere Weg gewesen. Aber ich bin ja nun mal nicht der Kurvenregisseur. Was ich meine ist: Wir hätten Neuer spüren lassen sollen, dass es ein Fehler war, zu gehen, und den besten Club der Welt zu verlassen, statt nun die Mutter unseres ehemaligen Helden, was er zweifelsohne ist, der Hurerei zu bezichtigen.

Egal, nun ist es, wie es ist, die Presse hatte, was sie wollte und die Bayern eben auch. Drei gar nicht mal so schwer verdiente Punkte, die man ihnen zugestehen muss, aber sicherlich lieber gegönnt hätte, wenn sie nicht bei jedem Schalker Freistoß einfach den Ball zurückgelegt, bei jedem Foul mit bis zu vier Mann mit dem Schiedrichter diskutiert und bei eigenen Freistößen an der Stellung der Mauer gemäkelt hätten. Armselig dieses Auftreten. Und vor allem unnötig, wenn man doch so Fußball spielt. Aber Bayer ist wohl eben Bayer, auch wenn er dort nur sein Geld verdient.

Neuer hingegen bemühte sich um Etikette. Er jubelte nicht, er ging nicht zur Kurve und er meldete dem Schiedsrichter nicht die unzähligen (& mehr als überflüssigen) Feuerzeugwürfe. Ansonsten hatte er nicht viel zu tun und machte das auch noch gut. Ganz Profi eben. Mir ist er egal. Also nicht wirklich. Aber es ist wie mit der Ex-Freundin. Vielleicht sage ich mal einem Freund, wie sehr sie mich verletzt hat, vielleicht fällt dann sogar mal ein Wort, dass unter die Gürtellinie geht. Öffentlich runtermachen muss ich sie deswegen aber nicht.

Sei es wie es sei. Die Situation für den FC Schalke 04 könnte schlimmer sein. Wir haben immer noch ein tolles, entwicklungsfähiges Team, wir haben die Hälfte unserer Bundesligaspiele gewonnen und somit neun Punkte auf dem Konto (Sollten wir die Quote halten und am Ende 51 Punkte auf der Sollseite haben, bin ich fast zufrieden, und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die Quote sogar übersteigen) und wir haben ein weiteres Heimspiel anstehen. Ein Heimspiel gegen den SC Freiburg. Einen SC Freiburg, der bisher nur gegen Wolfsburg überzeugen konnte und mehr Gegentore als der HSV „erzielt“ hat. Das sind die Spiele, die wir gewinnen müssen. Ebenso wie das in Hamburg danach. Verzeiht mir, wenn ich die nächsten beiden Spiele als Richtungsweisend bezeichne.

Insgeheim glaube ich aber, dass die Hamburger Führungsetage schon auf den FC Schalke wartet, um den Trainer kurz davor zu ersetzen, um uns den Aufwind als 12. Gegenspieler zu präsentieren. Oft genug hat’s geklappt. Dazwischen irgendwann kommt noch Haifa, wo alles andere als ein Heimsieg besorgniserregend wäre. Will heißen: Abhaken, weitermachen und auf drei Siege bis zur Länderspielpause hoffen.

Die letzten Wochen haben uns gut verdeutlicht, was wir können, was wir nicht können, und wo wir hingehören. Es wird 2-6 Mannschaften geben, die am Ende mehr Punkte haben werden als wir. Das soll mir Recht sein.

Mehr zum Spiel – und nur(?!) zum Spiel – im Königsblog. Ins Eingemachte geht es bei Spielverlagerung.de

Andreas
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