Wie laut kann Stille werden?

Wie lange hat sich Magath in andächtiges Schweigen gehüllt? Keinen Satz zuviel zur Meisterschafts-Inflation der Journalisten. „Herr Magath, wird Schalke Meister?“ Vor 2500 Jahren hätte man die Olymischen Sieger mithilfe des Delphischen Orakels sicher prima weissagen können.  Heute hilft als Antwort auf eine so unendlich dämliche Frage entweder den Kaffeesatz in die Fresse des Reporters zu pressen oder aus erhabener Leichtigkeit mit einem Schweigen zu entgegnen. Letzteres wäre auch wieder eine pressedienliche Reaktion gewesen, die Magaths Mythos vom erlauchten Oberguru, der anscheinend täglich im Schneidersitz zum Training fliegt und mit rationalem Kalkül seine Fussballweisheiten an die jungen Adepten weitergibt, untermauert. Als solchen zelebriert ihn die Presse gerne, und dieses Bild – Hart und Weise, wie ein Samurai – verkauft sich gut. (Metaphern sind die Spielautomaten der Mittellosen). Sogar ich bin überzeugt. Aber nur fast.

Wäre da nicht die leichte Furche in den Mundwinkeln des Trainers, die wir von seinen Pressekonferenzen und Interviews kennen und lieben gelernt haben. Das Schmunzeln, welches wirkungsmächtiger und aussagekräftiger ist, als jede noch so retortenhafte Trainerantwort. Zudem zeigt uns die Geschichte, dass ein Understatement noch nie wehtat. Wer zuletzt lacht…möchte man (fast, aber auch nur fast) sagen.

Und wer weiss? Dieses Stille Schmunzeln wird, wenn nicht am ach so Heiligen Samstag (3.4.), so doch spätestens am 10.4. zu einer Artikulation, wenn selbst der überreflektierte Chef-Skeptiker auf den warmen Tribünenplätzen der Arena anfange  muss, aus dem warmen Schoß seiner CL-Qualifikationsplatz-Tiefstapelei herauszutreten.

Der Samstag ist nicht irgendein hochgestichelter Dooms-Day, auch das hat uns die Geschichte gezeigt. Aber wichtige Entscheidungen werden getroffen. Das Meinungsbild der Print-, Online- und Thekenjournaille hat sich mittlerweile gekehrt. Vom ewigen Bashing (ästhetiklose Bolzerei) bis hin zu neuerdings etablierten Würdigungen (beispielloser Stürmer, noch beispiellosere Abwehr) entzerrte sich das blau-weiße Bild und zeigt, auch dem verstimmten Dissidenten, dass hier keine rußverschmierten Arbeitslosen mit Grubenlampe auf dem Kopf prima taktische Fouls in Punkte ummünzen, sondern eine junge, aggressive und mutige Mannschaft nach einem guten halben Jahrhundert die Schnauze voll vom Warten hat und die  Anerkennung für sportliche Leistung verdammt nochmal erhalten soll.

Dass Magath schlauer als 10 Habermase ist, wusste eh schon jeder. Dass er dieses Wissen effektiv in 58 Punkte verwandeln lässt, wusste keiner. Und solange Matip hinten seinen Job gegen Ribéry nur halb so gut erledigt, wie letzten Mittwoch, kann aus dem stillen Schmunzeln eine leise Freude werden

Verzeiht bitte den Übermut; mit Verlaub – natürlich nur solange der Rasen mitspielt.

Strom Hagemann

Strom Hagemann

Poesiebeauftragter a.D. und Gründungsmitglied
Strom Hagemann