22 Apr

Der Erdogan-Antrag

Mit der neuen Ausgabe des Schalker Kreisels wurden die Satzungsänderungsanträge zur Schalker Mitgliederversammlung im Juni bekannt gegeben. Dabei springt ein Antrag besonders ins Auge, es ist der Antrag zur Änderung des Verfahrens bei der Wahl und Besetzung des Wahlausschusses.

Der Wahlausschuss ist in der Satzung seit den 1990er Jahren vorgesehen. Die einzige Aufgabe des Wahlausschusses ist gleichzeitig eine enorm wichtige: Er filtert aus den Bewerberinnen und Bewerbern für die alljährlich stattfindende Wahl zum Aufsichtsrat die vier Kandidatinnen und Kandidaten heraus, die sich zur Wahl stellen dürfen. Der Wahlausschuss berät intern, wie er zu seinem Ergebnis kommt und muss dies nicht begründen. Zwar soll sich der Wahlausschuss an den Kriterien der Geeignetheit der Kandidatinnen und Kandidaten orientieren, aber da hat natürlich so jeder seine eigenen Vorstellungen.

Der Wahlausschuss ist in gewisser Weise mächtig: Es gibt regelmäßig deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber auf die Posten im Aufsichtsrat. Man kann darüber streiten, ob es Sinn macht, dass aus diesem Pool nur vier Personen ausgefiltert werden dürfen und der Rest strikt abgeblockt wird. Aber derzeit sieht die Satzung diese Regelung nun mal vor. Andererseits sind auch aktuelle Aufsichtsräte nicht gesetzt. Wenn der Wahlausschuss andere Kandidatinnen und Kandidaten für geeigneter hält als derzeitige Amtsträger, dann braucht der Wahlausschuss auch diese nicht zur Wahl zulassen. So wurden zwei sich zur Wiederwahl stellende Aufsichtsräte in der vorletzten Wahlperiode nicht als geeignet genug gehalten und nicht zur Wahl zugelassen. Im letzten Jahr wurde Clemens Tönnies trotz erheblicher Kritik an seinem Führungsstil dennoch zur Wahl zugelassen – und schließlich mit den zweitmeisten Stimmen in den Aufsichtsrat gewählt. Aber allein die Diskussion darüber, ob Tönnies tatsächlich die Chance erhält, erhitzte die Gemüter und die Tönnies-freundlichen Medien in einer Art und Weise, dass enormer Druck auf die Mitglieder des Wahlausschusses ausgeübt wurde.

Das soll jetzt alles anders werden. In einem gemeinsamen Antrag von Vorstand(!), Aufsichtsrat, Ehrenrat, Sportbeirat und Ehrenpräsidium (im folgenden „Erdogan-Antrag“ genannt) wird nun vorgeschlagen, die Satzung zu ändern. Nicht mehr die Mitgliederversammlung soll allein über die Zusammensetzung des Wahlausschusses entscheiden dürfen. Die Mitgliederversammlung soll nur noch über fünf (von dann zehn) Posten entscheiden dürfen, die anderen fünf Wahlausschüssler sollen dann gestellt werden von -genau- Vorstand(!), Aufsichtsrat(!), Ehrenrat(!), Sportbeirat und dem Ehrenpräsidium. Also letztlich beanspruchen die Antragsteller des Satzungsänderungsantrags mal eben schlappe 50% des Wahlausschusses für sich selbst.

Das ist ein starkes Stück! Denn der Job des Aufsichtsrats war es bislang, den Vorstand zu bestellen und zu kontrollieren. Das ist sein Auftrag. Abgesehen von dieser Hauptaufgabe ist er zum Großteil für die Personalbesetzung der anderen Gremien hauptverantwortlich. Etwa den Ehrenrat schlägt der Aufsichtsrat in eigener Verantwortung vor und lässt sich das Gesamtpaket seines Vorschlags ohne Aussprache und mit einfacher Mehrheit in der Mitgliederversammlung absegnen. Auch auf seine eigene Struktur hat der Aufsichtsrat schon jetzt erheblichen Einfluss, denn er kann eigene Mitglieder bis zu einer gewissen Anzahl einfach ohne das Votum der Mitglieder hinzufügen („kooptieren“). Jetzt, nach dem Satzungsänderungsantrags, soll der Aufsichtsrat zusätzlich also auch noch massiven Einfluss darauf haben dürfen, wer überhaupt zur Wahl des Aufsichtsrats in der Mitgliederversammlung kandidieren darf.

