Wie ich am Donnerstag morgen (fast) zum Gewaltfan wurde…

Es muss eine Mischung aus Frust, fehlendem Selbstschutz und viel zu viel Alkohol für einen Mittwoch abend gewesen sein, die mich derart empfänglich für folgende Provokationen gemacht hat, denn wer skAndy kennt, wird vermutlich wissen, dass er – zumindest seit dem Beginn seines Vaterdaseins vor nunmehr acht Jahren – weder zu Gewaltexzessen neigt, noch sonderlich auf Streit aus ist, und immer für einen netten Plausch mit Auswärtsfans – auch nach Niederlagen – zu haben ist.

Da waren diese vier Bayern-Anhänger, die sich am Gelsenkirchener HBF – im Schutze der Polizei – lautstark über die fussballerische Unfähigkeit der Schalker Mannschaft, der Ungeniessbarkeit der „Veltins-Plörre“, die sie natürlich trotzdem tranken, dem übermäßigen Asi-Faktor Gelsenkirchens und vor allem der Schalker Fans, und der Unbesiegbarkeit ihrer Mannschaft, die „die Schalker schon bald erneut zu Spüren bekommen“ werden, unterhielten. Inmitten von frustrierten Schalke Fans, versteht sich! Skandy stand unmittelbar daneben, war angepisst, aber – wie immer – ruhig! Lasse reden! Auch die anderen Schalker blieben ruhig.

Der Zug Richtung Lüdenscheid kam. Die Grüppchen stiegen ein, die Polizei nicht. Eine relativ normale Diskussion zwischen einer Gruppe Schalker und den Bayern-„Fans“ entbrannte, in der sich die „Bayern“, die wohl eher nicht aus Bayern stammten, darüber lustig machten, dass die Leute ja nach Dortmund fahren würden, und ihrer Meinung nach somit Dortmunder wären. Selbstredend konterten die Blau-Weissen mit ähnlichen Sprüchen. Alles recht harmlos. Das diskutierende Schalker-Grüppchen stieg in Wanne aus (Wanne Eickel wurde kurzerhand von den Bayern zum Stadtteil Dortmunds erklärt, dass liess mich schmunzeln.) und liess mich mit den Bazis allein. Also ich war lediglich in deren Hörweite, da ich – ob meiner Laune – nicht gerade deren Nähe suchte.

Sie sahen mich nicht und fingen lautstark an, über das ausgestiegene Grüppchen herzuziehen und wieder und wieder zu erzählen, wie Asozial alle Schalker seien, und wie sehr sie diese hassten! „Alles asoziales Pack“. Endlich, Herne! Aussteigen und „ins Bett laufen“. Es war bereits 0.45h. Da blieben mir noch exakt 4,75 Stunden Schlaf! Leider musste ich auf dem Weg zur Türe an dem Bayerngrüppchen vorbei, die natürlich mit einem der berühmten Skandyblicke gestraft wurde. Ich rechnete fest mit einem Spruch, den ich dann mit einem müden Lächeln quittiert hätte, um wenig später sanftmütig ins Bettchen zu gehen.

Leider ließ es sich einer der vier Bajuwaren, derjenige, der vorher am lautesten über seinen Schalke-Hass zu berichten wusste, nicht nehmen, mir zuzuprosten und zu sagen: „Guck doch nicht so böse, wir sind doch alle nur Fussball-Fans!“. Ich kann heute nicht mehr ganz nachvollziehen, warum, aber mir platzte der Kragen und in den folgenden Sekunden spielten sich Szenen ab, die zugegebenermassen weder klug noch schön waren, die man glücklicherweise aber wohl eher als „Rangelei“, denn als „Schlägerei“ bezeichnen kann. Ich versuchte ihm klarzumachen, was jetzt passieren würde, wenn ich so Asozial wäre, wie er mich – als Schalker – dargestellt hat. Ich glaube, es muss aus meiner Nase gedampft haben. Jedenfalls war das Grüppchen wirklich ein wenig beeindruckt.

Ich hatte meinen Ausstieg verpasst und hatte somit noch eine Stunde weniger Schlaf, dafür aber die Genugtuung, das sie bis Castrop Rauxel den Mund gehalten haben, auch wenn ich mir denken kann, was sie danach alles zum Besten gegeben haben werden.

Mag sein, dass das Asozial war und es viele klügere Reaktionen gegeben hätte und ich selbst bin auch heute noch etwas verwundert, dass ich überhaupt so reagiert habe. Aber andererseits können diese Vier äußerst froh sein, dass sie „nur“ an mich geraten sind…

Euer Nachwuchs-„Hooligan“ skAndy

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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