„Tu felix Austria“ – ein Gastkommentar

Du glückliches Österreich, du hast einen Zuckerbrausefabrikanten in deinen Reihen, der die Heiratspolitik der Habsburger auf der Weltbühne des modernen Fußballs zu immitieren versucht. Salzburg, New York, Leipzig, X-Alps, Racing, Air Race, Arenen – vermählt mit dem Namen des Gummibärchensafts. Und die Mitgift ist hoch, höher zumindest als die 30 Millionen Euro, die der Erfolgstrainer und Machtmensch Felix Magath von seinem Verein fordert, aber voraussichtlich nicht erhalten wird. Falls er sie doch erhalten wird, darf er sie aber nicht allein ausgeben. Es sei denn, er portioniert seine Ausgaben auf maximal 300.000 Euro pro Transaktion. Da aber der Verein keine 100 Oberliga-Spieler verpflichten wird, ist es wahrscheinlich, dass die frisch vermählte Braut Felicitas nach einem glücklichen Anfang in ein verflixtes 2. Jahr stürzt. Dabei geht der Ehevertrag doch über satte 4 Jahre, in deren Verlauf die Prinzessin zur Königin des deutschen Fußballs gekrönt werden sollte. Und jetzt? Fremdgehen, Ehebruch, Rosenkrieg, Scheidung? Und wer die Schuld daran zu tragen hat, das werden wir auf dem Boulevard erfahren.

Zu einer guten Ehe gehört Vertrauen – so sagt man im Allgemeinen – zumindest Glaubwürdigkeit – möchte ich ergänzen – wenn es schon nicht die große Liebe ist, sondern eher eine Zweckbeziehung. In den letzten Wochen wurde meiner Meinung nach dieses Vertrauen erschüttert und die Glaubwürdigkeit angekratzt. Wieviel Wahrheit in dem steckt, was ich gelesen habe, weiß ich nicht. Aber ich finde es beunruhigend. In einer funktionierenden Partnerschaft sollte man offen miteinander sprechen, sage ich immer. Probleme gehören dazu. Konflikte sind Bestandteil einer Beziehung. Ein Streit ist nicht schön, aber auch kein Weltuntergang. Kommunikation ist wichtig, wenn man Lösungen finden will. Miteinander reden tut gut, auch wenn am Ende herauskommt, dass man grundsätzlich unterschiedlicher Meinung ist. Ich weiß nicht, ob Herr Magath und Herr Tönnies miteinander geredet haben und ob sie sich wirklich alles gesagt haben. Das finde ich auch nicht wichtig, denn sie haben ja eigentlich noch genug Zeit für lange Gespräche. Ich habe jedoch den Eindruck, dass Herr Magath zur Zeit lieber mit seinen anderen Freunden spricht, die das dann in Wort und Bild gleich allen weitererzählen. Warum tut er das? Warum zerschlägt er Porzellan? Was hat er vor? Und er wird etwas vor haben, denn Herr Magath ist ein Stratege – auf dem Platz und neben dem Platz.

Ich bin übrigens Dortmunder, wie das 09 in meinem Nickname verrät. Und Derbyniederlagen tun weh. Aber nach jedem Derby freue ich mich auf das nächste. Der FC Schalke 04 ist nicht mein Freund, aber irgendwie doch ein langjähriger Wegbegleiter, fast schon so etwas wie ein Kumpel, weil es ohne ihn kein echtes Revierderby gäbe. Und wenn ein Kumpel zu mir käme und mir erzählte, seine Freundin hätte ihn verlassen wegen einem anderen, der mehr Kohle hat, oder wegen was auch immer, dann würde ich ihm sagen: Kopf hoch! Das Leben geht weiter. Wer weiß, wofür es gut ist. Vielleicht hat sie dich nie wirklich geliebt. Vielleicht hast du auch Fehler gemacht, aber Fehler gehören dazu. Das ist nur menschlich. Du kannst nur versuchen, beim nächsten Mal darauf zu achten, deine Fehler nicht zu wiederholen. Und ich ich wünsche dir eine Frau, die wirklich zu dir passt. Mag sein, eine neue Freundin erscheint dir jetzt nicht so glamourös wie deine Verflossene, aber wer braucht schon Glamour, wenn er die echte Liebe hat?

Hömma, gezz ma Pils unn bisken Mucke, tu ma Kassette… unn tu Felix ma Austria!

Letzte Artikel von Gastbeitrag (Alle anzeigen)