Dieser Vorschlag ist nichts weniger als der Versuch, das letzte Gremium des Vereins, auf das der jetzige Aufsichtsrat keinen Einfluss hat, auch noch mitzubestimmen. Der Mitgliederversammlung traut man offenbar nicht zu, linientreu abzustimmen. Die Vergangenheit hat es gezeigt. Wie kann es sein, dass über die Zulassung amtierender Aufsichtsräte zur Wahl überhaupt diskutiert wird? Nun hätte man dies durch eine andere Satzungsänderung regeln können, etwa durch eine Erhöhung der Kandidatenanzahl, die sich in der Mitgliederversammlung den Mitgliedern präsentieren darf unter der Bestimmung, dass amtierende Aufsichtsräte quasi automatisch das Recht zur Kandidatur erhalten. Aber offenbar geht das Vertrauen in die Mitglieder dann doch nicht soweit. Durch einen Einfluss der amtierenden Gremien in Höhe von garantierten satten 50% und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass von den restlichen 5 Positionen zumindest eine oder einer dabei ist, der die herrschende Meinung des Aufsichtsrats teilt, kann aus Sicht des Aufsichtsrats zweierlei sichergestellt werden: Erstens kommen dann nur noch genehme Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl durch. Kritiker an dem Kurs des Aufsichtsrats hätten per se keine Chance. Und zweitens können auch derzeit im Aufsichtsrat vereinzelt sitzende Kritiker durch diese Einflussmöglichkeit komplett verhindert werden – sie dürften dann bei einer folgenden Wahl gar nicht erst kandidieren

Letztlich haben wir dann ein selbstbefruchtendes System. Aufsichtsrat und Vorstand(!) suchen sich selber die Kandidatinnen und Kandidaten aus, die den bisherigen Kurs im Sinne der bisherigen Amtsträger weiterführen werden. Kritische Stimmen werden so von vornherein ausgeschaltet. Die Mitgliederversammlung hat letztlich keinen Einfluss mehr darauf, wie der Verein ausgerichtet wird.

Und das ist nichts anderes als Erdogan-Style. Etwas, das sich nach außen demokratisch nennt, aber doch inhaltlich weit davon entfernt ist. Stimmabgabe nur noch als Feigenblatt. Die Kritik an dem Verfassungsreferendum von Herrn Erdogan war und ist sehr ähnlich: Wenn diese Satzungsänderung angenommen werden sollte, dann zementieren sich bestehende Führungsstrukturen ein für alle mal. Die jetzige Vereinsführung wird das begründen mit einer Stabilität, die „in heutigen Zeiten doch so wichtig ist“. „Wir wollen keine chaotischen Strukturen. Das wollen auch unsere Sponsoren nicht.“ Auch Erdogan ist angeblich die Stabilität so wichtig und er lässt natürlich nur deswegen die Kritik an seinem Führungsstil verstummen. Zugegeben auf gewalttätige und existenzvernichtende Art und Weise. Und dennoch drängt sich dieser Erdogan-Vergleich einfach auf: Schalke 04 wird danach behaupten können: „Wir sind einer der letzten eingetragenen Vereine ohne Ausgliederung in der Bundesliga.“ Kleiner Schöhneheitsfehler: Die Mitglieder haben faktisch gar nichts mehr zu sagen. Sie dürfen dann noch abstimmen über Vorschläge des Aufsichtsrats selber. Sie dürfen noch über Nuancen abstimmen. Aber nicht mehr über größere, andere Visionen der Idee, was aus Schalke 04 einmal werden soll. Alles für die Sponsoren, alles für die Strahlkraft der Marke „Schalke 04“. Soziale Verantwortung, Einbettung von Faninteressen, aktive Arbeit gegen die Kommerzialisierung des Fußballsports sind dann nur noch Minderheiteninteressen und werden auf lange, lange Zeit wenn überhaupt, dann nur pro forma stattfinden. Wenns den Sponsoren gefällt.

Nicht, dass das zum großen Teil auch nicht heute schon so wäre. Aber mit dieser Satzungsänderung im Erdogan-Style gibt der eingetragene Verein FC Schalke 04 seine letzten wirklichen Rechte der Mitglieder aus der Hand. Zu Gunsten der bestehenden Führungsgremien. Diese sichern sich ihre Macht. Und das nicht nur für eine Wahlperiode, sondern für alle Zeiten bis zu einer etwaigen neuen Satzungskorrektur.

