Rosarote Stille

Es ist ja nicht so, als würde man sich in Gelsenkirchen keine Sorgen machen. Allerhand muss man da momentan lesen. Beispielsweise, dass der Buerer Rathausbalkon für eine Meisterfeier zu klein ist und der Platz um das Rathaus nicht genug Menschen Platz bieten würde. Oder, dass die NRW-Wahl am Tag nach der vemeintlichen Meisterfeier darunter leiden würde! Zum Schmunzeln bringt mich, dass man damit rechnet, dass die Feierlichkeiten am Sonntag vorbei sein würden. Über andere Dinge, die zum Anfang der Saison noch für Aufruhe sorgten, liest man indes fast gar nichts mehr. Scheinbar wundert sich niemand mehr darüber, dass der FC Schalke 04 die bei der DFL-Lizensierung keine Auflagen bekommen hat. Warum auch. 20 Millionen Euro Mehreinnahmen stehen angesichts der direkten Champions-League-Qualifikation ins Haus. Da hat man ein Polster. Und es ist gar nicht mal unwahrscheinlich, dass Magath es sich nicht nehmen lassen wird, in der nächsten Saison weiter einen Sparkurs auf hohem Niveau zu fahren, um sich schlussendlich die vorzeitig verteilten Lorbeeren zu verdienen.

Denn mal ehrlich: Wir haben keine Rumpftruppe aus jungen Billigspielern, mit der wir die Bundesliga aufmischen, auch wenn es gerne so hingestellt wird. Überall höre ich von fehlender Qualität und Unerfahrenheit. Neuer, Bordon, Höwedes, Rafinha, Rakitic, Westermann, Kuranyi, Sanchez, Farfan sind zwar teils junge, aber sicher nicht unerfahrende oder sonderlich unvermögende Kicker. Man sollte nicht vergessen, dass wir immer noch eine der teuersten Mannschaften der Liga haben. Wenn mich nicht alles täuscht, sogar dem Tabellenplatz entsprechend. Klar, wir haben Moritz, Schmitz und Matip. Aber Bayern hat beispielsweise Badstuber und Müller, und auch andere Teams wie Nürnberg und Dortmund setzen verstärkt auf Jugend. Das ist toll. Sowohl von Magath, als auch von van Gaal, Klopp & Co. Eine so luxuriöse Nachwuchssituation hat es im deutschen Fußball lange nicht mehr gegeben und man kann nur hoffen, dass sie anhält.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin Magath-Fan. Er hat riesiges geleistet und Schalke den Spaß am Sport wiedergebracht, aber ein richtiger Neuaufbau hat – bedingt durch fehlende Angebote für aussortierte Spieler – nicht stattgefunden. Und war scheinbar auch (noch) nicht  nötig. Denn immerhin haben wir mit Magath das Ziel erreicht, welches uns die ganze Nullrunde der letzen Saison erspart hätte.

Das wiederum bringt andere (Luxus-)Probleme mit sich. Denn sind die Spieler, die Magath in der Winterpause geholt hat – für die nächste Saison, wie er betonte – wirklich Champions-League-tauglich? Bleibt jetzt doch der ein oder andere Kicker, den Magath schon auf der Streichliste hatte? Kommen hochkarätige Neuzugänge? Egal, denn die größte Errungenschaft in der jungen Magath-Ära ist die Möglichkeit, Trainerstab und Management vertrauen zu können. Ein Vertrauen, dass einem Anhänger anderer Vereine gerne ausreden wollen:

„Wenn ihr Meister werdet, ist Magath weg“, „Magath wird einen Scherbenhaufen hinterlassen“, „Niemand kann das Loch, das Magath hinterlässt, füllen“, „Hey, skAndy, lass die Finger von meiner Schwester“ und „…wie in Wolfsburg…“ sind nur einige Zitate, die man von Nicht-Schalke-Fans gerne um die Ohren kriegt.

Klar malt man sich, trotz allem Erfolg gerne mal ein Post-Magath’sches Horrorszenario aus. Aber nichts von dem, was ich mir so vorstelle könnte schlimmer sein, als die vergangene Saison.  Als das fehlende Vertrauen in Stab, Team und Vereinsführung. Es könnte höchsten genauso schlimm sein. Und, wenn es so kommt, erleben wir bis dahin vielleicht noch so eine versöhnliche Saison wie die gerade Ablaufende. Vielleicht ist das eine Rosarote Brille, aber sie macht mich zum glücklichen Fan!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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