Danke, Felix!

Ich will nicht mehr darüber sprechen ob er gehen sollte oder nicht. Aber ich will mich bedanken. Vielleicht „zum Trotz“, vielleicht „Auf jeden Fall“.

Sehr unabhängig davon, ob es nun einen Schaden gab oder nicht. Ich bin ein Magath Fan. Nein, ich bin Fan vom Magath-Bild. Fan von seinen Pressekonferenzen. Überhaupt. Mittlerweile benutze ich keinen Löffel mehr, um den Teebeutel des letzten Tropfens zu entledigen. Ich mache es mit der Hand. Danach wasche ich mir weder die Hände, noch benutze ich ein Tuch. Ich verreibe den ungezuckerten Tee in meinen Händen. Wieso auch nicht. Der Haut wird  der Kräutertee wohl nicht schaden. Darüber, ob Magath besonders zarte Hände hat, vermag ich aber trotzdem nicht zu spekulieren. Dass ich meinen Tee aber nur noch geräuschvoll schlürfe, versteht sich als Ehrensache. Ich schaute in der letzten Saison jeden Spielvorbericht, sprich: die Pressekonferenz. Nein: Ich sog sie meistens auf. Magath verstand es wie kaum ein Zweiter, meist freundlich und bestimmt, den Pressegesprächen seinen Stempel aufzudrücken. Das hatte schon was von Kino. Ich mag die Gesichtsausdrücke am Spielfeldrand. aus denen man soviel lesen konnte. Er hatte ungefähr zwölf Arten zu grinsen. Jede mit einem eigenen Stimmungsbild. Ich mochte diese fast schon schüchterne Art, mit der er die ersten Facebook-Videos moderiert hat. Ich mochte die Engelsgeduld, mit der er Autogramm um Autogramm gegeben hat.

Sei es wie es sei: Irgendetwas ist schief gelaufen. Irgendetwas muss passiert sein. Und auch als Magath-Fan fand ich nicht alles gut, was er gemacht hat: Zwar danke ich Magath für Raúl und Huntelaar. Beide Erfahrungen will ich nicht missen müssen. Huntelaar bei seinen ersten Auftritten, Raúl durchweg. Und natürlich danke ich Magath für den zweiten Platz. Für das Viertelfinale. Für das Pokalfinale. Und trotzdem möchte ich ihn immer wieder fragen: „Wer hat dir den Auftrag gegeben?“, wenn er argumentiert „Durch den unerwarteten zweiten Platz war ich gezwungen, umzudenken.“ Warum musste die CL-Quali einen Umbruch des Umbruchs bedeuten? Warum hätte man nicht die Linie weiterfahren können? Mit Jendrisek und Gavranovic in der Gruppenphase raus, aber finanziell gut aufgestellt durch die CL-Quali-Einnahmen und schlanke Gehälter. Klar, wir hätten diese Raúl-Momente nicht erlebt. Aber vielleicht andere sehr Schöne… DAS wäre ein Umbruch gewesen…

Doch ich schweife ab: Magath hat mich nicht vergessen mitzunehmen. Er tat es von Anfang an. Ich danke ihm für eine gute Zeit mit Ecken und Kanten und wünsche ihm eine gute Zukunft. Doch hoffentlich nicht bei einem direkten Konkurrenten.

 

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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