Das ist dann aber nicht mehr der eingetragene Verein, auf den wir bislang zurecht stolz sind. Schalke 04 ist ja derzeit nicht instabil. Es braucht diese angebliche Stabilität, die uns vorgegaukelt wird nicht. Clemens Tönnies ist nun stabile 23 Jahre im Aufsichtsrat, davon 16 Jahre als Vorsitzender. Was uns diese Stabilität insbesondere in den letzten Jahren gebracht hat, kann sich derzeit jeder auf dem Spielfeld, der Tabelle und den Diskussionen in der Mitgliederschaft anschauen. Wer diesen Weg okay findet und niemals über etwas anderes nachdenken kann, stimmt auf der Mitgliederversammlung mit evet!

Wem Mitgliederrechte wirklich etwas bedeuten, wer das „e.V.“ nicht nur als Worthülse sieht, sondern wem es wichtig ist, dass sein Mitgliedsbeitrag mehr Wert ist als das Recht auf Vorkaufsrechte für Tickets, wer mitbestimmen möchte, der lehnt diesen Erdogan-Antrag der Gremien auf der Mitgliederversammlung ab!

21 Apr

Ajax gegen Troja

(Quelle: isso, Stadtmagazin Gelsenkirchen, Mai2017) Ajax ist ein Begriff der Programmiersprache. Ajax ist ein Allesreiniger. Und Ajax Amsterdam war im April Schalkes Gegner im Viertelfinale des diesjährigen Europa League Wettbewerbs.

Gehen wir davon aus, dass sich dieser Verein seinen Namen nicht aufgrund des Konzepts einer asynchronen Datenübertragung gegeben hat. Spekulieren wir, dass ein Putzmittel zu sein, schon eher dem Selbstverständnis der Amsterdamer Fußballer entspricht. (mehr …)

17 Apr

Echt noch Hoffnung und so viele Fragen!

Schalke verliert in Darmstadt mit 1:2 in der 93. Spielminute. Vorher haben alle Mannschaften für uns gespielt, was nicht wenige an ein Scheitern in Darmstadt glauben liess. Man kennt das ja.

Das schlimmste an der Saison ist, dass wir mit diesem Rumgegurke immer noch alle Möglichkeit haben, das irgendwie „erfolgreich“ zu gestalten. (mehr …)

15 Apr

Europapokal!

Es hieß nicht nur so, es roch und schmeckte auch so:
Ajax Amsterdam, viermaliger Champions League-Gewinner, trifft auf den deutschen Super-Club, den siebenfachen deutschen Meister, fünffachen Pokalsieger und unser aller Herzensbrecher, ja – oftmals erste und einzige wahre Liebe, den FC Schalke 04. (mehr …)

08 Apr

Ungeduld

Bereits in der 6. Minute, bei Burgstallers wunderbarem Tor, hätten die Zweifel daran weichen können, dass dieser Fußballnachmittag nicht die logische Konsequenz der konstanten Inkonstanz werden könnte. Und so soll es sein: Auf das Debakel von Bremen folgt ein wunderbar souveräner Heimsieg. (mehr …)

06 Apr

Konstante Inkonstanz

Nach der Partie gegen Mainz feierte Co-Autor Henning noch die Wundertüte Schalke in der Anspielung auf seine Kindheit. Nun bin ich dran mit der Bewertung des Spiels in Bremen und was soll ich sagen? Ich konnte schon als Kind Wundertüten nicht leiden. Und so fühlt sich das erneute Desaster auch an. Liefen die letzten Partien doch allesamt sehr rund, liegt jetzt wieder ein Scherbenhaufen vor uns. Keimte nach dem Weiterkommen in der Euro League, dem Sieg in Mainz und dem starken Ende im Derby wieder so etwas wie Selbsbewusstsein auf, so schafft es das Team, all zu unrealistische Phantasien gleich wieder zu zerstören. Und wie so oft ist die einzige Konstante der gesamten Saison die absolute Inkonstanz – wenn Du keine Hoffnung mehr hast, kommt auf einmal eine ansehnliche Leistung und sobald gesetzter Optimismus da ist, gibt es die nächste hochverdiente Klatsche.

A propos Optimismus: Ein paar Stunden vor dem Spiel hörte ich, dass ein Mitarbeiter meines Büros Endspielkarten für die Euro League zugeteilt bekam. Und ich nicht. Mit dem Rückenwind aus dem Derby war schnell der Plan geschmiedet, für die Finalwoche eine Urlaubssperre für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verhängen und mir so dieses Ticket kostengünstig anzueignen. Immerhin will und werde ich nach 1997 wieder dabei sein beim zweiten Europapokaltriumph. Nach dem Spiel in Bremen werde ich das mit der Urlaubssperre nun nochmal überdenken. Was brauch ich Karten für Besiktas gegen Anderlecht? Im Prinzip ist es aber eine einfache Rechenaufgabe, ob es der Mannschaft gelingen wird, ins Finale vorzudringen und ob es gelingt, entweder noch unter die Top-6 der Bundesliga zu kommen oder stattdessen dem HSV seinen Relegationsplatz wegzunehmen. Wir müssen einfach nur immer rechnen: Ein Spiel Enttäuschung, ein lahmes Unentschieden, danach eine Mörderleistung, anschließend wieder ein hart umkämpftes, aber am Ende positives Unentschieden, gefolgt von der nächsten herben Enttäuschung. Für die restlichen Spiele bedeutet dies:

  • S04 – Wolfsburg:   0:0
  • Ajax – S04: souverän erspielter Sieg für uns, 0:2
  • Darmstadt-S04: ein unspektakuläres 1:2 (eigentlich ein Remis, aber hier ausnahmsweise ein Sieg)
  • S04 – Ajax: hier kommt jetzt wieder die Klatsche, ausgerechnet zum falschen Zeitpunkt. Die Tendenz zeigt also Richtung Ausscheiden
  • S04-Leipzig: ein lahmes 1:1, immerhin
  • Leverkusen-S04: hier wachsen wir über uns hinaus, es gibt ein 1:3 und Träume reifen von der erneuten EL-Teilnahme
  • Freiburg-S04: ein hart erkämpftes 2:2, nach 0:2 Rückstand zur Pause und verschossenem Strafstoß von Huntelaar
  • S04-HSV: zum unrechten Zeitpunkt wieder die herbe Enttäuschung, der HSV holt die Punkte, großes Pfeifkonzert in der Arena
  • Ingolstadt-S04: ein spielerisch unterirdisches 0-0 zum Abschluss. Statt der erhofften Meisterfeier also nur die Nichtabstiegsfeier. Clemens Tönnies hält vor dem Spiel eine Brandrede für die Springer-Presse und fordert Veränderungen.

Keine guten Aussichten also, wenn die Tendenz so weitergeht wie bisher. Aber wir wissen ja, von Regeln gibt es Ausnahmen und Schalke als Wundertüte der Herzen weiß, wie man Serien bricht. Ich bestell schonmal die Übergangssaisonjacke für die nächste Saison.

 

 

22 Mrz

Eine Halbzeit bei Union

Als ich vor einem halben Jahr nach Berlin gezogen bin, war das Einzige was mich wirklich davor zurückschrecken ließ, alles was mit Schalke 04 zu tun hat.

Nach ein paar Monaten fehlt einem natürlich noch Anderes, jedenfalls fällt mir jetzt erst so richtig auf, was mir am Ruhrgebiet und zuletzt in Düsseldorf so gefiel.

In meinem sozialen Umfeld tauchten bisher nur Unioner auf und natürlich ergab es sich, dass man auch mal zu einem Spiel mitgeht. Aus 2001 hat man irgendwie noch gute Erfahrungen. Union und Schalke, dass ist kulturell nicht so ganz weit entfernt.

Eisern Union stand letzten Montag nur ein Sieg gegen (ausgerechnet) den 1. FC Nürnberg davon entfernt auf Platz 1 der zweiten Liga zu klettern und das Stadion war ausverkauft.

Als Gruppe von knapp 10 Leuten war es dem Organisator der Sache irgendwie Wert uns besonders gute Plätze zu beschaffen. Also waren wir sehr zeitig im Stadion. 16€, Stehplatz auf der Gegengerade. Exakt auf Höhe der Mittellinie warteten wir auf den Anpfiff. Bis es sich ereignete, dass ich auf einmal Mitten in ein Gespräch Leute zwischen uns stellten.

Auf den Hinweis, dass sie sich sich gerade in Mitten meiner Reisegruppe bequemt hatten, reagierten sie reichlich empört. „Ich steh schon immer hier“ schlug es mir entgegen. Als Pöbel-Experte brauchte ich nicht lange um ein „ich auch, seit dem ich zu Union gehe“ zu entgegnen, was natürlich zunächst für einige Lacher sorgte. Ich selbst kam mir eigentlich eher reichlich beschämt vor. Schließlich würde ich es mega zum kotzen finden, wenn sich so Touristen, gerade weil es hipp ist und Union raketenmäßig abgeht auf die besten Plätze stellen und dann auch noch auf Stammplätze. Ich konnte die Situation leider nicht mehr entschärfen, obwohl ich es gerne getan hätte. Der von mir zurückbepöbelte hat sich nicht mehr eingekriegt, auf meinen lustig gemeinten Hinweis, dass ich schon seit 20 Jahren eine Dauerkarte habe, eskalierte er quasi. „Wo denn? Die will ich sehen! Bei Hertha oder wat?“. Kein dazwischen kommen mehr. Ich zog es vor, lieber die Fresse zu halten. Am liebsten würde ich mich entschuldigen. Boldt (oder so ähnlich) und Rückennummer 1 war auf seinem Trikot.

Bei Union gewesen zu sein war irgendwie wie in Parkstadionzeiten auf Schalke zu gehen. Es roch nach Holzkohle Bratwurst. Irre. Dieser Geruch im Fussballstadion. Das Stadion von Union, die Alte Försterei, wurde 2008 saniert. Die Betreiber-Gesellschaft ist eine Aktiengesellschaft und 44% der Aktien gehören Fans, der Verein hält 55%. Stolz sind sie in Berlin darauf, dass das Stadion mit mithilfe der Fans umgesetzt wurde.

Flutlicht, so Richtiges. Das von vier Seiten, und nicht vom Hallendach. Das macht eine andere Atmosphäre. Eine ehrlichere, als das Flutlicht, welches vom Arenadach kommt.

Ein paar Sachen sind mir sehr wohlwollend aufgefallen bei Union. Es wurden 2 ältere Spieler verabschiedet und eine langjährige Mitarbeitern. Ich glaub sowas ähnliches wie der Charly Neumann von Union Berlin.

Während der Verabschiedung und während des Aufwärmens nahmen alle Spieler an der Verabschiedung teil, selbst Jens Keller, den ich auch aus 50m Entfernung erkenne, war dabei und applaudierte.

Es gab kein richtig nerviges Vorprogramm, wo Sponsor XYZ irgendwas präsentiert. Zwar gab es auch einen Stadionsprecher und eine Kamera, die das ganze auf der Videoleinwand übertrug, aber es war nicht omnipräsent, sondern eher beiläufig. Man konnte sich gut unterhalten.

Während die Gästefans willkommen geheißen wurden, applaudierte das Stadion. Das gefiel mir. Man muss nicht jeden gleich als Hurensohn beschimpfen. Ich frag mich, wo dieser kulturelle Unterschied herkommt. Wie entwickelt sich sowas? Auf Schalke wird jede Gastmannschaft erstmal angepöbelt. Ich bin auch so sozialisiert worden und fand das lange normal. Aber eigentlich ist es bescheuert. Die Glubb-Fans sind am Montag 450km gefahren, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Das allein nötigt zunächst einmal Respekt ab, wenn man ehrlich ist. Das hat mir also imponiert.

Richtig Freude bereitet hat mir allerdings, dass dieses dämliche und überall gleich geschalte Mannschaftsaufstellungs-Prozedere bei Union anders ist. Während die Aufstellung des 1. FC Nürnberg durchgesagt wurde, schalte es nach jedem Spielernamen ein „Ja und?“ durch das Stadion. Witzig.

Bei der eigenen Mannschaft hingegen sagt der Stadionsprecher den vollen Namen. Richtig gelesen. Nicht den Vornamen und das Stadion brüllt mehr oder weniger zusammen den Nachnamen, auch bei dem hinterletzten Bankdrücker sondern der ganze Name wird einfach vorgelesen. Das Stadion antwortet danach mit „Fußballgott“. Es ist eine Nuance, die mir gefiel.

Vermutlich gibt es bei Union Berlin noch mehr zu entdecken. Aber irgendwas störte mich trotzdem. Ich stand auf dem Stehplatz eines fremden Vereins. Und nicht dem des 1. FC Nürnberg, wo ich schon so viele Spiele im Stadion gesehen habe, sondern bei einem völlig Fremden.

Ich bin in der Halbzeit abgehauen. Irgendwas war zu viel. Die fremden Gesänge, das Rumgehüpfe, das irgendwie ein bisschen Assi sein, halte ich bei Schalke 04 gut aus. Das ist meine Heimat, meine Herzensangelegenheit aber in fremden Kurven finde ich das gruselig.

Union ist wirklich ein wenig anders, als alles, was ich bisher gesehen habe und das sollten locker mehr als 100 Stadien und Fans gewesen sein.

Gespannt bin ich, wie sich das ganze in der 1. Bundesliga darstellt, sollte Union Berlin wirklich aufsteigen. Was passiert eigentlich, wenn der Verein mal europäisch spielt und aus einem 3/4 Stehplatz-Stadion ein reines Sitzplatz-Stadion wird?

Vor dem Spiel hörte ich einige, die sich über den heutigen Zulauf des Spiels naserümpfend beschwerten. „Sind wohl einige Zujezogene da, wa?“ – Ja so war das und es wird mit dem weiteren Erfolg nicht weniger. Union hat gewonnen. Die Fans sangen „Scheiße, wir steigen auf“.

Dafür alles erdenklich Gute.

21 Mrz

Wundertüte Schalke

Schalke siegt mit 0:1 in Mainz. Praktisch das i-Tüpfelchen auf eine Woche, wie wir uns sie doch immer häufiger wünschen würden. Ich bin ehrlich, nach dem souveränen Auftritt gegen Augsburg, und dem Eurofighter-Thriller in Mönchengladbach hatte ich mir nicht viel ausgerechnet. Dafür waren die Auftritte in dieser Saison zu schwankend, auf gute folgten dürftige Leistungen und gerade in den englischen Wochen ging der Truppe am Ende irgendwie immer die Luft aus. Zudem war ich live vor Ort, was in der Regel häufig in einem mittelschweren Desaster aber seltenst mit drei Punkten endet. (mehr …)

17 Mrz

Döp Döp Döp

Gibt so Tage, da kann man sich -döpdöpdöp- nicht -döpdöpdöp- konzentrieren. Man kennt das. Irgendwo hat man ein -döpdöpdöp- Lied aufgeschnappt, das dann nicht mehr das Ohr verlässt. Und damit -döpdöpdöp- meine ich nicht das epische Vereinslied des FC Ingolstadt, sondern den nervigsten Toreinspielsong der westlichen Hemisphäre, nämlich das Gladbacher döpdöpdöp aus dem Hause Scooter. Aber was heißt schon nervig. Man muss mit den Gegebenheiten umgehen können und als Zeichen des Respekts gegenüber dem -döpdöpdöp- internationalen Gastgeber feiert man das grandiose Weiterkommen ins Viertelfinale mit dem einheimischen Liedgut. Und so sang die Auswärtskurve schon nach dem verdienten Ausgleich und lange nach dem Spiel respektvoll diesen Knallersong mit seinem sozialkritischen und zum Nachdenken anregenden Text.

Es war ein Abend, der ganz im Zeichen des internationalen Wettbewerbs stand. Schon direkt nach der Auslosung begann das Kribbeln, nicht nur wegen des zu erwartenden Fußballspiels, sondern weil es international einfach dazu gehört, Land und Leute kennenzulernen und die Geschichte der gastgebenden Metropole zu studieren. Und so konnte man nach wenigen Klicks erfahren, dass man in Mönchengladbach niederrheinisch spricht, man altes Bier trinkt und auch zum Kochen altes Bier benutzt. Laut Wikipedia haben sich früheste Spuren von Besiedlung in Mönchengladbach schon vor rund 300.000 Jahren nachweisen lassen, damals noch in Form des Homo Erectus, einem Vorgänger des neuzeitlichen Menschen.

Homo Erectus, also sowas wie der erste aufrecht gehende Mensch der Geschichte, ist somit auch aufgrund seiner Gangart der erste, der überhaupt in der Lage ist, ein Handspiel im Strafraum zu begehen. Einer seiner Art mischte auch im Gladbacher Team mit. Das etwas unbeholfene Rumfuchteln mit den Armen konnte den Kontakt mit dem Ball nicht mehr verhindern und der höfliche Herr Schiedsrichter aus Großbritannien zeigte auf den Elfmeterpunkt. Zum Glück befand sich Elfmeterkiller Huntelaar zu diesem Zeitpunkt auf der Bank und zum Glück sah der forsche Gang von Choupo nach dem Elfmeterpfiff nur so aus, als wolle dieser schießen. Tatsächlich verwandelte Nabil Bentaleb sehr souverän. Ausgleich. Döpdöpdöp. Weiterkommen!

Dabei sah es vorher so ätzend aus. Gladbach war in der ersten Halbzeit nicht wirklich überragend, schaffte aber zwei Tore. Nun gut, ein Tor oder zwei Tore gegen uns bedeuteten keinen richtigen Unterschied, denn zwei mussten wir ohnehin machen. Aber diese eine Szene kurz vor der Halbzeitpause, als Choupo einen Konter vorne künstlerisch ausdribbeln wollte, anstatt was Zählbares daraus zu machen und im Gegenzug das 2-0 fiel; diese eine Szene hat einen nicht mehr recht dran glauben lassen, dass überhaupt noch etwas geht.

Aber -döpdöpdöp- es ging. Eine seltsame Unebenheit im Rasen führte zum Anschlußtor und das Auftreten des Homo Erectus in Mönchengladbach zum bereits beschriebenen Ausgleich.

Und somit war es dann mal wieder der perfekte internationale Abend.

Jetzt sind es noch 04 Spiele bis zum Finale und 5 Spiele bis zum Sieg des Wettbewerbs. Wird ja mal wieder Zeit. Der einzige Wermutstropfen an der ganzen Sache: In Stockholm ist das Bier unerhört teuer. Skål!

15 Mrz

Das Wunder vom Borussia Park

Die Fußballwelt war ja schon an Wundern wirklich satt. Grotenburgkampfbahn 1986, AOL Arena 2001, Camp Nou 2017. Aber was sich morgen zwischen 21.05 Uhr und 22.54 Uhr im Borussia Park zu Mönchengladbach ereignet haben wird, lässt Fans und auch bisher kaum der Fußballbegeisterung Verdächtige nun wirklich um Worte ringen. Wie soll man dieses Über-Wunder, diese magische Nacht der Unmöglichkeit, diesen Wahnsinn an Unvorstellbarem noch nennen, das, was da morgen abend passiert ist? (mehr …)

13 Mrz

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Hat hier irgendjemand den Faust gelesen? Ich frage für einen Freund, der gestern ein Fußballspiel gesehen hat. Er traut sich nicht richtig zu fühlen. (mehr …)

10 Mrz

Warum die Schalker Fans trotz des unbefriedigenden Ergebnisses am Ende applaudierten.

Gelsenkirchen. Einundzwanziguhrnochwas. Die Stimmung ist gedämpft. Nicht schlecht, aber gedämpft. Die Spieler im blauen Dress werden kritisch von ihren Fans beäugt. Fast alle sind sich einig: Hier muss ein königsblaues Schützenfest her. Alles andere ist nach der bitteren Niederlage im Ligaspiel am Niederrhein zu wenig.

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07 Mrz

Das WEB 0.4 fordert: Kein Machtwort von Tönnies!

Hört ihr das? Hach, diese Ruhe…Ist das nicht schön?

 
Wir spielen nicht besonders effektiv, nicht besonders attraktiv, vor allem aber spielen wir nicht besonders erfolgreich. 

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05 Mrz

Baby you can drive my car

In der Hinrunde war das Spiel gegen Gladbach der Wendepunkt. Nach 5 Niederlagen gewann Schalke zu Hause 4:0. Es war der Befreiungsschlag. Jetzt konnte man wieder oben angreifen.
Und nun? Die ersten 6 Spiele der Rückrunde sind gespielt. Diesmal wurden nicht 5 Spiele verloren. Trotzdem kommt es einem so vor, als stehe man wieder da, wo man die Aufholjagd begonnen hatte. 
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02 Mrz

Verschwörungen und bessere Zeiten

Ich habe ehrlich keinen Bock über München zu reden. Mach ’s aber trotzdem, denn meine unglaubliche These wird Dir die Augen öffnen. Wenn Du das innerhalb der nächsten 10 Minuten an 4 Deiner Freunde weiterleitest, spielt Schalke auch nächstes Jahr wieder international! Und Raúl kommt zurück! Und Matip! Und ein Fremder wird dir in den nächsten 4 Tagen seine Liebe gestehen. (mehr …)

26 Feb

Kurz und Schwer

Ich hege eine Abneigung gegen Heimspiele gegen Hoffenheim. Das hat nichts mit der durchaus vorhandenen Abneigung gegen Hoffenheim zu tun. Vielleicht hasse ich sogar Heimspiele gegen Hoffenheim. Und das ist ganz einfach begründet. Denn jedes Mal, wenn Hoffenheim auf Schalke spielt, verfalle ich in eine seltsame Stimmung. Eine Nachdenkliche. Eine Traurige.

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24 Feb

Was zählt?

#lastnightinbuer Was bleibt zum gestrigen Spiel zu sagen. Vielleicht παιχνίδι παίζεται στο γήπεδο – entscheidend is auf’m Platz.

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21 Feb

Kein Fussbreit…

Einige von euch kennen mich inzwischen recht gut. Lang genug gebe ich nun hier im Internet meine Meinung zum Fußball und seinem Drumherum kund. Nicht alle lieben das. Vor allem die nicht, die die Vokabel Gutmensch gerne nutzen. (mehr …)

20 Feb

Schalke in Köln, Sonntag Abend 17:30

Während die Königsblauen unter der Woche im Europapokal noch in Griechenland höchst erfolgreich waren, stand mit dem 1. FC Köln ein Gegner parat, der sich unter der Woche dem Trainingsbetrieb hingeben konnte.

Köln hatte vor dem Spiel schon 32 Punkte gesammelt. Schalke hingegen nur 25.
Während die Rheinländer auf Platz sechs schielen und damit endlich mal europäisch dabei sein können, versucht sich Schalke weiterhin daran den desolaten Saison-Start auszumerzen.

Wie Torsten in seinem Königsblog so schön schrieb, braucht es dafür einen Punkteschnitt von 1,8 vom eigentlichen königsblauen Saisonstart an Spieltag 6 als man Gladbach mit 4:0 nach Hause schickte. Man erinnert sich eigentlich kaum noch.

Das Spiel selbst war irgendwie zäh. Der Spiegel führt das in seinem Artikel zum Spiel auf die Leistungsdichte im Mittelbau der Bundesliga. Schalke ging in der 2. Minute schon mit 1:0 in Führung. Für mich ist daran erwähnenswert, dass ausgerechnet der Winter-Neuzugang Caligiuri das Tor vorbereitet hatte. Im Zuge dessen Neuverpflichtung, über die ich ein wenig überrascht war, habe ich mir mal die Leistungsdaten angesehen, die man auf transfermarkt.de so findet.

Dabei kam heraus, dass Daniel Caligiuri in 190 Bundesliga Spielen bloß 27 Torvorlagen gab. Was einen Schnitt von etwa 7 Spielen macht.

Bei Schalke ist der Schnitt jetzt auf 4 Spiele verbessert worden. Was mich natürlich erfreut. Erfreut hat mich natürlich auch das 1:0.

Kurz vor der Halbzeit schoss Modeste das 1:1. Was ein wirklich sehenswerter Treffer war. Wohl nicht umsonst streitet er sich dieses Jahr mit Lewandowski von Bayern und Aubameyang von den Gelben um die Torjäger-Kanone.

Damit war das Spiel eigentlich gelaufen. Schalke hätte das Spiel gewinnen können. Da war irgendwie mehr drin. Allerdings muss man auch feststellen das Schalke in den letzten 15 Tagen fünf Spiele hatte und keins davon ging verloren. Mein Bauch sagt irgendwie, dass es dieses Jahr einfach nichts werden wird mit einer Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb über die Bundesliga  im nächsten Jahr.

Allerdings rechne ich mir auch jedes Wochenende einen Wolf, ob man es nicht doch noch schaffen könnte. Und hier im Web 0.4, dem offiziellen Bildungsportal des FC Schalke 04, lasse ich euch teilhaben an meinem viertklässrigen Mathe-Spökes.

Folgende Bundesliga-Partien stehen für Schalke noch an:

FC Schalke 04    –    TSG Hoffenheim
Borussia M´gladbach    –    FC Schalke 04
FC Schalke 04    –    FC Augsburg
FSV Mainz 05        –    FC Schalke 04
FC Schalke 04    –    Borussia Dortmund
SV Werder Bremen    –    FC Schalke 04
FC Schalke 04    –    VfL Wolfsburg
SV Darmstadt 98    –    FC Schalke 04
FC Schalke 04    –    RasenBallsport Leipzig
Bayer 04 Leverkusen    –    FC Schalke 04
SC Freiburg        –    FC Schalke 04
FC Schalke 04    –    Hamburger SV
FC Ingolstadt 04    –    FC Schalke 04

In 13 Partien sind für Schalke noch 39 Punkte drin, mit den bisherigen 26 wären das 65 Punkte. Bedeutet auch, wir können noch 4 Spiele verlieren und ein Unentschieden machen, um auf 52 Punkte zu kommen. Wir können aber auch hier Schluss machen und die 65 Punkte nehmen. Das wäre Champions-League. Aber wir sind der FC Schalke 04, weit weg von maximalem Optimismus. Wir sehen das mal realistisch.

Gehen wir mal davon aus, dass wir fast alle Heimspiele gewinnen und nur eins verlieren, was in sechs Partien 15 Punkte wären.

Mönchengladbach auswärts könnte eine Niederlage werden. 0 Punkte.

Mainz auswärts, müsste dem Selbstverständnis nach ein Auswärtssieg zu holen sein. Ich tippe mal auf ein Unentschieden. 1 Punkt.

Bremen auswärts muss gewonnen werden. Ebenso in Darmstadt. 6 Punkte

Leverkusen könnte eine Niederlage werden. 0 Punkte

Freiburg auch ein Unentschieden. 1 Punkt

Und in Ingolstadt müsste man gewinnen. 3 Punkte

Macht 11 Punkte aus 7 Partien.

Und jetzt obacht:
52 Punkte

Na?

14 Feb

Ein Lichtblick

„Denk ich an Fußball in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“, so könnte das Motto derzeit heißen. Der Fremdschäm-Faktor rund um die Bundesliga nimmt mit jedem Tag ein bisschen mehr zu. (mehr …)